Wertearbeit im Coaching

Abschlussarbeit von C. Tokple, als PDF lesen


„Es macht keinen Sinn zu versuchen, eine andere Person zu motivieren, indem
man an Werte appelliert, die diese nicht hat.“

Steven Reiss

Kapitel 1: Werte

Kapitel 1.1 Einleitung

Werte spielen im NLP eine wichtige Rolle und treten sehr vielfältig im Rahmen eines Coachings auf. Beim Chunking
in Richtung eines größeren Bedeutungsrahmens wird beispielsweise versucht, ein Gespräch auf eine höhere Ebene
zu lenken. Abstrakte oder beispielhafte Aussagen eines Gesprächspartners werden mittel up-chunking genutzt, um
unter anderem die Werte des Klienten zu ermitteln. Auf Werteebene sind effizientere Interventionen möglich. In der
Zielearbeit sind Werte ebenfalls von zentraler Bedeutung, daher sollen Werte in dieser Arbeit das zentrale Thema
sein. Nach einem Überblick werden verschiedene Wertemodelle und auch mögliche Formate zur Arbeit mit Werten
erläutert.

Kapitel 1.1 Definition

In seiner Enzyklopädie der Wertvorstellungen definiert Sauer Werte als „..allgemein erstrebenswerte, moralisch
oder ethisch als gut befundene spezifische Wesensmerkmale einer Person innerhalb einer Wertegemeinschaft
.“
Aus den präferierten Werten eines Menschen entstehen Charaktereigenschaften, Denk- und Handlungsmuster
sowie Glaubenssätze.

Werte können ähnlich wie Glaubenssätze entstehen. Zum einen sind persönliche Erfahrungen und auch Vorbilder
für die Entstehung von persönlichen Werten verantwortlich. Vorbilder können zum einen Familienangehörige und
Freunde sein, aber auch weniger nahe Personen und auch fiktive Vorbilder können bei der Entwicklung von Werten
von Bedeutung sein.

Kapitel 1.2 Wichtigkeit von Werten

Wenn eine Person genaue Vorstellungen von den eigenen werten hat, ermöglicht der Person ein gezieltes Denken,
Fühlen und Agieren bezogen auf die wichtigsten Lebensbereiche. Ist diese klare Wertvorstellung nicht gegeben,
handeln wir möglicherweise gegen unsere Werte, was zu Inkongruenz führt (O’Connor, Seymour, 2005).

Daher ist es wichtig, seine eigenen Wertvorstellungen zu ermitteln, die immer auf den individuellen, persönlichen
Möglichkeiten, Skills und Grundmotiven sowie auch auf den sich im aktuellen Umfeld vorliegenden Gegebenheiten
basieren (Sauer, 2019).

Kapitel 1.3 Wertekategorien

Werte sind eng verknüpft mit den vielen unterschiedlichen Rollen, die wir in unserem Leben einnehmen. Abhängig
von einer zu erledigenden Aufgabe, Lebenssituation oder Position in einer Gruppe oder Unternehmen, kann sich
die Auswahl und Gewichtung unserer Werte erheblich verändern. In Tabelle 1 sind unterschiedliche Ebenen auf-
gelistet, in denen wir in unserem Leben eine bestimmte Rolle einnehmen. Ein interessantes Tool zur Evaluierung
der Werte-/Rollen-Dynamik kann eine entsprechende Matrix sein.

Werte- und Rollenebenen (In Anlehnung an Sauer, 2019)

• Selbst
• Familie
• Freunde, Bekannte
• Firma
• Soziale Gruppen
• Nation
• Kulturkreis
• Ganze Menschheit
• Alle Lebewesen
• Umwelt und Natur

Kapitel 2: Wertemodelle

In der Literatur findet man unterschiedliche Wertemodelle. Unter Wertmodell versteht man definierte Werte-
systeme, die in Kategorien, Prioritäten, Bedeutungen, Polaritäten, Entstehungsprozesse eingeteilt sind und
helfen können, Werte einzuordnen und besser zu verstehen. Eine Übersicht zu Wertemodellen liefert Sauer
(2019):

• Das „Reich der ethischen Werte“ (Nicolai Hartmann)
• Das „Wertequadrat“ (Friedmann Schulz von Thun)
• Wertemodell nach Shalom H. Schwartz
• Die „Reiss-Profile“ (Steven Reiss)
• und weitere

Im Folgenden werden exemplarisch einige Wertemodelle beschrieben.

Kapitel 2.1 Das Wertequadrat

Das Wertequadrat (oder auch Entwicklungsquadrat) von Friedmann Schulz von Thun stammt ursprünglich von
Nicolai Hartmann und wurde von Schulz von Thun weiterentwickelt. Im Ursprung geht das Wertequadrat sogar
auf Gedankengänge Aristoteles zurück.
Die Idee ist hierbei, dass ein Wert nur dann eine vollständig konstruktive Wirkung erreichen kann, wenn er sich
in einer gleichmäßigen Spannung zu einem Gegenwert befindet. Andernfalls wird der Wert übertrieben gelebt
und führt so zu einem negativen Ergebnis.
Ein oft hier erwähntes Beispiel ist der Wert Sparsamkeit (1), der ohne den positiven Gegenwert Großzügigkeit
(2) zu dem Wert Geiz (3) führt. Großzügigkeit ohne den Gegenwert Sparsamkeit führt dagegen zu Verschwendung
(4). Diese Beziehungen sind in Abbildung 1 visualisiert.

Die obere Linie zwischen 1 und 2 beschreibt das positive Spannungsverhältnis zwischen dem Wert und seinem
positiven Gegenwert. Die Diagonalen (1-4 und 2-3) führen zu den konträren Gegensätzen der jeweiligen Werte.
Die senkrechten Linien führen zu den „entwertenden Übertreibungen“, wie Schulz von Thun diese in seinem
Text bezeichnet.
Die untere Linie 3-4 zeigt den Weg, den man bestreitet, wenn man es nicht schafft, einen positiven Gegenwert
mit entsprechendem Spannungsverhältnis zu etablieren und sich stattdessen von einem Unwert zu einem
anderen Unwert bewegt.
Das Wertequadrat kann bei der persönlichen Entwicklung eines Klienten unterstützen. Arbeit mit Gegensätzen,
Widersprüchlichkeiten, Polarisierung oder Dilemma können typische Anwendungsfelder für das Wertequadrat
sein.

Kapitel 2.2 Reiss Profile

Steven Reiss (1947 -2016) war ein amerikanischer Psychologe, der in seinem Arbeitsbereich für originelle Ideen,
Befundungsmethoden und einflussreiche Forschung geachtet wurde. Bei Forschungen zur Zufriedenheit und
Leistungsfähigkeit von Menschen definierte er 16 Motivdimensionen, die die Antriebs- und Wertstruktur einer
Person bilden. Des Weiteren unterscheidet Reiss die Motive in „Glück durch einfaches Wohlfühlen“ und „wert-
orientiertes Glück“ (Sauer, 2019). Bei einem Blick auf die 16 Lebensmotive nach Reiss (siehe ) wird die Über-
schneidung zur Wertedefinition deutlich.

Der Einsatz der Reiss Profile findet üblicherweise Anwendung beim Coaching, Training, im Spitzensport und
in der Personalarbeit.


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