Wie Gedanken unsere Wirklichkeit formen

Abschlussarbeit von Nicole Ried, als PDF lesen


Vorwort

Oh wie schön ist Panama

Das durfte ich im Januar 2020 feststellen. Diese drei wöchige Reise sollte dazu dienen endlich Zeit für mich zu finden und mich nur mit mir zu beschäftigen.

Aber wie so oft im Leben kam alles anders. Ich hatte eine wunderschöne Zeit, aber alleine war ich nie.

Das war aber auch egal, weil ich so glücklich war wie lange nicht mehr.

Wieder zu Hause angekommen bin ich zunächst emotional in ein Loch gefallen. Aus dem Paradies zurück in den Alltag. Das war der Moment in dem ich angefangen habe zu bemerken, dass mir etwas fehlt.

Ich habe angefangen mich zu fragen, warum ich zu Hause nicht glücklich bin.

Mich überhaupt zu fragen was mich glücklich macht, was ich eigentlich will und vom Leben erwarte, was für mich den Sinn des Lebens ausmacht.

Die Fragen waren allerdings schnell wieder in den Hintergrund gerückt. Arbeit, Veranstaltungen, Feiern, Freunde, der Alltag hatte mich schnell wieder.

Das Leben ging weiter.

Das Gefühl der Leere blieb bestehen, obwohl ich es fleißig versucht habe zu verdrängen. Eigentlich war doch alles gut.

Dann passierte etwas womit niemand gerechnet hat. Der Ausbruch der weltweiten Corona Pandemie.

Plötzlich gab es keine Veranstaltungen und Feiern mehr, Freunde und Familie durfte man auch nicht mehr treffen. Die Arbeit ist zwar geblieben, aber ohne die netten Kollegen, isoliert alleine von zu Hause aus.

Da war es wieder, dieses Gefühl der Leere.

Und all die Fragen kamen erneut auf. Nun konnte ich sie aber nicht mehr verdrängen.

Es musste erst eine historisch einmalige Krisensituation eintreten, um mir Zeit für mich zu nehmen, meiner inneren Stimme zu zuhören und mich den essentiellen Fragen meines Lebens zu stellen.

Mir wurde klar, dass ich überhaupt nicht weiß was ich will und immer so gelebt habe, wie andere es von mir erwartet haben.

Ich fing an mich mit Achtsamkeit und Meditation zu beschäftigen und schnell folgten weitere Erkenntnisse.

Das war der Beginn der Reise zu mir selbst.

All die Erkenntnisse die ich hatte, die mir persönlich so viel gebracht haben, wollte ich weiter geben. Ich wollte anderen Menschen helfen denen es so ging wie mir, Menschen die bemerken, dass ihnen etwas fehlt, sich aber nicht erklären können was das sein könnte.

Denn eigentlich ist doch alles gut.

Das brachte mich zu der Coaching Ausbildung bei Inkonstellation.

Ohne genau zu wissen worauf ich mich einlasse und was Coaching eigentlich ist begann ich im November 2020 meine Ausbildung zum Systemischen Coach.

Wie meine Reise dort für mich weiter ging und was ich noch alles lernen durfte, sowohl über Coaching als auch über nicht selbst möchte ich in meiner Abschlussarbeit vorstellen.

Diese Erkenntnisse haben mein Leben zum positiven verändert und vielleicht inspirieren sie den ein oder anderen sich ebenfalls auf die Reise zu begeben und sich die entscheidende Frage zu stellen:

Was will ich?

Definition Coaching

Sonja Radatz beschreibt Coaching als eine Art Tanz, es wirkt leicht und einfach wenn man es von außen beobachtet, dabei ist es harte Arbeit, sowohl für den Coach als auch für den Klienten.

Der Coach weiß nie, mit welchem Thema der Klienten zu ihm kommt und auch der Verlauf des Coachings ist ungewiss und nicht vorhersehbar.

Als Coach muss man den Weg des Klienten mitgehen, ihn begleiten ohne die Richtung vorzugeben.

Wohin es geht bzw. gehen kann wissen weder Klient noch Coach.

Coaching ist ein ergebnisorientierter Prozess, der sich an der Problemlösungsfähigkeit des Klienten orientiert.

Durch Fragen und Methoden hilft der Coach dem Klienten dabei, sein Problem von außen zu betrachten, er hebt ihn also auf die Metaebene und er bezieht dabei alle relevanten persönlichen, organisatorischen, kulturellen und zwischenmenschlichen Betrachtungsweisen mit ein.

Das kann dem Klienten dabei helfen herauszufinden, was seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse sind und was von außen (von anderen Systemen wie Familie, Freunde, Arbeit, Gesellschaft) erwartet wird.

Es kann auch dazu führen, dass der Klient Glaubenssätze erkennt und auflösen kann.

Abgrenzung Therapie und Beratung

Coaching ist ein Beratungsprozess, zur Unterstützung des Klienten bei alltäglichen Fragen der persönlichen Lebensführung im beruflichen und privaten Bereich.

Es ist keine Beratung im eigentlichen Sinne, da hier keine Ratschläge vorgegeben oder übermittelt werden.

Der Coach begleitet den Klienten auf seinem Weg hin zur Lösungsfindung und unterstützt ihn dabei.

Damit ist Coaching prozessorientierte Hilfe zur Selbsthilfe.

Coaching ist keine Therapieform. Man kann mit Coaching keine Krankheiten heilen oder therapieren, es eignet sich ausschließlich für die Arbeit mit gesunden Menschen.

Sollte auch nur der Verdacht hin zu einer (psychischen) Erkrankung bestehen ist ein entsprechend qualifizierter Psychotherapeut oder Arzt zu kontaktieren.

Systemisches Coaching

Der Begriff System stammt aus dem griechischen und bedeutet so viel wie „aus mehreren Einzelteilen zusammengesetztes Ganzes“ also die Gesamtheit von aufeinander bezogenen und miteinander verbundenen Elementen.

Man spricht in verschiedenen Kontexten von Systemen, für das systematische Coaching relevante Systeme sind Familien-, Organisations- und Unternehmenssysteme, aber auch Zweiersysteme wie beispielsweise die Ehe oder auch das eigenen innere System.

Es ist fast unmöglich Vorhersagen bezüglich der Dynamik in (lebenden) Systemen zu treffen, da sie der ständigen Beeinflussung und Wechselwirkung durch die Systemelemente unterliegen und die Systemelemente sich auch untereinander beeinflussen.

Sie sind autopoetisch, d.h. sie können sich selbst erschaffen, erhalten und erneuern.

Das bedeutet, dass wir als Systemelement den Systemen in denen wir uns bewegen nicht hilflos ausgeliefert sind.

Wir bestimmen und beeinflussen sie kontinuierlich mit.

Wenn wir etwas an einem System ändern wollen, können wir immer damit anfangen, etwas an uns selbst zu ändern, denn eine Änderung unseres eigenen Verhaltens hat immer auch Auswirkungen auf die anderen Systemelemente und auf das System an sich.

Sollten wir feststellen, dass eine uns befriedigende Veränderung nicht möglich ist, steht es uns ebenso frei das entsprechende System zu verlassen.

Die Systemelemente verhalten sich nicht beliebig, sie richten ihr Systemverhalten nach für das jeweilige System geltenden Regeln und Gesetzen, Strukturen und Mustern aus.

Als Coach muss mir bewusst sein, dass ich ein System, zu dem ich nicht gehöre, weder beeinflussen noch ändern kann.

Dazu zählen die Systeme in denen sich der Klient bewegt, ebenso wie sein inneres System. Aber ich kann zusammen mit meinem Klienten das gemeinsame Beratungssystem immer wieder aufs neue gestalten, damit wir uns beide wohl fühlen.

Sonja Radatz spricht hier von der systemischen Haltung (Teil-der-Welt-Haltung).

Viele Menschen betrachten ihre Struktur, ihre Systeme, als gegeben und nicht veränderbar.

Wir sind eben wie wir sind.

Das ist natürlich sehr bequem, da wir so gar nicht erst versuchen etwas verändern zu wollen, dass man nicht ändern kann, nämlich uns selbst.

Diese Haltung ist aber keineswegs mit Faulheit (zumindest nicht bei allen) zu verwechseln, sonder oft lediglich Unwissenheit.

Die Unwissenheit darüber, dass wir selbst unseren Fokus lenken und unsere Wirklichkeit konstruieren können.


als PDF weiterlesen