Führungskraft als Coach

Hilfreich oder hinderlich?

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Diese Abschlussarbeit befasst sich mit dem Thema

„die Führungskraft als Coach“ und der Frage „hilfreich oder hinderlich?“

In der Ausbildung zum Coach habe ich Vieles über das Coach-Sein sowie über den wirkungsvollen Einsatz von Coachingtechniken und -methoden gelernt.

Hierbei stoße ich allerdings als langjährige Führungskraft auf die Fragen:

▪ ist es möglich, auch als Führungskraft für meine Mitarbeiter Coach zu sein?

▪ tauchen Rollenkonflikte auf?

▪ wie kann ich Coaching als Führungskraft einsetzen?

▪ wie hilfreich ist Coaching im Umgang mit meinen Mitarbeitern, für meine Führung und für die Erreichung von Team- und Mitarbeiterzielen?

Um dieser Fragen für mich zu beantworten oder ein Stück näher zu kommen, habe ich mir einige Themen näher angeschaut:

  1. die verschiedenen Rollen als Führungskraft, Coach und Klient (Mitarbeiter)
  2. das Rollendilemma der Beteiligten / entstehende Konflikte
  3. Ansatz
  4. Fazit

Quellen und Inspirationen für meine Ausführungen und Erkenntnisse sind meine eigenen Erfahrungen und Erkenntnisse, die Seminare und Unterlagen von InKonstallation, Erlesenes aus verschiedenen Büchern und Artikeln sowie Wikipedia.

In dieser Arbeit wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit die männliche Form verwendet. Weibliche und anderweitige Geschlechteridentitäten werden dabei ausdrücklich mitgemeint.

Die verschiedenen Rollen als Führungskraft, Coach und Klient (Mitarbeiter)

Die Rolle als Führungskraft

Eine der Aufgaben einer Führungskraft ist es, die Mitarbeiter zu führen, zu leiten und Orientierung zu geben.

Es ist ihre Aufgabe, den Mitarbeitern die Visionen, Ziele und Strategien des Unternehmens zu vermitteln und die Bedeutung derer „in ihre Sprache zu übersetzen“.

Die Führungskraft stellt eine Verbindung von Unternehmenszielen zum täglichen Aufgabengebiet der Mitarbeiter her und zeigt auf, welche Rahmenbedingungen dabei zu beachten sind oder genutzt werden können.

Für die Mitarbeiter stellt sie dar, welche ihrer Arbeitsfelder in wie fern betroffen sind und welche eventuellen Veränderungen mit den (neuen) Strategien/Zielen einhergehen.

Eine wichtige Aufgabe der Führungskraft ist es, mit den Mitarbeitern im Kontext der Unternehmensziele entsprechende Teamziele (z.B. Erreichen von Kennzahlen, Prozessoptimierung, Qualität) aber auch persönliche Zielvereinbarungen (z.B. Selbstorganisation, Zeitmanagement, Entwicklung von Stärken etc.) zu treffen.

Sie arbeitet gemeinsam mit den Mitarbeitern an der Entwicklung und Erreichung der Teamziele und deren persönlichen Ziele (Weiterentwicklung).

Führungskräfte sind somit auch in der Funktion des Personalentwicklers wirksam. Sie fördern die Potenziale des Mitarbeiters, unterstützen sie bei ihrer Zielerreichung, helfen bei der Umsetzung von Aufgaben und motivieren bei schwierigen oder ggf. unliebsamen Tätigkeiten.

Dies bedeutet, dass die Führungskraft verschiedene Perspektiven einnehmen muss und sich meistens in einer Sandwichposition befindet.

Sie muss die Erfordernisse und Ziele des Unternehmens im Blick haben, gleichzeitig die ihres Teams und die jedes einzelnen Mitarbeiters berücksichtigen.

Die Rolle als Coach

Laut Wikipedia bedeutet Coach: „Trainer, Begleiter, Mentor“ Und Coaching:

Coaching wird als Begriff für unterschiedliche Beratungsmethoden (Einzelcoaching, Teamcoaching, Projektcoaching) verwendet und dient für die Entwicklung eigener Lösungen.

und weiter:

„Coaching bezeichnet strukturierte Gespräche zwischen einem Coach und einem Klienten (Coachee), z.B. zu Fragen des beruflichen Alltags.

Die Ziele dieser Gespräche reichen von der Einschätzung und Entwicklung persönlicher Kompetenzen und Perspektiven über Anregungen zur Selbstreflexion bis hin zur Überwindung von Konflikten mit Mitarbeitern, Kollegen oder Vorgesetzten.

Dabei fungiert der Coach als neutraler, kritischer Gesprächspartner und verwendet je nach Ziel Methoden aus dem gesamten Spektrum der Personal- und Führungskräfteentwicklung.“

Zusätzlich möchte ich die Aussage durch das ergänzen, was ich in der Ausbildung und beim Lesen der Seminarunterlagen von InKonstallation zur Haltung des Coachs lerne: Der Coach hat und zeigt Respekt und Wertschätzung für die Situation des Klienten, erwertet, bewertet und be- oder verurteilt das Verhalten nicht.

Er ist verschwiegen und behandelt die Themen seines Klienten vertraulich.

Der Coach verantwortet die Steuerung des Prozesses und reichert diesen durch entsprechende Methoden und Techniken an, um dadurch dem Klienten Lösungs- und Ressourcenorientierung zu geben.

Der Coach ist neutral und allparteilich und ist nicht für den Klienten oder gegen Andere, die mitbeteiligt sind.

Der Coach ist Dienstleister und das Coaching richtet sich nach den Zielen und Wünschen des Klienten, nicht nach denen des Coachs.

Zusammengefasst heißt das, der Coach lebt folgendes Verhalten:

▪ Respekt, Wertschätzung, Vertraulichkeit

▪ Neutralität und Allparteilichkeit

▪ frei von Bewertung und Urteilen

▪ kein Suchen nach Schuldigen

▪ Dienstleistung am Klienten

▪ Ausrichtung an den Zielen und Wünschen des Klienten

Die Rolle als Klient (Mitarbeiter)

Der Klient ist Auftraggeber und Leistungsempfänger der Dienste des Coachs und trägt die Verantwortung für das Finden bzw. das Umsetzen von Lösungen für sein Problem und seine Zielerreichung.

Er ist offen für Veränderung und Alternativen, arbeitet aktiv mit und ist daran interessiert, sein Problem bzw. Thema anzugehen.

Der Klient sollte dem Coach gegenüber unbefangen und offen gegenübertreten. Er sollte das Grundvertrauen mitbringen, dass der Coach verschwiegen und neutral ist und ihn unterstützen möchte.

Er sollte dem Coachingprozess gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen sein und möchte sich mit Hilfe der durch unterstützend eingesetzten Coachingmethoden und – techniken auf seinen persönlichen Weg machen und eine Entwicklung herbeiführen.

Der Klient entscheidet jedoch selbst, welches der ausgearbeiteten Angebote und Lösungen zu ihm passen und welche Schritte er (zuerst) geht.

Das Rollendilemma der Beteiligten/entstehende Konflikte

Bei der Betrachtung der jeweiligen Aufgaben und Haltungen sowie die an die Rollen geknüpfte Erwartungen ist es fast unausweichlich, dass für alle Beteiligten des Prozesses Konflikte auftreten werden.

Führungskraft und Coach

Von der Führungskraft als Coach wird erwartet, dass sie den Führungskraft-Hut auszieht und danach nicht, wie oft als Führung aufgefasst wird:

▪ Ratschläge und Vorgaben erteilt,

▪ Ziele vorgibt,

▪ Aussagen trifft, wo es lang geht,

▪ bestimmt, wie das Ziel am besten (kostengünstigsten, etc.) erreicht wird

Sobald die Führungskraft den Hut als Coach aufzieht, nimmt sie die Position des Dienstleisters ein.

Der Klient (ihr Mitarbeiter) entscheidet, welches Ziel verfolgt wird und erteilt dem Coach den Auftrag, ihn auf seinem Weg zu begleiten und zu unterstützen.

Die Führungskraft hat als Coach neutral allen Themen des Klienten und allen beteiligten Personen gegenüber zu sein. Oft ist die Führungskraft jedoch in die Prozesse involviert bzw. kennt die im Team/Unternehmen auftretenden Probleme und/oder beteiligten Personen.

Eine Herausforderung, hierbei allparteilich, nicht bewertend oder nicht verurteilend zu sein.

In der Rolle des Coachs lässt die Führungskraft von seinen eigenen Vorstellungen, wie Lösungen auszusehen haben, los und beeinflusst oder gar manipuliert den Mitarbeiter nicht in ihrem Sinne (oder im Sinne des Unternehmens).

Es geht ausschließlich um die Bedürfnisse und Vorstellungen des Klienten, nicht um die Ansichten der Führungskraft. Eine weitere Herausforderung.

Es kann möglich sein, dass z.B. die persönlichen Ziele des Klienten das Teamziel konterkarieren oder eine Umsetzung für die Führungskraft nicht sinnig erscheint, im Unternehmen nicht üblich oder nicht möglich ist (zu viele Ressourcen/Geld kosten).

Der Konflikt des Coachs wird sehr deutlich, wenn er in seiner Rolle als Führungskraft andere Ziele verfolgt oder zu verfolgen hat und damit die Wünsche und Ziele des Klienten unter diesen Gesichtspunkten nicht unterstützen kann.


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