Rechtsanwalt Mediator Coach

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1. Einleitung

Im Folgenden werden für die Abschlussarbeit der Ausbildung zum systemischen Coach die Berufsfelder des
Rechtsanwalts, Mediators und Coachs oberflächlich skizziert. Typische Aspekte dieser Berufe werden heraus-
gearbeitet. Es wird kurz erörtert, wann es -aus Sicht der Verfasserin- sinnvoll sein könnte, sich an welches
Berufsfeld zu wenden. Überdies wird ausgeführt, aus welchen Gründen, es hilfreich sein könnte, Elemente
aus dem Coaching in die Arbeit mit Mandaten einzubeziehen.
Diese Abschlussarbeit, welche ausdrückliche keine wissenschaftliche Arbeit ist, basiert auf der bisherigen
Lebens- und Berufserfahrung der Verfasserin als Rechtsanwältin und Mediatorin und gibt nur ihre eigenen
Vorstellungen und Ansichten wieder.

 

2. Hauptteil

Im Alltag gibt es verschiedene Situationen in denen Fragen und Konflikte auftauchen, die mit immer wieder-
kehrenden Situationen zu tun haben und oder mit sich immer wieder begegnenden Menschen zusammen
hängen.
Solche (Konflikt-)Situationen werden häufig im Bereich der Trennung und Scheidung, im Nachbarschafts-
verhältnis, im Arbeitsverhältnis und in Konflikten, die in Unternehmen, Vereine, oder Schulen begründet
sind wahrgenommen.
Konflikte aus dem Bereich dieser Lebenssachverhalte haben die Gemeinsamkeit, dass die Menschen sich
immer wieder begegnen und miteinander kommunizieren sollten. Selbst wenn Paare sich trennen, haben
sie oft eine „gemeinsame Zukunft“. Sie haben z.B. für ihre Kinder zusammen das Sorgerecht, deren Aus-
führung Gespräche bedarf.
Ein Grund in Zukunft weiter miteinander zu kommunizieren, könnte sich aus den gemeinsamen Eigentums-
verhältnissen von sich Trennenden ergeben. Überdies sind viele weitere Gründe vorstellbar und realistisch,
sich in der Zukunft zu begegnen und deshalb für eine gute Beziehung und Kommunikation zu sorgen.

Beispiele:
Ein Paar trennt sich. Daraus können sich insbesondere Streitigkeiten um Kinder, den Unterhalt oder das
gemeinsame Eigentum an Immobilien oder Tieren ergeben.
Dieselben Nachbarn streiten sich immer wieder um verschiedene Belange wie Lärmbelästigung, Abstands-
regeln im Garten, Parksituation.
Beruflich kommt es wiederholt mit dem Arbeitgeber oder Kollegen zu frustrierenden Situationen.
Zwischen Lehrern, Eltern, Schülern kommt es zu Konflikten. Was bedeutet in solchen Fällen ein Besuch
beim Rechtsanwalt, Mediator oder Coach? Wann wird wer aufgesucht? Wie ist die übliche Vorgehensweise?

 

2.1 Rechtsanwalt

Der Begriff Rechtsanwalt ist die Bezeichnung für einen juristischen Beistand.

∘ Seine Aufgabe ist es, seinem Auftraggeber mit rechtsstaatlichen Mitteln zu seinem
Recht zu verhelfen.
∘Ein Rechtsanwalt berät seinen Mandanten oder vertritt diesen und seine Interessen
∘Dabei handelt es sich um eine parteiliche Interessenvertretung. Dies ist ein berufs-
prägendes Merkmal des Rechtsanwalts
∘Der Rechtsanwalt informiert seinen Mandanten über die Rechtslage, seine Erfolgs-
chancen, die Möglichkeiten einer Beweissicherung und die anfallenden Kosten, sowie
das Kostenrisiko.
∘ Der Rechtsanwalt hat die Möglichkeit, bestehende Ansprüche gerichtlich durchzusetzen.
Er kann beispielsweise versuchen Ansprüche einzuklagen oder auch ein Tun- oder ein
Unterlassen einklagen.

Um diese Ansprüche seines Mandanten geltend zu machen, wird der Rechtsanwalt seinen Mandanten
beraten und versuchen, für seinen Mandaten das Bestmögliche „herauszuholen“ und damit alles aus
der Sicht seines Mandanten beobachten und schildern. Oftmals erfolgt ein Gerichtsverfahren, das mit
einem Urteil endet. Das bedeutet, ein Dritter, der Richter oder die Kammer fällt die Entscheidung, das
Urteil.
Dieses wird rechtskräftig und gilt für alle Beteiligten. Für den Gewinner und für den Verlierer.

Wann ist es sinnvoll einen Rechtsanwalt zu beauftragen
Soll geprüft werden, ob ein Rechtsanspruch besteht, oder wie eine bestimmte Rechtslage einzuschätzen
ist, ist der Rechtsanwalt ein guter Ansprechpartner. Insbesondere, wenn der Wunsch besteht, einen
Anspruch gerichtlich durchzusetzen, weil keine Beziehung zu der anderen Partei besteht. Anders als zum
Beispiel beim Schadensersatzanspruch nach einem Verkehrsunfall. Die Personen sind in der Regel zufällig
aufeinander gestoßen, eine Beziehung, die gepflegt oder gestärkt werden sollte, liegt nicht vor.
Der Mandant möchte die Angelegenheit komplett aus der Hand geben.

Legal Tech
In jüngster Zeit wird im Zusammenhang mit Rechtsanwälten auch vermehrt der Begriff „Legal Tech“ verwendet.
Legal Technology ist eine IT-gestützte Technik (Software, Online-Dienste, IT-gestützte Dienstleistungen und
auch Hardware) die juristische Arbeitsprozesse unterstützt oder automatisiert. Mandanten können durch
eigene Recherche oder durch ihren Rechtsanwalt auf diese Art eine Erläuterung der Rechtsfrage erhalten.
Die Tätigkeit des Rechtsanwaltes soll dadurch effizienter erfolgen und wird begünstigt durch wachsende IT-
Potenziale und Digital Natives auf dem Arbeitsmarkt. Die Bedeutung von Legal Technology für die Rechts-
beratung steigt seit einigen Jahren stetig. Die Folge dieser Methode ist, dass der Rechtsanwalt und sein
Mandant weniger miteinander kommunizieren.

 

2.2 Mediator

∘ Ein Mediator unterstützt die streitenden Parteien bei einer (außergerichtlichen)
Lösungsfindung. Jeder Partei wird Raum gegeben ihre Sicht auf das Problem darzustellen.
∘ Der Mediator ermöglicht die Klärung der Interessen.
∘ Vor allem erarbeitet er die Bedürfnisse aller Betroffenen.
∘ Ziel ist es eine Win-Win-Lösung zu finden.
Der Mediator ist neutral.
∘ Wird ein Mediator beauftragt, bleiben die Auftraggeber selber “Herr des Verfahrens“.
Sie bestimmen die Themen, die Geschwindigkeit und finden selber, mit Hilfe des Mediators
eine Lösung. Dies birgt den Vorteil, dass niemand den Lebenssachverhalt besser kennt als
die Streitenden. Sie kennen alle Umstände und sind daher die besten Experten ihres
Lebenssachverhaltes.
∘ Die Lösung wird von den Parteien selber gefunden, wodurch in aller Regel eine größere
Akzeptanz erreicht wird. Das Bedürfnis eine Instanz höher zu gehen und damit den Konflikt
zu verlängern bleibt aus

Wann ist es sinnvoll einen Mediator zu beauftragen?
Die Betroffenen können den Konflikt nicht mehr alleine lösen. Sie befinden sich in einer gedanklichen
Sackgasse.
Die Parteien haben ein grundsätzliches Interesse an einer zukünftigen, konfliktfreien Beziehung zueinander.
Die Streitenden sind grundsätzlich bereit, an der Konfliktlösung mitzuarbeiten. Sie möchten eigenverantwortlich
an der Lösungsfindung beteiligt sein und haben das Ziel eine Lösung zu erarbeiten, die sich für alle Beteiligten
gut anfühlt.

 

2.3 Coach

Ein Coach unterstützt individuell die Veränderungsaktivität von Menschen in privaten und beruflichen Kontexten.

∘ Im Coaching Prozess werden ganzheitlich die Person und ihr System, d.h. die betreffenden
Lebensumstände und Gegebenheiten berücksichtigt. Das bedeutet: Alle relevanten, fachlichen,
persönlichen, organisatorischen, kulturellen und zwischenmenschlichen Aspekte werden in
den Prozess miteinbezogen.
∘ Es erfolgt eine Hilfe zur Selbsthilfe. Insbesondere unterstützt durch Fragetechniken erfolgt
ein Dialog über das Anliegen des Coachee. Es werden – wie in der Mediation – keine Lösungen
vorgegeben.
∘ Ziel ist es vorhandene Ressourcen freizusetzen. Potentiale werden erkennbar. Vorhandene
Ressourcen werden gestärkt, somit gelingt es dem Coachee die Situation selbst zu reflektieren
zu können. Durch die Begleitung und Anregung des Coachs erkennt der Coachee sein eigenes
Verhalten und erfährt, dass er nur dieses Verändern kann und nicht das Verhalten seines
Gegenübers.
∘ Ziel ist es, dass der Coachee seine Lösung selbst entwickeln und umsetzen kann.
∘ Das konkrete Anliegen, oder die Aufgabenstellung wird zusammen herausgearbeitet. Dieser
Prozess, die Herausarbeitung des Anliegens ist sehr wichtig und bedeutungsvoll

Wann ist es sinnvoll einen Coach zu beauftragen?
Aus meiner Sicht ist es sinnvoll einen Coach zu beauftragen, wenn nicht ein Anspruch durchgesetzt werden
soll, sondern der Mandant in seinem Anliegen, Wunsch und Bedürfnis noch nicht klar ist.
Die beispielsweise schnell als Auftrag formulierte Forderung gegenüber einem Rechtsanwalt: „Ich will die
Kinder“, „Die Kündigung muss zurückgenommen werden“, „Der Nachbar soll aufhören jeden Abend zu
klimpern“ beinhaltet ganz oft nicht, das eigentliche Anliegen. Sehr häufig gibt es ein Thema hinter dem
Thema, dass in einem juristischen Verfahren weder genannt, noch aufgearbeitet wird.
Im Mediationsverfahren werden die Bedürfnisse der Parteien herausgearbeitet, weshalb dort gefundene
Lösungen nachhaltiger sind und die Bereitschaft größer ist, sich an diese selbstgefundenen Lösungen zu
halten. Durch das Verwenden von reflektierenden Methoden und durch eine Zusammenarbeit zwischen
Coach und Coachee, die auf gegenseitigem Vertrauen und Akzeptanz beruht, fühlt sich der Coachee
möglicherweise das erste Mal verstanden und ernst genommen. Dies wird weiter unterstützt, indem
der Coach dem Coachee gegenüber eine bedingungsfrei wertschätzende, empathische und kongruente
Haltung einnimmt. Er hört aktiv zu, fühlt sich ein, und beschäftigt sich darüber hinaus mit dem Erleben
des Coachees. Dies scheint ein Grundbedürfnis der Menschen zu sein.
Aus meiner Erfahrung fehlt dieses Gefühl sehr oft in gerichtlichen Verfahren. Selbst ein gewonnener Prozess
scheint nicht die gleichen Glücksgefühle und andere positiven Gefühle zu bewirken, wie die selbstgefundene
Lösung nach erfolgtem Coaching Prozess und oder einem Mediationsverfahren. Überdies wird ein gerichtliches
Ende nicht immer akzeptiert und das Verfahren geht in die nächste Instanz.
Ein Coaching bietet darüber die Möglichkeit, sich selbst weiter zu entwickeln. Der Schwerpunkt dieses Ver-
fahrens liegt auf der Gegenwart und in der Zukunft. Die Arbeit findet mit vorhandenen Fähigkeiten statt
und fördert so, was bereits gut ist. Der Coachee kann sich selbstreflektieren. Damit erkennt er seine Anteile
am Verhalten des Gegenübers und kann auf diese Weise eine Wiederholung und oder ein Streiten in einer
höheren Instanz vermeiden und wird überdies präventiv tätig, so dass ein ähnliches Anliegen vermeidbar
ist.
Das Coaching birgt die Chance individueller Weiterentwicklung. Meine Lebenserfahrung und Berufserfahrung
bestätigt meinen Eindruck, dass der Bedarf an Dialogen, wie sie in einem Coaching erfolgen immer größer
wird. Aus diesem Grund ist es mir ein Bedürfnis, dem Kunden die verschiedenen Dienstleistungen und
Methoden vorzustellen und ihn entscheiden zu lassen, was sein Bedürfnis ist.
Aus meiner Sicht ist Coaching in der Rechtsbranche angekommen. Sowohl die Kunden haben ein Interesse
und Bedarf an einer Begleitung in Form eines Coachings, als auch mancher Anwalte, hat selbst das Bedürfnis
nach einem Coaching-Gespräch. Für die strategische Karriereentwicklung, aber auch für die eigene, persönliche
Weiterentwicklung, gegen Frustration im Job und als Burn-out-Prävention ist dieses Verfahren aus meiner
Sicht wohltuend für Anwälte.

 

3. Schluss

Wichtig ist es mir am Schluss noch einmal daraufhin zu weisen, dass selbstverständlich nur bestimmte Fälle
geeignet sind, sich diesem Vergleich zu unterziehen. Fälle in denen Beziehungen eine wichtige und besondere
Rolle haben. Dies wird in der Regel vom Kunden / Mandanten bereits in den ersten Sätzen erwähnt. Er ist oft
sehr unzufrieden mit der gegenwärtigen Situation, möchte nicht klagen, aber die gegenwärtige Situation so
auch nicht länger hinnehmen.
Alle Kunden der oben genannten Berufe erwarten eine professionelle Kommunikation. Dies ist etwas anderes,
als die Vermittlung von Fachwissen. Fachwissen ist als Jurist absolut notwendig. Dennoch scheint sich die
Anwaltsbranche zu verändern, (durch den Konkurrenzdruck, die Digitalisierung und durch den Marktverlust
durch Legal Tech).
Aus meiner Sicht, wird ein Anwalt sich hier von abheben, indem dieser sich auf den Menschen, seinen Kunden,
dessen Bedürfnisse, dessen Welt und dessen Wahrnehmung besinnt. Diese Haltung kann allen Beteiligten
helfen. Selbstverständlich sind alle standesrechtlichen Erfordernisse eines Rechtsanwaltes einzuhalten, sofern
ein Rechtsanwalt auf Wunsch des Kunden in seiner Eigenschaft als Coach mit einem Coaching beginnt.

Den Menschen wieder in den Vordergrund zu stellen, ist aus meiner Sicht insgesamt sehr wichtig. Vertrauen,
Empathie und Zuversicht sind entscheidend für den Kunden, bei der Frage, wer ihn in seinem Anliegen unter-
stützen soll.
Kompetenz und professionelle Kanzleiprozesse werden vorausgesetzt. Fachwissen kann heute überall und
jederzeit kostenfrei abgerufen werden.
Das Bedürfnis nach persönlicher Weiterentwicklung scheint sehr groß. Ebenso wie die Unterstützung bei
diesem Prozess.
Aus meiner Sicht sorgt ein Coaching für mehr Nähe zum Mandanten, mehr Verantwortung für das Mandat,
mehr Nachhaltigkeit und damit für zufriedenere Mandanten.


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