Think like a monk – Prinzip

Abschlussarbeit von Nenad Čupić, als PDF lesen


 

1. Einleitung

Wenn Menschen sich freiwillig entscheiden, sich coachen zu lassen, möchten sie etwas in ihrem Leben und
an sich verändern. Viele der Menschen, die sich aktuell an mich wenden, um sich von mir coachen zu lassen,
sind unzufrieden mit ihrem privaten und/oder beruflichen Leben – manche mehr, manche weniger. Sie wissen
nicht oder sind sich unsicher, wie sie ihr Leben zukünftig gestalten möchten und in welche Richtung. Sie hinter-
fragen sich selbst, ihre Wünsche, ihre Ziele, ihre Lebensentwürfe, ihre Fähigkeiten, ihre Motivation. Sie möchten
sich neu orientieren und mehr Klarheit darüber erlangen, wer sie im tiefsten Kern ihres Wesens sind, was sie
wirklich wollen, wofür ihr Herz schlägt, was ihre Stärken sind und was sie gern und gut machen. Sie möchten
wissen, wie sie all das herausfinden. Mit anderen Worten: Sie möchten innere Ruhe entwickeln, in ihre Kraft
kommen, um ein erfülltes und sinnvolles Leben zu leben, was im Einklang mit ihrem wahren Selbst ist. Eine
Möglichkeit dies zu tun, ist es, von anderen Menschen zu lernen, die das erfolgreich getan haben. Einer davon
ist der in London geborene, ehemalige Mönch, indisch-britische Coach, Vlogger und Influencer Jay Shetty. Im
Oktober 2020 ist die deutschsprachige Ausgabe seines ersten Buchs Das Think Like A Monk-Prinzip erschienen,
nachdem die englischsprachige Originalausgabe Think Like A Monk nur wenige Monate zuvor erschienen war
und innerhalb weniger Wochen zum Nr. 1 New York Times Bestseller wurde. Die Übersetzung des Buchtitels
bedeutet: Denk wie ein Mönch. Wie der Titel bereits andeutet, möchte das Buch uns mit den Denk- und Hand-
lungsweisen vertraut machen, die Jay Shetty während seiner Zeit als Mönch gelernt hat.

Da der Rahmen dieser Abschlussarbeit zu beschränkt ist, um alle Modelle, Aufgaben, Übungen und Konzepte
aus dem Buch wiederzugeben, werde ich mich darauf beschränken, Jay Shetty und seinen Werdegang in Frag-
menten sowie den Aufbau des Buches vorzustellen. Danach werde ich auf die Unterscheidung zwischen Affen-
geist und Mönchs*Nonnengeist1 eingehen. Das fünfte Kapitel widmet sich der Frage: Wer bin ich und was sind
meine Leitwerte? Im sechsten Kapitel werden Aufgaben zur Ermittlung der eigenen Werte und des Umgangs
damit vorgestellt.

2. Jay Shetty und sein Werdegang – in Fragmenten

Jay Shetty rebellierte gegen die Norm und ist seiner inneren Stimme gefolgt. Nachdem er im Alter von 18
Jahren, an seiner Universität den Vortrag eines Mönchs gehört hatte, war er derart fasziniert von diesem
Mönch und dem, was dieser verkörperte und ausstrahlte, dass er (von und mit ihm) lernen wollte, Demut,
Mitgefühl, Empathie, Disziplin und Integrität zu leben. Während der darauffolgenden vier Jahre verbrachte
er die meiste Zeit seiner Weihnachts- und Sommerferien in einem Aschram in Mumbai, beschäftigte sich
mit alten spirituellen Schriften und lebte mit Mönchen. Nachdem er sein Management-Studium mit Schwer-
punkt auf Verhaltenswissenschaften abgeschlossen hatte, ging er in einen Aschram am Rande Mumbais,
wurde Mönch, lebte und reiste drei Jahre lang in Indien und Europa, meditierte täglich mehre Stunden
und studierte uralte spirituelle Weisheiten.2 Nachdem er erkannte, dass er nicht den Rest seines Lebens
als Mönch leben konnte, wurde er bei der Unternehmens- und Strategieberatung Accenture zum Social-
Media-Coach für Führungskräfte und unterstütze sie bei der Entwicklung und Umsetzung digitaler
Strategien. Er begann, Videos online zu stellen, welche u.a. Arianna Huffingtons Aufmerksamkeit er-
hielten, die ihn daraufhin beauftragte, für The Huffington Post in New York City Videos zu produzieren.3

Auf der Website zum Buch, findet sich folgende Information über den Autor, welche einen guten zusammen-
fassenden Eindruck seiner Bekanntheit und Reichweite verleiht: „Jay Shettys Vision ist es, Weisheit viral zu
machen. Er hat die Mission, die zeitlose Weisheit der Welt auf zugängliche, relevante und praktische Weise
zu teilen. Er hat über 400 virale Videos produziert, die mehr als 7 Milliarden Mal angesehen wurden, und
sein Podcast On Purpose ist der weltweit führende Gesundheitspodcast. Er wurde in der Forbes 30 unter
30 Kategorie von 2017 als Game Changer in der Welt der Medien ausgezeichnet und hat sowohl den Streamy
als auch den Shorty Award als bester Gesundheits- und Wellness-Creator des Jahres 2018 gewonnen.“4
Seinen InstagramAccount haben derzeit 7,8 Millionen Menschen abonniert, bei Facebook kommt er aktuell auf
28 Millionen Abonnent*innen und sein YouTube-Kanal verzeichnet momentan 3,84 Millionen Abonnent*innen.

3. Aufbau des Buches

Das 442-Seiten starke Buch gliedert sich in drei Teile, wobei jeder dieser drei Teile damit endet, jeweils eine
Art der Meditation vorzustellen. Der erste Teil ‚LOSLASSEN‘ gliedert sich in die Kapitel Identität, Negativität,
Angst und Intention. Er handelt also vom Ablegen der „äußeren Einflüsse, inneren Widerstände und uns
hemmenden Ängste“5 und schließt mit einem Kapitel zur Meditation in Form des Atmens, worin drei Atem-
übungen vorgestellt werden, welche entweder Beruhigung und Entspannung oder Fokussierung und Energie-
aufbau bewirken können.

Der zweite Teil „WACHSEN“ ist unterteilt in die Kapitel Bestimmung, Routinen, der Verstand, Ego und endet
mit einem Kapitel zu Mediation in Form des Visualisierens. Warum Mönche und Nonnen beim Meditieren mit
Visualisierungen arbeiten und warum diese wichtig sind, beschreibt Jay Shetty folgendermaßen: „Wenn wir die
Augen schließen, und uns im Geiste an einen anderen Ort und in eine andere Zeit begeben, ist es uns möglich,
die Vergangenheit zu heilen und uns auf die Zukunft vorzubereiten. […] Mit Hilfe von Visualisierungen können
wir in die Vergangenheit zurückgehen und die Geschichte, die wir uns über uns selbst erzählen, umschreiben.“6
Mittels Visualisierung kreieren wir etwas im Inneren, um es im Außen verwirklichen zu können.7

Der dritte Teil „GEBEN“ besteht aus den Kapiteln Dankbarkeit, Beziehungen, Dienen. Im letzten Teil des Buches
geht es also darum, sich im Geben zu üben, den Blick auf das zu richten, „was jenseits von uns selbst liegt“, unser
Gefühl von Dankbarkeit zu erweitern und zu teilen und unsere Beziehungen zu vertiefen. Dadurch und durch das
Teilen unserer „Gaben“ und „Liebe“ mit unseren Mitmenschen, werden wir in die Lage versetzt, „die echte Freude
und überraschende Wohltat des Dienens“ zu entdecken8. Zum Ende dieses Teils, wird die Meditationsart des
Mantrasingens vorgestellt. Hierbei wird ein Mantra als „ein spiritueller Spruch“ verstanden, „der einen Gedanken
ausdrückt und eine Macht anruft, die größer ist, als wir selbst. […] Mantras zu rezitieren oder zu singen, ist beides –
ein Dialog mit dem Universum, die Transzendenz des Geistes.“9 Durch diese Praxis „können wir eine Energie
erzeugen, die es uns erlaubt, uns mit unserer Seele und dem Universum zu verbinden.“10


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Quellen bis hierher

1 „Sprache ist Spiegel unserer gesellschaftlichen Realität. Gleichzeitig beeinflusst sie unser Denken, unsere Norm- und Wertevorstellungen und das Bild, das wir uns von der Wirklichkeit machen. Sprache ist ein machtvolles Instrument. Durch […] das generische Maskulinum, das noch immer häufig verwendet wird, verfestigen sich patriarchale Strukturen und Stereotype. […] Das generische Maskulinum will Frauen und andere Geschlechtsidentitäten mitmeinen. Sprachwissenschaftliche und psychologische Studien zeigen aber: Wer nur mitgemeint ist, fühlt sich nicht eindeutig angesprochen. Meistens werden Formulierungen im generischen Maskulinum mit dem männlichen Geschlecht assoziiert. Frauen und andere Geschlechter bleiben also unsichtbar. […] Eine wirkliche Gleichstellung aller Geschlechter und Geschlechtsidentitäten setzt gendersensible Schriftsprache voraus. Die Verwendung einer gendersensiblen Sprache ermöglicht es Schreiber*innen und Leser*innen, sich kritisch mit ihren Sprachhandlungen und ihren Wirkungen auseinanderzusetzen – sie ganz bewusst zu reflektieren.“ https://www.uni-bielefeld.de/verwaltung/refkom/gendern/gruende/
„Mit dem Gendersternchen (auch: Gender-Stern oder Gender-Star) lässt sich die Geschlechtervielfalt jenseits eines binären Geschlechtermodells sichtbar machen. Symbolisch stehen die Strahlen des Sternchens, die in verschiedene Richtungen zeigen, für die unterschiedlichen Geschlechtsidentitäten.“ Das Gendersternchen drückt sprachlich die Gleichstellung aller Menschen – unabhängig von ihrem Geschlecht und ihrer Geschlechteridentität – aus, es bildet Vielfalt ab, weicht traditionelle Vorstellungen von Geschlechterrollen auf und trägt zu einer inklusiven Sprache bei.
Vgl. https://www.uni-bielefeld.de/verwaltung/refkom/gendern/gendersternchen/
2 Vgl. Shetty, Jay: Das Think Like A Monk-Prinzip. Rowohlt, Hamburg, 2020. S. 12, 16, 17
3 Vgl. https://www.businessinsider.com/social-media-phenomenon-jay-shetty-on-going-from-monkentrepreneur-2019-7?r=DE&IR=T [letzter Zugriff: 14.02.2021]
4 https://thinklikeamonkbook.com/, Übersetzung Nenad Čupić [letzter Zugriff, 14.02.2021]
5 Shetty, Jay: Das Think Like A Monk-Prinzip. Rowohlt, Hamburg, 2020. S. 24
6 ebendaShetty, Jay: Das Think Like A Monk-Prinzip. Rowohlt, Hamburg, 2020. S. 293
7 Vgl. Shetty, Jay: Das Think Like A Monk-Prinzip. Rowohlt, Hamburg, 2020. S. 293
8 Vgl. Shetty, Jay: Das Think Like A Monk-Prinzip. Rowohlt, Hamburg, 2020. S. 24
9 Shetty, Jay: Das Think Like A Monk-Prinzip. Rowohlt, Hamburg, 2020. S. 395 – 396
10 Shetty, Jay: Das Think Like A Monk-Prinzip. Rowohlt, Hamburg, 2020. S. 394