Wieso funktioniert Rapport?

Abschlussarbeit von Jennifer Jürgens, als PDF lesen


Der Mensch ist in der Lage sich in andere Menschen einzufühlen und den Gefühlszustand des anderen wahrzunehmen.

Wie kann es sein, dass der Mensch sich in andere hineinversetzen kann?

Wodurch entsteht unser Mitgefühl?

Eine Antwort hierauf bieten die Spiegelneurone.

 

Was sind Spiegelneuronen?

Spiegelneurone sind Nervenzellen in unserem Gehirn, die dafür verantwortlich sind, dass wir „Gefühle und
Stimmungen anderer Menschen“1 durch reines Beobachten oder hören nachempfinden können. Diese Nervenzellen
sind „immer dann aktiv, wenn wir bei anderen Personen Bewegungen sehen, uns diese vorstellen oder sie nachahmen.“2

 

Entdeckung der Spiegelneuronen:

Anfang der 1990er Jahre erforschte eine Gruppe von Neurophysiologen die Bewegungsplanung im Gehirn des
Säugetiers. Dabei wurden einzelne „Nervenzellen im Gehirn eines Makakenäffchens, während dieses nach
verschiedenen Objekten wie Obststückchen, Nüssen oder Spielzeug griff“ 3 untersucht.

Der Affe wurde hierzu an ein Messgerät angeschlossen. Untersucht wurde der „Bereich der Großhirnrinde“4,
ein Bereich im Gehirn, der Handlungen plant und umsetzt.

Immer wenn der Affe nach einem Obststück, einer Nuss oder einem Spielzeug griff reagierte das Messgerät.
Ein prämotorisches Neuron wurde aktiv.

Interessant bei dieser Untersuchung war, dass das Messgerät ebenfalls reagierte, als einer der Forscher zufällig
selbst nach einer Nuss griff, während der Affe den Vorgang nur beobachtete. Die Forscher kamen zu einer neuen
Erkenntnis:

„offenbar aktivierte das bloße Zuschauen beim Affen die eigenen am Handeln beteiligten Schaltkreise – zumindest
diese eine Zelle jedenfalls, und bestimmt gab es davon noch weitere. Das Neuron mit der Doppelfunktion schien das
Beobachtete zu „spiegeln5. Aufgrund dieser Erkenntnis kam der Name Spiegelneurone zustande.

Nach dieser neuen Entdeckung wurde weiter geforscht und es wurde festgestellt, dass die Nervenzellen auch dann
reagierten, wenn der Affe nur das „Knacken“6 der Erdnussschale hörte.

Hieraus folgerte Gallese, ein Neurophysiologe, dass Spiegelzellen uns erlauben, die Absicht fremder Aktionen zu
verstehen. Es gehe weniger um den Bewegungsablauf sondern vielmehr um die mit ihm verbundene Intention.
Sprich: Die Neurone ermöglichen es uns, dass Verhalten anderer nachzuvollziehen.

 

Was heißt dies für den Mensch?

Es wurde sehr bald nachgewiesen, dass auch der Mensch über Spiegelneurone verfügt. Mehr noch, es wurde
festgestellt, dass der Mensch über deutlich ausgedehntere Hirnareale verfügt. „Es genügt, dass ein Mensch nur hört,
wie von einer Handlung gesprochen wird, damit seine Spiegelneuronen in Resonanz treten“7

Von nun an war klar, dass die Spiegelneurone es erst ermöglichen, dass der Mensch sich in andere einfühlen kann.

Lächelt uns beispielsweise eine Person an, so spiegeln wir die Bewegung innerlich und schließen somit auf das
Gefühl der betreffenden Person.

Empathie ist jedoch nicht angeboren, die Fähigkeit sie zu entwickeln ist in den Spiegelneuronen verankert. Wird sie
nicht gefördert, so „verkümmern ganze Gehirnbezirke“8, die zu schweren Störungen in der Entwicklung führen
würden. Darum ist es so wichtig, dass bereits Säuglinge emotionale Nähe erfahren. Sei es durch Blickkontakt,
Sprache, Geräusche oder Hautkontakt.

Ein Experiment, das vor ca. 800 Jahren vom Staufenkaiser Friedrich II in Auftrag gegeben worden sein soll, zeigt
deutlich, welche Folgen es haben kann, wenn der Säugling die menschliche Nähe im frühkindlichen Alter nicht
erfährt:

Der Staufenkaiser wollte herausfinden, welche Ursprache das Gehirn aus sich herausentwickle. Die Kinder wurden
zu Ammen gegeben, deren einzige Aufgabe darin bestand, die Kinder zu ernähren. Ihnen wurde jedoch strikt
untersagt mit den Kindern zu reden oder diese zu liebkosen. Das Ergebnis war, dass alle Kinder starben.

Dieser Versuch zeigt deutlich, dass der Mensch die emotionale Anerkennung anderer Menschen benötigt. Im oben
aufgeführten Fall ist die emotionale Nähe sogar lebenswichtig.

Rainer Traub, Redakteur vom Spiegel merkt an, dass soziale Ausgrenzung wie bei „Mobbing“ etwa oftmals zum
Suizid führe.

Welchen Sinn haben Spiegelneurone?

Spiegelneurone ermöglichen uns eine schnelle, spontane und richtige Reaktion auf unser Gegenüber. So wird eine
„direkte Kommunikation“9 hergestellt, die ein weiteres Nachdenken über Gesagtes erübrigt.

Betrachtet man den Nutzen dieser Funktion aus evolutionsgeschichtlicher Perspektive, macht es Sinn, dass der
frühzeitliche Mensch sofort auf das Verhalten seiner Umgebung reagierte.

Etwa bei Gefahr:

Der frühzeitliche Mensch konnte sich nicht durch Sprache ausdrücken. Erkannte er aber den Ausdruck von Furcht
im Gesicht seines Gegenübers, wusste er sofort, dass er zu flüchten oder zu kämpfen hatte. Die Spiegelneurone
waren somit ein wichtiger Indikator, um das eigene Leben zu sichern.

Heute geht es zwar nicht unbedingt immer darum, das eigene Leben zu schützen aber trotzdem gibt es genügend
alltägliche Situationen, in denen es Sinn macht sein Gegenüber sofort richtig einzuschätzen, um richtig zu reagieren.

So lässt die „angeekelt gerümpfte Nase“10 einer Person bereits darauf schließen, dass die aufgenommene Nahrung
ungenießbar ist.

Schaut mich eine Person wutentbrannt an, sollte ich besser verschwinden.


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Quellen bis hierher
1 planet-wissen.de
2 GEHIRN UND GEIST HIGHLIGHTS, DIE KRAFT DES SOZIALEN, Viel sagende Blicke von Kai Vogeley
3 GEHIRN UND GEIST HIGHLIGHTS, DIE KRAFT DES SOZIALEN, Ich sehe was du fühlst von Katja Gaschler
4 ebenda
5 ebenda
6 ebenda
7 Der Spiegel Wissen Nr. 1/2009, Mein Ich – Das Geheimnis einer besonderen Beziehung, Rätselhafte Herdentiere, von Rainer Traub
8 ebenda
9 GEHIRN UND GEIST HIGHLIGHTS, DIE KRAFT DES SOZIALN, Mit Fingern denken von Christian Keysers
10 GEHRIN UND GEIST HIGHLIGHTS, DIE KRAFT DES SOZIALEN, Gefühle lesen – aber richtig von Harald C. Traue