Inneres Team digital genutzt

Abschlussarbeit von Christin Zilsdorf, als PDF lesen


Einleitung

Menschen, die miteinander zu schaffen haben, machen einander zu schaffen!
Schulz von Thun 2021, S. 137

Schulz von Thun, Kommunikationsexperte und Professor für pädagogische Psychologie in Hamburg, bringt hier die Doppeldeutigkeit des Begriffes „Schaffen“ in einen subtilen, aber durchaus anregenden Zusammenhang.

Menschen interagieren und kommunizieren stetig und ständig miteinander.

Sie haben also miteinander zu „schaffen“, sie beschäftigen sich miteinander.

Jeder Mensch konstruiert seine Wahrnehmung und Gegenwart jedoch, basierend auf der Theorie des Konstruktivismus, subjektiv. Es gibt also keine objektive Wahrheit, was zur Konsequenz hat, dass verschiedene Individuen, mit dem Moment des Kontaktes, in Konflikte miteinander geraten können; sie machen einander zu „schaffen“.

Schulz von Thun hat neben dem „Vier-Ohren-Modell“ (Schulz von Thun 2021, S. 13) auch die Methode des „inneren Teams“ grundlegend in die Welt der situationsgerechten Kommunikation implementiert.

Da Konfliktsituation allgegenwärtig sind und der Mensch in verschiedenen Lebensmomenten und – phasen auf sie trifft, dies kann auf der Arbeit geschehen, im Unternehmen, während des Sportes oder auch innerhalb des Freundes – oder Familienkreises geschehen, soll in dieser Arbeit durch die Anwendung des inneren Teams als Coaching Intervention der praktische Nutzen dieser Methode in intrapersonaler Ebene analysiert werden.

Denn, wenn Menschen auf Konflikte treffen, muss nicht immer eine zweite Person involviert sein.

Dies kann auch im intrapersonalem Kontext, also innerhalb einer Person, geschehen.

Um genau diese Art von Konflikten soll es im weiteren Verlauf der Arbeit gehen. Dazu wird zunächst kurz der Begriff „Konflikt“ umrissen und definiert.

In diesem Zusammenhang wird zusätzlich der intrapersonale Konflikt stärker beleuchtet. Daran anschließend wird die Methode des inneren Teams nach Schulz von Thun vorgestellt und die Vorgehensweise anhand eines Praxisbeispiels analysiert.

Hierbei soll die Frage beantwortet werden, inwiefern dieses Modell für die digitale Welt und somit für eine online Coaching Session nutzbar ist.

In dieser Arbeit wird auf das Online Tool von coachingspace.net zugegriffen. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt damit auf dem Praxistransfern, sodass der vorangestellte Theorieteil nur einen Abriss des Modells und der Konflikttheorie beinhaltet.

Konflikt

Bezugnehmend auf das eingangs angeführte Zitat von Schulz von Thun stehen Menschen mit dem Moment des Aufeinandertreffens und Interagieren vor der Möglichkeit eines Konfliktes.
Daher wird nachfolgend kurz eine mögliche Definition des Begriffs Konflikt sowie der des inneren Konfliktes angeführt.

Definition

Es gibt eine enorme Anzahl an verschiedenen Definitionsmöglichkeiten für den Begriff „Konflikt“. Je nachdem aus welchem Blickwinkel und welcher Wissenschaft man auf dieses Phänomen blickt, werden unterschiedliche Erklärungswiesen herangezogen.

Es würde den Umfang dieser Arbeit sprengen, wenn ich eine allgemeingültige Definition versuchen würde herzuleiten. Ab dem Moment, in dem ein Dritter diese liest, ist der Versuch gescheitert. Daher werden nachfolgend Eigenschaften beleuchtet, die einen Konflikt im Allgemeinem zu geschrieben werden (vgl. Skript Coaching Ausbildung InKonstellation S. 114).

Einem Konflikt zu Grunde gelegt wird immer die Annahme, dass die Entstehung durch unterschiedliche Wahrnehmung des Menschen selbst, dessen Umwelt und anderer Personen gründet.

Dieser Ansatz basiert auf der Theorie des Konstruktivismus, dessen Grundsatz wie folgt zusammengefasst werde kann

Das Individuum reagiert nicht auf Reize und Stressoren aus einer objektive Perspektive heraus.

Es interpretiert eine Situation anhand von Sinneseindrücken aus seiner subjektive Realität heraus, die stark von der individuellen Prägung des Selbst entstanden sind (vgl. Skript Coaching Ausbildung InKonstellation, S. 32).

Legt man diese Theorie einer Konfliktentstehung zu Grund, ist es nicht weiter überraschend, dass Menschen in jeder möglichen Lebenssituation in einen Konflikt geraten können.

Ab dem Moment, in welchem zwei Menschen unterschiedliche subjektive Konstrukte der Gegebenheit erzeugen, bilden sich konträre Meinungen. Dies ist ein zweites wichtiges Attribut des Konfliktes.

In einem Konflikt muss es oppositive Meinungen, Ziele oder Personen geben.

Diese unterschiedlichen Sichtweisen, Meinungen, Interessen, Vorstellungen oder Werte müssen scheinbar so amibivalent sein, dass diese unvereinbar sind.

Das mitunter essentiellste Merkmal ist wohl aber, dass der Konflikt von den Beteiligten überhaupt erst als ein solcher wahrgenommen wird. (vgl. Skript Coaching Ausbildung InKonstellation, S. 114).

Innerer Konflikt

Bevor nachfolgend das innere Team vorgestellt wird, möchte ich kurz den „inneren Konflikt“ beleuchten.

Wenn es um die Konfliktanalyse geht, wird auf psychologischer Ebene zwischen drei verschiedenen Ebenen unterschieden: die personale Ebene, die Ebene der Gruppenkonflikte und die intrapersonale Ebene (vgl. Skript Coaching Ausbildung InKonstellation, S. 115). Letztere beschreibt einen „inneren Konflikt“, also eine Auseinandersetzung im inneren eines Wesens.

Die Herausforderungen eines intrapersonalen Konfliktes besteht in der Mannigfaltigkeit seines Aussehens und seiner Darstellung.

So kann ein Konflikt den Anschein machen, als ginge es dabei um nur zwei Mitglieder oder um eine ganze Horde an inneren Meinungen, die einerseits miteinander und andererseits gegeneinander arbeiten und „wettern“. Dieses Komplex beschreibt Schulz von Thun mit „innerer Pluralität“ (Schulz von Thun 2021, S. 32ff.).

In seinem Werk „Miteinander reden:3“ analysiert er eindrucksvoll die Parallelen zwischen dem Innenleben eines Menschen zu den gegebenen gesellschaftlichen Dynamiken um ihn herum:

Die innere Dynamik im Seelenleben des Menschen entspricht in weiten Teilen der Dynamik, wie sie sich in Gruppen und Teams ereignet.

und weiter:

Das Geheimnis für ein produktives Arbeits- und Seelenleben (mit Effektivität nach außen und guten „Betriebsklima“ nach innen) liegt im gelungenen Zusammenspiel von kooperativen Führung und Teamarbeit“
Schulz von Thun 2021, S. 77).

Bereits in dieser Beschreibung des inneren Lebens und seiner Struktur verweist Schulz von Thun auf „Mitglieder des inneren Teams“ (s.o., S. 28).

Die Komplexität eines intrapersonalen Konfliktes sind durch den Vergleich mit dem gesellschaftlichen Leben lebhafter und anschaulicher geworden und soll nachfolgend gemeinsam mit den Mitgliedern des inneren Teams und den Phasen einer inneren Konfliktbearbeitung intensiver auf theoretischer Basis betrachtet werden.

Das innere Team nach Schulz von Thun

Selbstgespräche, die Frage an sich selbst, ob jene Antwort oder Reaktion im Dialog mit jemandem die richtige war oder ob es nicht eine „bessere“ Antwort gegeben hat, der plötzliche Einfall unter der Dusche, die verbale Entscheidung, welche vorher getroffen wurde, doch zu bereuen, kennt jeder.

Doch was spricht in diesen Fällen in uns?

Wer setzt sich in unserem Kopf oder vielleicht auch Bauch mit einander auseinander?

Folgt man Schulz von Thun setzt sich diese innere Pluralität aus den „Mitgliedern des Inneren Teams“ (Schulz von Thun 2021, S. 28) zusammen. Eben jenes soll nachfolgend aufgegriffen, definiert und der Ablauf für den Einsatz als Intervention in einer Coaching Sitzung beschrieben werden.

Dies dient als Verständnisgrundlage für den daran anschließenden Praxistransfer mit einer Coachee.


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