Hypnotische Sprachmuster

eine Annäherung über das Milton-Modell

Abschlussarbeit von Mayada Chehab Wolf, als PDF lesen


1. Einleitung

NLP beruht auf die Anwendung des Meta-Modells der Sprache. Diese stellt eine sachliche Darstellung unseres
Sprachgebrauchs dar und zeigt auf, wo sich Informationsverlust im gesprochenem oder geschriebenem Wort
befindet und wie diese wieder hervorgeholt werden kann.
Richard Bandler und John Grinder haben genau diese Vorgehensweise bei Fritz Perls, Virginia Satir und anderen
Therapeuten beobachten können. Einer ging jedoch den umgekehrten Weg – Milton Hyland Erickson. Er stellte
das bisher entwickelte Modell des Sprachgebrauchs auf den Kopf und ihm zu Ehren wird dieses umgekehrte Meta-
Modell der Sprache das Milton-Modell genannt.
Der Zweck des Milton-Modells ist es, dass der Coachee durch einer kunstvollen, unpräzisen und vagen Sprache
und überzeugend vorgetragenen Suggestionen neue Türen erkennt, neue Wirklichkeiten entdeckt und neue
Perspektiven gewinnt.

Im Nachfolgenden wird Milton H. Erickson als Person und seine Arbeit kurz vorgestellt, das Meta Modell der Sprache
soweit als nötig erläutert, um anhand dessen die Besonderheiten des MiltonModells darzulegen.

2. Milton Hyland Erickson

Milton Hyland Erickson (1901-1980) wird als einer der schöpferischsten scharfsinnigsten und erfindungsreichsten
Psychotherapeuten des 20. Jahrhunderts beschrieben. Er benutzte Sprache in einer kunstvoll vagen Weise, so
dass diese für seine Patienten die Bedeutung annehmen konnte, die für sie am Angemessensten war. Sein unge-
wöhnliches Lebensschicksal hat seine Arbeit und Therapiestil maßgeblich beeinflusst.

Milton H. Erickson wurde als zweites von neun Kindern geboren und ist einem ländlichen Umfeld in Wisconsin auf-
gewachsen. Er litt an Legasthenie und galt lange Zeit als entwicklungsverzögert. Kurz nach Abschluss der High-
school erkrankte Erickson schwer an Kinderlähmung. Vollkommen bewegungsunfähig erwachte er nach drei Tagen
aus dem Koma und verbrachte die nachfolgenden Monate im Schaukelstuhl. In dieser für ihn sehr prägenden Zeit
lernte er seine Umgebung genauestens zu beobachten, die verbale und nonverbale Kommunikation zu verstehen
und zu deuten. Er entwickelte ein besonderes Gespür für seine eigene Wahrnehmung und begann mit seinem Vor-
stellungsvermögen zu experimentieren. So konnte er mit seinem reinem Vorstellungsvermögen Körperteile stärken,
so dass seine gelähmten Muskeln wieder funktionstüchtiger wurden. Nach fast einem Jahr konnte er an Krücken
gehen. Er erklärte einmal, die Kinderlähmung sei für ihn in Bezug auf menschliches Verhalten und seine Möglichkeiten
die beste Lehrerin gewesen, die er je hätte haben können.

Erickson studierte Medizin an der Universität Wisconsin und interessierte sich ab seinem zweiten Studienjahr für
Hypnose. Er approbierte 1939 zum Facharzt für Psychatrie und unterhielt von 1934-1948 eine ordentliche Professur
zur Psychiatrie an der Universität von Wisconsin. Nach einem lebensgefährlichen anaphylaktischen Schock auf-
grund einer Tetatusimpfung nach einem Fahrradsturz, für diese er sich bewusst trotz seiner bekannten Allergie
entschieden hat, gab er seinen Lehrstuhl ab und eröffnete seine Praxis zuerst in Phoenix (Arizona) und später in
Maryland. Ungeachtet seiner sich wegen seiner Polio-Erkrankung zusehends verschlechternden Gesundheits-
zustands hielt er weiterhin Vorträge und Reisen bis 1969 bzw. führte seine Praxis bis 1974 weiter. Er starb 1980
an einer akuten Infektion.

Milton H. Erickson war trotz oder auch genau wegen seiner besonderen Biographie eine einfühlsame, positiv
eingestellte, lebensbejahende und sehr zugewandte Persönlichkeit und ein Meister in der Beobachtung und
Deutung nonverbaler Kommunikation. Er fühlte sich nur den Gedanken der Beweglichkeit, der Einzigartigkeit
und der Individualität verpflichtet. Er war fest davon überzeugt, dass eine ausdrückliche Persönlichkeitstheorie
den Psychotherapeuten nur einengen und unbeweglicher machen würde und blieb daher in seinen Anwendung
der therapeutischen Hypnose atheoretisch.

3. Meta-Modell der Sprache

Das Meta-Modell der Sprache stellt ein theoretisches Abbild des allgemeinen spezifischen Sprachgebrauchs dar.
Hierbei richtet sich das Augenmerk besonders auf nicht erwähnte verlorengegangene Informationen. Mit dem
Meta-Modell der Sprache sensibilisieren wir uns auf die Fehlgeformtheiten im gesprochenem/geschriebenem
Wort, die wir sonst bei uns selbst und anderen nur unbewusst wahrnehmen. Fehlgeformtheiten in der Sprache
geben uns Hinweise auf innere Defizite der Wahrnehmungs- und Verarbeitungsprozesse und deuten verarmte
Weltbilder an. Die Bewusstheit dieser Fehlgeformtheiten erlaubt uns, gezielte Fragen zu stellen, mit denen wir
unsere Sichtweise und die des Coachees verstehen und erweitern können.

Durch jede Erfahrung, die ein Mensch macht, entsteht eine Prägung im Gehirn. Diese Prägung spiegelt nicht
die Wirklichkeit wider, sie ist nur ein Bild davon (NLP-Axiom: „Die Landkarte ist nicht die Landschaft“). In
diesem Sinne heißt das:
Traumatische Erfahrungen können gewisse Wege nicht kartieren (Tilgung), können alle Wege nach Rom führen
lassen (Generalisierung) oder den richtigen Abbildungsmasstab nicht wiedergeben (Verzerrung).
Diese traumatische Erfahrung in der Tiefenstruktur seiner Selbst verarbeitet und überlagert sämtliche nachfolgende
positive Erfahrungen, denn diese werden als absolute Ausnahme wahrgenommen. Die negative Erfahrung wird in
einer sehr eingeschränkten Oberflächenstruktur des Denkens abgelegt.
So kann sich aus einer einzigen negativen Erfahrung mit einem Dackel ein komplettes Weltbild ergeben („Nimm
Dich in Acht vor allen Hunden!“, siehe Abbildung 1).

Die Oberflächenstruktur ist das, was wörtlich gehört oder auch gelesen wird (in unserem Fall eine Antipathie
gegenüber Hunden). Die Tiefenstruktur bezieht sich auf eine nahezu vollständige verbale Beschreibung des
Erlebten. Das, was sprachlich ausgedrückt wird, also in der Oberflächenstruktur formuliert wird, entspricht
in den seltensten Fällen dem ganzen tatsächlichem Geschehen also der vollständige Tiefenstruktur aus der
erlebten Hundeattacke.

Bei dem Vorgang, die erfahrene Hundeattacke zu verbalisieren, können Fehlgeformtheiten entstehen. Diese,
wie oben bereits erwähnten, Tilgung, Generalisierung und Verzerrung sollten erkannt und hinterfragt werden,
um der Tiefenstruktur einer Aussage auf dem Grund zu gehen und das eigentliche, ursprüngliche Erlebnis
dieses Menschen zu erforschen.

Hierzu werden die sogenannten Meta-Modellfragen eingesetzt, um…

  1. Eindeutigkeit zu erreichen („Nachfragen statt Interpretieren!“)
  2. beim Coachee einen Sortierprozess einzuleiten, um die ursprüngliche Erfahrung zugänglich zu
    machen und neu zu erleben.
  3. auch beim Coach Verständnis für die Sichtweise des Coachees hervorzurufen und ggfs das
    Weltbild des Coaches zu erweitern.

Tilgung („Ich mag keine Hunde.“)
Durch gezielte Fragen (Was genau magst Du nicht? Woran merkst Du, dass Du sie nicht magst?) können
getilgte Erfahrungen wieder entdeckt werden und Informationen für eine mögliche Lösung gewonnen werden.

Generalisierung („Alle Hunde sind gefährlich.“)
Über Vereinfachungen und Verallgemeinerungen wird die Komplexität der Wirklichkeit geordnen. Dies führt
zu einer Verarmung des Wahrnehmungsmodells des Menschen („Schwarz-WeißDenke“), die Details und das
ganze Bild der eigentlichen Erfahrung (Tiefenstruktur) sind in der Oberflächenstruktur (Sprache) nicht mehr
verfügbar. Dies führt zu verallgemeinernden Aussagen mit immer, nie, damit, man, alle, etc.. Durch das Auf-
brechen des eingeschränkten Weltbilds können Lösungswege weahrgenommen oder auch innere Haltungen
neu geordnet werden.

Verzerrung („Ich verhalte mich total normal und der Hund attackiert mich.“) Hier entsteht eine Opferhaltung,
in dem der Mensch eine Kausalität zwischen seinem eigenem Gefühl und der Handlung anderer Menschen
bzw. Ereignisse in der Außenwelt verknüpft. Somit wird die Verantwortung für sich selbst abgegeben. Das
Hinterfragen des eigenen Verhaltens u.a. Auch über eine Meta-Position ist ein Weg, Situationen und Aus-
sagen neu zu bewerten.

Das Meta-Modell der Sprache sensibilisiert für das Nicht-Gesagte und unterstützt in dem Aufdecken dessen,
in dem eine klare und spezifische Sprache verwendet wird.


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