Rapport mit Jugendlichen

Abschlussarbeit von Kristina Dierschke, als PDF lesen


1 – Definition Rapport und Pacing

Im NLP versteht man unter Rapport die positive Beziehung zwischen Individuen, die durch gegenseitige Achtung,
Verständnis und Vertrauen gekennzeichnet ist. Rapport ist die Grundlage für zwischenmenschliche Beziehungen
und dann erreicht, wenn Menschen das Gefühl haben, verstanden zu werden.

Wenn man einen Menschen kennen lernt und diesen sympathisch findet, dann wird man versuchen, sich dieser
Person anzupassen. Man passt Arm- und Beinbewegungen an, die Kopf- und Körperbewegungen, die Stimme kann
sich verändern, man spricht in der gleichen Tonart, im gleichen Tempo und auch die Lautstärke passt sich an. Sogar
die Atmung kann auf den anderen abgestimmt werden. Im privaten Kreis geschieht dieses sogenannte Pacing meist
zufällig. Im Coaching ist es wichtig ein enges, vertrauensvolles und von hoher Wertschätzung geprägtes Verhältnis zu
seinen Klienten aufzubauen.
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2 – wie Jugendliche ticken…

Jugendliche möchten sich von Erwachsenen abgrenzen und empfinden jegliche Nachahmung als lächerlich. Erwachsene
und Ältere werden als Leute mit überholten Ansichten erfahren, die Entwicklungen bremsen. Außerdem neigen
insbesondere die Eltern gerne dazu, einen Vortrag zu halten, anstatt sich auch die Argumente des Jugendlichen
anzuhören. Es scheint häufig so, als würden Jugendliche nur argumentieren, um recht zu bekommen, aber
tatsächlich  ist es eine Argu-Kommunikation: Kommunizieren mit dem Ziel, Argumente zu sammeln, um diese bei
Gleichaltrigen anzuwenden. Die Jugendlichen brauchen ihren Gleichartigen gegenüber Argumente, warum sie
gewisse Dinge jetzt nicht mitmachen. Diese sammeln sie im Vorfeld bei ihren Eltern.

 

3 – wie Jungendliche kommunizieren…

Wir leben in einer Kommunikationsgesellschaft. Jugendliche sind Meister der Kommunikation, können aber
erbarmungslos schweigen, wenn man nicht in echten, respektvollen Kontakt mit ihnen tritt. Sie nutzen alle
Mittel zur Kommunikation und entwickeln auf eine selbstverständliche Art und Weise neue Formen von Kontakt.

 

4 – Kommunikationsbedingungen und sokratische Methode

Vor dem Gespräch:
Wenn möglich, kann der Jugendliche die Atmosphäre mitbestimmen, indem er den Platz selbst auswählt. Da
wir unbewusst dem körperlich Größten die Verantwortung für ein Gespräch übertragen, ist es von Vorteil sich
hinzusetzen. Für einen lebhaften Jugendlichen ist es sicher sinnvoll während eines Spaziergangs oder eine
Ballspiels zu reden.

 

Kommunikationsbedingungen bei Jugendlichen:

1) zum Gespräch bereit sein
2) Erzählen anregen
…es geht nicht darum, was WIR wichtig finden, sondern was für den Jugendlichen wichtig ist.
3) zielgerichtet weiterfragen
…denn ist das Weiterfragen auf das Interesse des Gesprächspartners gerichtet, wird das Gespräch
angenehm verlaufen.
4) Wertschätzung für Denkprozess äußern
…wenn der Erwachsene sich wertschätzend über die neuen Erkenntnisse äußert, wird der Kontakt
viel besser.
5) Bereitschaft zum Lernen zeigen
…zeigt der Erwachsene seine Bereitschaft zum Lernen, beinhaltet dies Respekt und ist für die
Kommunikation sehr förderlich.
6) sokratische Methode
…davon überzeugt sein, dass der Jugendliche, der Sachkundige von beiden ist.

 

Sokrates (470 bis 399 vor Christus) war ein wichtiger griechischer Philosoph. Es gibt nichts von ihm auf Papier. Was
uns von Sokrates überliefert wurde, stammt hauptsächlich von seinem Schüler Platon und dessen Aufzeichnungen.
Sokrates wichtigstes Kennzeichen war, davon überzeugt zu sein, wenig zu wissen oder zu verstehen und stattdessen
den anderen für den Sachkundigen zu halten. Sein berühmtes Zitat: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“. Er konnte
außerordentlich geschickt Fragen stellen und nachhaken, so dass sein Gesprächspartner seine Meinung nicht nur
kundtun, sondern vor allem auch entwickeln konnte.

Die sokratische Art der Kommunikation bedeutet vor allem, den Denkprozess des anderen zu begleiten, und zwar
mittels des eigenen Interesses und des Wissens, über das man selbst verfügt. Es ist erwiesen, dass Erkenntnisse auf
die man selber gestoßen ist, länger im Gedächtnis haften bleiben und dass diese tatsächlich Verhalten steuern
können. Ratschläge werden oft nicht befolgt, Einsichten schon.

Gerade bei Jugendlichen ist es besonders wichtig, auf diese Weise zu kommunizieren, da sie stark auf
Gleichwertigkeit ausgerichtet sind und dankbar für die Gelegenheit sind, ihr eigenes Denken zu schärfen.
Die sokratische Methode heißt begleiten statt leiten. Begleiten damit der andere entdecken kann.

 

5 – Metakommunikation

Metakommunikation ist die Kommunikation über die Kommunikation und möglicherweise das stärkste Instrument
zur Gewährleistung einer guten Gesprächsführung und sollte immer ein fester Bestandteil des Gesprächs sein.

Dazu zählt:

1) Das Gesprächsziel verdeutlichen
2) einen Jugendlichen wissen lassen, welche Absichten man verfolgt und nach der Bereitschaft des
Jugendlichen fragen
3) einen Jugendlichen wissen lassen, dass er schweigen darf
4) zu benennen versuchen, was man empfindet
5) den Jugendlichen dazu einladen, seine Meinung über ein Gespräch zu äußern
6) prüfen, ob das Gesprächsziel erreicht ist
7) für das entgegengebrachte Vertrauen danken!

 

6 – Fazit

Rapport bei Jugendlichen wird nur funktionieren, wenn der Jugendliche zum Gespräch bereit ist, die sokratische Art
der Kommunikation angewandt wird und Metakommunikation einfließt. Wenn man diese drei Punkte bedenkt,
findet der Rapport bei Jugendlichen genauso wie bei Erwachsenen statt, nur ohne Pacing.


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