Selbstfürsorge

-Wege zur eigenen Achtsamkeit-

Abschlussarbeit von Michaela Huber, als PDF lesen


„Mit dem Fachwissen auf dem aktuellsten Stand zu sein, im Beruf die volle Leistung zu bringen,
ist die Voraussetzung, damit ich in der Arbeitswelt sowohl mit anderen mithalten als auch als
einzigartig unverzichtbar gelten kann. Auch Familie, Freunde und Bekannte haben Erwartungen
an mich, die ich erfüllen soll, muss und möchte. 

Nun, und was ist mit mir selbst, meinen Erwartungen, Wünschen und Bedürfnissen?

Wo stehe und bleibe ich jeweils? Was bin ich mir wert?“

 

1.Theoretischer Hintergrund

1.1.Selbstfürsorge

Selbstfürsorge wird innerhalb eines lebenslangen Prozess erworben. Sie wird geprägt von den Kontexten, in welchen
wir uns bewegen. Insbesondere sind hier gesellschaftlichen Rahmenbedingungen (wie Werte, Normen, ökonomische
Veränderungen) als auch soziale Kontexte zu benennen.

Durch den stetigen, schnellen Wandel der Gesellschaft, der unterschiedlichen Trends, zunehmende Digitalisierung
und Individualisierung muss sich jeder Einzelne auch kontinuierlich „neu“ orientieren, um sich dort
zurechtzufinden ebenso um physisch und psychisch gesund zu bleiben.
Dies bedeutet auch, die Fähigkeit der Selbstfürsorge dementsprechend zu überprüfen, bei Bedarf weiterzuentwickeln,
anzupassen bzw. zu „aktualisieren.“

Manche Menschen fällt dies einfacher als anderen. Diese Menschen verfügen über Resilienz. Auch Resilienz ist
erlernbar: Die Grundhaltung dazu besagt, ein positives Lebensgefühl zu haben sowie Schwierigkeiten und Krisen
als Herausforderung zu sehen1.

Prof. Dr. med Joachim Küchenhoff definiert Selbstfürsorge wie folgt:

„ Selbstfürsorge meint die Fähigkeit, mit sich gut umzugehen, zu sich selbst gut zu
sein, sich zu schützen und nach sich selbst zu
schauen, die eigenen Bedürfnisse zu
berücksichtigen, Belastungen richtig einzuschätzen, sich
nicht zu überfordern oder
sensibel auf Überforderungen zu bleiben“.
2

Hieraus lassen sich fünf Kernpunkte3 ableiten:

1.) gesunder Egoismus als Basis

→ Achtung und Wertschätzung gegenüber sich selbst und der eigenen Bedürfnisse

2.) Achtsamkeit und Wachsamkeit als richtiger Weg sowie Schlüssel für Gesundheit und innere Balance

→ wacher Umgang mit der Umwelt, Aktivitäten an der frischen Luft, Wahrnehmung von Glücksmomenten

3.) Achtung der Signale des Körpers und der Seele

→ Impulse folgen, Gerechtwerden eigener Bedürfnisse; Wissen, was einem gut tut, ausreichend Schlaf

4.) Eigenverantwortung als Voraussetzung

→ Vermeidung von Abhängigkeiten, Verantwortung selbst in der Hand haben

5.) Ziel: mit optimaler Selbstfürsorge, sich einen individuellen Platz in der Gesellschaft schaffen

→ ständige Achtsamkeit: Balance der Fähigkeiten der Abgrenzung, Selbstbehauptung, Empathie, in
Kontakt mit Mitmenschen bleiben

Für die Einschätzung und (Weiter-) entwicklung von Selbstfürsorge bedarf es auch der Selbstreflexion, die im
Folgenden näher beschreiben wird.

 

1.2. Selbstreflexion- eine Betrachtung aus sozialpädagogischer Sicht

„Selbstreflexion meint die stetige Auseinandersetzung mit den Voraussetzungen
und Bedingungen des je eigenen professionellen Handelns. Ein wichtiges und
unverzichtbares Ergebnis von Selbstreflexion für den verantwortungsvoll
Handelnden ist die Erkenntnis der Grenzen der eigenen Praxis.“
4

Die Grenzen der eigenen Praxis zu erkennen hängt also eng mit dem Begriff der Professionalität und dem Nähe-
Distanz- Verhältnis5 zu Klienten zusammen.
Dies beinhaltet das Engagement für Klienten bzw. Arbeit im Sinne von „echtes, aber auf seine beruflichen
Aufgaben beschränktes Interesse an positiver Weiterentwicklung.“ Aufbau und Arbeit auf der Beziehungsebene
liegt ausschließlich in der Zielsetzung der positiven Veränderungen begründet.
Des Weiteren ist von Bedeutung, sich zuzugestehen, kompetenzüberschreitende Aufgaben an entsprechendes
Fachpersonal bzw. Aufgabenbereiche abzugeben. Ebenso nach getaner Arbeit, d.h. Beendigung der Dienstzeit
„abzuschalten“ und sich selbst zu widmen.

Weiterhin beinhaltet Selbstreflexion, mir einen umfassenden Überblick über mich sowohl im Berufsleben als
auch meinen anderen Lebensbereichen zu verschaffen und adäquat zu handeln.

2. praktischer Teil: Methodenschatzkiste der Selbstfürsorge

Im Folgenden gebe ich einen Einblick in meine persönliche „Methodenschatzkiste der Selbstfürsorge“. Gemäß den
Motto von Dr. Gunther Schmidt, ‚keine Methoden an anderen anzuwenden, ohne sie zuvor an sich selbst ausprobiert
zu haben‘ kann auch ich selbst sagen, diese an mir erfolgreich getestet zu haben- und somit weiterempfehlen kann.

 

2.1.Bilanz über meine derzeitigen Lebenssituation6

Diese Graphik7 ermöglicht als eine rekursive Grundlage, sich einen facettenreichen Überblick über die einzelnen
Lebensbereiche zu machen.

Anhand von Leitfragen, kann ich diese sowohl schriftlich, bildlich und / oder symbolisch darstellen:

∙ Bedeutung

→ Was ist mir wichtig in jeweiligen Bereich?

∙ Stabilität (Ressourcen versus Belastungsfaktoren)

→ Welche Stärken und Kompetenzen zeige ich, wo gibt es Stolpersteine?

∙ Motivatoren (Quellen versus Sog)

→ Was motiviert mich, was kostet mir Kraft?

∙ Herausforderungen versus Spannungsfeld (gesteckte Ziele versus Erreichtheitsgrad)

→ Welche Ziele möchte ich erreichen, wo sind Hürden und Grenzen?
→ Wie weit bin ich bisher gekommen?

 

Fazit nach Darstellung und Reflexion der Inhalte:

∙ Herausarbeiten von Grundhaltungen:

→ Welche Motive und Werte stehen dahinter?
→ Was hilft mir mit Belastungen umzugehen?

∙ Ansatzpunkte

→ Wie lautet mein erster Schritt?
→ Wo kann ich mit möglichst geringem Energieaufwand ansetzen, um möglichst viel
Verbesserung zu erwirken?

!!!

Diese Methodik kann unterschiedlich stark nachwirken.
Daher sollte ich vorab individuell überlegen, welche Vorkenntnisse im Umgang mit
selbstreflexiven Elementen bestehen und in welcher Situation ich mich befinde.
In manchen Fällen ist dies sinnvoll in einem angeleiteten bzw. geschützten Kontext,
z.B. Coaching / Beratung, durchzuführen.

 

2.2. Skalierungstechnik mit Ziel- Maßnahmenerörterung

Eine Selbsteinschätzung der Selbstfürsorge und die Erörterung nachfolgender Ideen zur Entwicklung von
entsprechenden Methoden kann ich auch mit Hilfe der Skala 0 bis 10 in Gang setzen.
Diese Methodik eignet sich besonders für Menschen, die gerne mit Zahlen und / oder Skalierung arbeiten.

Die Skala selbst kann ich je nach Vorliebe beispielsweise auf einen Papier aufzeichnen, beschreiben oder auf dem
Boden ausgelegen/entlang gehen.

Fragestellungen:

∙ Wo stehe ich momentan?
∙ Woran mache ich das fest?
∙ Wohin möchte ich? (Ziel) Wie wird es sein?
∙ Wie habe ich das geschafft, bis zum aktuellen Stand zu kommen?
∙ Was müsste ich tun, damit das häufiger vorkommt?
∙ Was könnte ein erster Schritt sein?

!!!

Mithilfe dieser Fragentechniken lenke ich den Blick auf eigene positive Fähigkeiten
und bereits erreichte Etappen. Dies stärkt das Vertrauen in mich selbst, auf Erfolge
aufbauen sowie auf bereits vorhandene Ressourcen zurückgreifen zu können.


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Quellenangaben bis hierher:

1 vgl. DAK(2018): Fit- Das Gesundheitsmagazin. Ausgabe 2/2018
2 Küchenhoff (2015). Die Fähigkeit zur Selbstfürsorge – die seelischen Voraussetzungen. Selbstzerstörung und Selbstfürsorge. Gießen: Psychosozial-Verlag
3Vgl. Lohmar, Kirsten (2018) In: Magazin Gesünder Leben: Vorsorge- Ratgeber: Selbstfürsorge
4Geißler/ Hege (2007): Konzepte sozialpädagogischen Handelns. Ein Leitfaden für soziale Berufe. Weinheim und München: Juventa Verlag
5 vgl. Hoffmann/ Hofmann(2012):Selbstfürsorge für Therapeuten und Berater, 2. Auflage. Weinheim und Basel: Beltz Verlag
6 vgl. Kölner Verein für systemische Beratung e.V.(2012): Weiterbildung systemische Beratung: Selfcare
7vgl. Fischer-Epe (2015): Coaching: Miteinander Ziele erreichen, 4.Auflage.Reinbek bei Hamburg: Rowolt Taschenbuch Verlag