Ruhestand, Was nun ?

Systemisches Coaching als Hilfestellung bei Zukunftsfragen von Menschen in der
„drittenLebensphase“
Ein Leitfaden für Coaching-Einsteiger, die diesen „Markt“ gerne für sich erschließen möchten.
(Und für mich).

Abschlussarbeit von H. Josef Kames, als PDF lesen


Zusammenfassung:

In Deutschland gehen in den nächsten 5 Jahren durchschnittlich 1 Mio. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
in den Ruhestand.

Viele davon unvorbereitet. Häufig will man es einfach nicht wahrhaben, in seinem aktuellen Job bald nicht mehr
gebraucht zu werden. Immer häufiger kommt es aber auch durch die wirtschaftliche Lage der Unternehmen zu
einem verfrühten (und ungewollten) Austritt aus dem gewohnten Berufsalltag.

Die / der Betroffene verliert damit eine bedeutende Säule der Identität („die 5 Säulen der Identität“ nach Hilarion
Petzold), fällt in ein „tiefes Loch“ und stellt sich die globale Lebenssinn-Frage.

Im Freundeskreis wird dieses „Problem“ üblicher Weise nicht diskutiert, um das eigene Ansehen als erfolgreiches
Mitglied der Gesellschaft nicht zu gefährden. Auf der Suche nach „Hilfe zur Selbsthilfe“ findet man unzählige Ideen
und Hinweise auf vorhandene Literatur im Netz – daraus einen Plan für ein erfülltes und spannendes Dasein im
Ruhestand zu generieren fällt jedoch schwer.

Hier kann ein systemisches Coaching den Klienten wertvolle Hilfestellung bieten.

 

Marktanalyse (eigene Hypothese)

In NRW leben derzeit rund 18 Mio. Menschen. Davon ca. 1,4 Mio. im Alter zwischen 60 und 65 Jahren. Hiervon
wiederum ca. 500.000 Beamte und Angestellte. (Mikrozensus 2018 im Anhang).

Neben der demographisch geplanten Zahl der Renteneintritte wird sich der Trend, dass Arbeitnehmer/innen
schon vor Erreichen des offiziellen Rentenalters (66 +) in Ruhestand gehen erstmal weiter fortsetzen. Nach
eigenen Einschätzungen werden ca. 50% dieser (werdenden) Rentner/innen mehr oder weniger (mental) un-
vorbereitet aus dem regulären Arbeitsleben ausscheiden.

Hierbei werden die ehemals „Werktätigen“ vermutlich diese Situation am besten meistern, da sie ohnehin häufig
schon in Vereinen aktiv sind und vielfach Hobbies nachgehen, was sie dann im Ruhestand weiterführen oder sogar
noch intensivieren können.

Die, die als Topmanager unterwegs waren, werden auch im Ruhestand eigenständig genügend Ideen und Geld
haben, um ihre dann entstehende Freizeit interessant gestalten zu können.

Am stärksten „getroffen“, so die eigenen Recherchen, von einem mehr oder weniger geplanten Ruhestand werden
daher die Berufsgruppen Tarif-Angestellte, AußertarifAngestellte und Beamte sein, was auch gleichzeitig die Gruppe
derer darstellt, die ein Coaching zur Bewältigung ihrer „Lebenskrise“ ggf. zu Rate ziehen werden.

Bei dieser Gesellschaftsgruppe (genügend Geld aus Rente und Rücklagen, vormals lange Arbeitszeiten und wenig
Freizeit, ans Geld ausgeben gewöhnt, vormals in Führungsposition) ist daher ein hohes Potential für systemisches
Coaching zu erwarten.

 

Hintergrundinformationen für Jung-Coaches
(Coaches im „noch nicht Rentenalter“)

Die Anfrage nach einem Coaching von potentiellen Klienten im Rentenalter stößt (nach eigenen Erfahrungen)
womöglich bei dem ein-oder-anderen (Jung-) Coach auf ein gewisses Unbehagen da er / sie sich mit diesem
Personenkreis bis dato, bewusst oder unbewusst, noch nicht beschäftigt hat.

Daher ein paar Hintergrundinformationen „aus eigener Erfahrung“, um als (unerfahrener) Coach entspannt
der ersten Begegnung entgegen zu gehen.

Prinzipiell und grundsätzlich und selbstverständlich gibt es beim Coaching in diesem Bereich absolut keinerlei
Unterschiede zum Coaching in irgendeinem anderen Bereich. Und es gilt:

Ich, als Coach, habe keinerlei Wissen über die Situation und das Problem der Klientin oder des
Klienten und ich habe auch keine vorgefertigte Idee für eine Lösung. Aber
ich bin sehr interessiert
an der Klientin/ dem Klienten, ihrem / seinem Problem und
daran, gemeinsam mit ihm / ihr eine
Lösung zu erarbeiten.

Die 5 Säulen unserer Identität helfen uns unser Leben glücklich und erfolgreich zu meistern. Je nach Lebens-
situation und Alter sind die einzelnen Säulen unterschiedlich stark ausgeprägt. Sie können uns aber im Zu-
sammenspiel ausreichend Halt geben. Mit Eintritt in die 3te Lebensphase kann nun aber dieses System ins
Wanken geraten. Die Säule „Arbeit und Leistung“, die in der 2ten Lebensphase meist den größten Raum
eingenommen hat, scheint völlig wegzubrechen. Häufig bricht damit auch noch ein Großteil der Säule
„soziale Beziehungen“ weg. Hinzu kommt zu guter Letzt die Selbstwahrnehmung, dass der eigene Körper
mit zunehmendem Alter an Leistungsfähigkeit abnimmt und die ein-oder-andere Krankheit die Lebens-
freuden reduziert. Somit bleiben von den 5 soliden Säulen möglicherweise nur noch 2 erhalten, insofern
die materielle Sicherheit durch Rente und / oder weitere Rücklagen gewährleistet ist. Aber auch das ist
möglicherweise nicht immer gegeben. Somit stehen werdende Rentner vor einer der größten Änderungen
ihres Lebens. In dieser Situation kann „Hilfe zur Selbsthilfe“ einer neutralen außenstehenden Person (z.B.
ein systemischer Coach) dazu beitragen, dieser Lebensphase freudig entgegen zu sehen.

Phasen des Coachings, generelle Vorgehensweise

  1. Begrüßung (Einstieg ins Coaching-Gespräch, SmallTalk, gegenseitiges Kennenlernen)
  2. Problemschilderung (aus Sicht der Klientin / des Klienten)
  3. Zieldefinition, Auftragsklärung, (unbedingt klare Absprachen mit den Klienten treffen!)
  4. Lösungsfokussierung
  5. Lösungsgestaltung / Erarbeitung
  6. Festlegung konkreter Maßnahmen

 

Hilfreiche Tools:

– Coaching Haus
– GROW-Modell
– 5 Säulen der Identität
– Lebensrad
– inneres Team
– Kernquadrat
– narrativer Ansatz
– Wunderfrage

 

Das Coaching Haus

– Methode zur Auftragsklärung und Zielformulierung
– Graphische Hilfestellung für Coachee und Coach

Das GROW Modell (Goal-Reality-Options-WrapUp)
(konzeptionelle Stütze für den Coach zur Verwendung im kompletten Coaching Prozess)

G: Was ist ihr Anliegen? Wie kann ich Sie als Coach unterstützen?
R: Wie ist die Situation jetzt?
O: Welche Lösungsmöglichkeiten sehen Sie?
W: Was möchten Sie jetzt bis wann tun?

Die 5 Säulen unserer Identität
(Zur Verwendung bei der Problemschilderung, ggf. auch für die Zieldefinition u. Lösungsfokussierung)
„Die 5 Säulen tragen uns und bieten uns die Ressourcen die wir benötigen, um schwierige Situationen
und Belastungen gut zu überstehen. Bricht eine der Säulen weg, kann / wird dies zu einer Krise führen.“
(Zitat von Hilarion Petzold)

Das Lebensrad

– Dient der Bestandsaufnahme und Erarbeitung neuer positiver Zukunftsperspektiven
– Die Klientin / der Klient malt zuerst das Lebensrad seines Ist-Zustands, dann das ihres /
seines Wunsch-Zustands mit den entsprechenden Wertigkeiten


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