Effectuation – eine Einführung

Abschlussarbeit von Sabrina Specken, als PDF lesen


1. Einführung

Heutzutage leben wir in einer Welt, die sich höchst rasant und dynamisch verändert. Eintreffende Vorhersagen über
die Zukunft sind kaum möglich. Die meisten unserer Denk- und Entscheidungsgewohnheiten beruhen auf kausalen
Zusammenhängen. Diese Vorgehensweise funktioniert bei vraussehbaren und berechenbaren Bedingungen. In
Situationen der Ungewissheit bedarf es andere Denkweisen.

Effectuation stellt ein Modell dar, das in neuartigen Entscheidungssituationen trotz höchster Unsicherheit
Handlungsspielraum bietet.

Der vorgestellte Ansatz beruht dabei auf den Forschungsergebnissen der Entrepreneuership-Forscherin und
Kognitionswissenschaftlerin Saras Sarasvathy. Grundlage der Forschung bildete die Forschungsfrage: Wie
denken, entscheiden und handeln erfolgreiche Gründer? Dabei sollte untersucht werden, ob es Elemente gibt, die
Entrepreneure über Zeit, Branchen und Regionen hinweg gemeinsam haben. Und folglich, ob daraus ein
gemeinsamer lehr-und lernbarer Kern zum Unternehmertum vorliegt. Sie formulierte deren Denk-Entscheidungs
und Handlungsgewohnheiten in einem Prozess und entwickelte vier Prinzipen. Diese Erkenntnisse fasste sie unter
dem Namen Effectuation zusammen. Die Übersetzung „to effectuate“ mit „bewirken“ hebt die Bedeutung der
Gestaltung bei diesem Ansatz hervor.

 

2. Zwei Arten zu denken

Im nächsten Kapitel werden zwei verschiedene Arten zu denken vorgestellt. Sie unterscheiden sich in ihrer
Ausprägung der Zukunftsprognose, der Zielformulierung und -erreichung sowie der Umweltstabilität.

2.1. linear-kausal

Ausgangslagen mit dem Hintergrund „Wie komme ich am besten von A nach B?“ bedienen sich der linear-kausalen
Struktur. Dabei soll ein bestimmtes Vorhaben auf möglichst direktem Weg umgesetzt werden. Bei dieser Denkart
sind Chancen und Möglichkeiten potenzieller Wege in unserer Umwelt bereits angelegt und müssen demnach
entdeckt und erschlossen werden. Dies gelingt durch eine gute Positionseinnahme in einer vorhersehbaren und
berechenbaren Zukunft.
Die Ausgangslage für kausale Problemlösung basiert meist auf einen unbefriedigten aktuellen Zustand. Um ins
kausale Handeln zu kommen, muss zunächst ein bestimmter erwünschenswerter Zustand vorliegen. Schließlich
soll die Lücke zwischen Soll und Ist geschlossen werden. Wichtig für diesen Ansatz ist das Wissen des Ziels, um
überlegen zu können, wie man dieses am besten erreichen kann. Hier wird eine exakte Analyse eingesetzt. Das
lineare Grundmuster kann wie folgt beschrieben werden:

2.1.2 das ideale Feld

Das ideale Feld für kausales Denken sollte folgende Bedingungen erfüllen:

planbare Zukunft:
Es müssen verlässliche Prognosen der Zukunft möglich sein. Auf Basis des Wissens über die Vergangenheit
können gute Voraussagen über das Umfeld und die Entwicklung eines Vorhabens getroffen werden.
• fixe Ziele:
Das Ziel sollte klar sein. Voraussetzung ist, zu wissen, wohin es gehen soll.
• stabile Umwelt:
Die Umwelt ist unabhängig von dem, was wir und andere Akteure tun.

2.2 Effectuation

Effectuation beschäftigt sich mit der Frage: „Wie komme ich am besten von A nach X?“ Denn unter Ungewissheit
lässt sich das Ende einer Reise nicht mit Sicherheit vorhersagen. Nach Effectuators wird die Zukunft nicht
vorhergesagt, sondern durch das eigene Handeln geformt. Die Dynamik der Umwelt spielt hierbei eine wichtige
Rolle, denn auch andere Akteure gestalten die Zukunft mit. Folglich sollte möglichst frühzeitig mit anderen Akteuren
kommuniziert und verhandelt werden. Effectuation zeigt Werkzeuge mit denen in Ungewissheit Neues – das noch
nicht bekannte „X“ – geschaffen werden kann. Man weiß demnach vorher noch nicht zwingend, wo man hin will.
Der persönliche Ausgangspunkt ist entscheidend. Zu wissen, wer ich bin, was ich weiß und kann und wen ich kenne.
Dieses Wissen bezeichnet die Mittel, die für Effectuation nützlich sind. Es geht dabei um Wirkungen und Ergebnisse,
die mit den eigenen Mitteln erzielt werden können. Ins Handeln kommen heißt, andere von den eigenen
Zukunftsvorstellungen zu erzählen und ebenso Zukunftsvorstellungen von anderen einzuholen. Möglich sind
Vereinbarungen, in denen Zeit, Energie, Geld und andere Einsätze festgehalten werden. Durch jede Vereinbarung
werden die eigenen Mittel erweitert und das Ziel wird klarer. Aus dem zuvor unbekannten „X“ wird ein bekanntes „B“.
Effectuation betont das ständige Wechselspiel von Denken und Handeln. Der Schwerpunkt liegt auf dem Handeln.

 

2.2.1 das ideale Feld

Dort wo, Effectuation optimal wirkt, stößt kausales Denken an seine Grenzen. Das ideale Feld basiert auf:

ungewisse Zukunft:
Die Basis für eine gültige Prognose der Zukunft fehlt. Die Vergangenheit lässt sich nicht auf die Zukunft
übertragen. Dieser Schritt wäre kein sinnvolles Instrument.
• verhandelbare Ziele:
Es gibt keine Leitplanken für den zu gehenden Weg oder das Ziel. Man trifft andere Akteure, die ebenfalls auf
dem Weg sind und kreiert, verhandelt und vereinbart gemeinsam Ziele.
• gestaltbare Umwelt:
Die Umwelt zeigt Formbarkeit. Sie ist abhängig davon, was einzelne Akteure machen. Durch eigene und
Handlungen anderer Akteure lässt sich die Umwelt verändern. Chancen können demnach kreiert werden.

 

3. Die vier Prinzipien von Effectuation

Im folgenden Abschnitt werden die vier von Saras Sarasvathy entwickelten Prinzipien von Effectuation vorgestellt.

3.1 das Prinzip der Mittelorientierung

Es wird überlegt, was unmittelbar verfügbar ist und welche Ergebnisse daraus erzielt werden können. Die daraus
möglichen Ziele verändern sich abhängig von den verfügbaren Mitteln. Die Mittel geben vor, welche Ziele überhaupt
in Erwägung gezogen werden können und werden laufend aktualisiert. Bei der Mittelorientierung gibt es keinen
Tunnelblick, d.h. die Aufmerksamkeit ist auf Veränderungen im gesamten Blickfeld gerichtet.


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