Rapport – Atmosphäre schaffen

Abschlussarbeit von Andreas Veldtrup, als PDF lesen


1 Einführung

„You never get a second change to make a first impression” (Will Rogers)
Wenn wir Menschen kennen lernen, stellen wir uns unbewusst die Fragen: Ist die Person sympathisch, warmherzig,
vertrauenswürdig, authentisch und strahlt sie Kompetenz aus? Wir ordnen Personen aufgrund von verschiedensten
Faktoren in eine subjektive Schublade ein. „Dabei dauert es nur eine Zehntelsekunde, um jemanden einzuschätzen
und einen ersten Eindruck zu gewinnen. Menschen bilden sich in dem Kontext nicht nur sehr schnell einen ersten
Eindruck, sie liegen in ihrer Einschätzung meist auch richtig, vorausgesetzt die Zielperson präsentiert sich authentisch.“
(Wikipedia, 28.02.21).

Ziel dieser Arbeit ist die Einordnung von Faktoren, welche die Bildung des Rapports durch die innere und äußere
Haltung des Coaches einerseits und die äußeren Einflüsse anderseits – positiv beeinflussen können. Ein ange-
nehmes, zwischenmenschliches Setting bietet die optimale Grundlage, um Menschen dabei zu unterstützen, ihre
eigenen Kräfte zur Lösungsfindung zu aktivieren. Wenn es dem Coach dabei zeitnah gelingt, eine vertrauensvolle
Beziehung herzustellen, kann sich der Coachee öffnen und in einen vorurteilsfreien Dialog gehen
(Radatz, 2010).

1.1 Begriffsdefinition Rapport

Der französische Ausdruck Rapport bezeichnet die positive Verbindung zwischen Klienten und dem Coach.
Ein guter Rapport ist gekennzeichnet durch Offenheit und Vertrauen. Man kann ihn unter anderem durch
Synchronisation von Mimik, Gestik, Körperhaltung und an der Ähnlichkeit der Sprache erkennen. Pacing
oder Joining sind vergleichbare Definitionen für diesen Anfangsprozess.

1.2 Begriffsdefinition Atmosphäre

„Atmosphäre wird insbesondere in der Ästhetik und der Phänomenologie etwa gleichbedeutend mit Stimmung
oder Aura gebraucht und bezeichnet aus rezeptionstheoretischer Sicht eine subjektive Stimmung, die sozial und
von der äußeren Umgebung vermittelt wird“
(Wikipedia, 28.02.21)

2 Eingangsgedanke zur Eingangstür – Wo beginnt der sogenannte erste Eindruck?

Der erste Eindruck vor dem ersten Eindruck beginnt an der Eingangstür/im Hausflur. Diese Aussage mag an
der Stelle vielleicht redundant erscheinen und dennoch oder gerade deshalb ist es von Bedeutung.
Das ist der erste nicht zwischenmenschliche Kontakt zwischen Coach und Klient außerhalb seiner Komfortzone
und sollte daher sorgfältig wahrgenommen werden. Der Coachee hat möglicherweise ein schweres Anliegen in
seinem emotionalen Rucksack und möchte diesen möglichst leicht zum Gespräch tragen können. Daher lohnt
sich hier ein Blick auf den Eingangsbereich. Wie einladend ist die Haustür, wie einfach ist das Klingelschild zu
finden, funktioniert der Türsummer, welche Qualität hat der Ton aus der Gegensprechanlage, ist die Beleuchtung
des Treppenhauses funktionstüchtig und wie sieht diese aus? So kann eine ungenügende Beleuchtung den Coachee
in eine Art Dämmerstimmung nach dem Motto „bin ich etwa zu spät dran und hier ist gleich Feierabend“ versetzen
und ein gleißend helles Verhörlicht das Gefühl der Durchleuchtung hervorrufen (Cerwinka & Schranz, 2014). Der
erste Gang in eine Coaching-Sitzung ist für den Betroffenen unter Unständen nicht einfach, daher sollte dieser
dem Coachee so angenehm wie möglich gemacht werden. Eine neue Glühbirne, ein ansprechender, gut lesbarer
Schriftzug an der Klingel, ein paar Liter helle Farbe und eine einladende Fußmatte können ein erster Türöffner
(vor dem Öffnen der Tür) für eine positive Anfangsstimmung sein. Daher sei an dieser Stelle die Empfehlung aus-
gesprochen, mit frischem Blick den eigenen Eingangsbereich zu überprüfen. Denn schließlich fühlen wir uns doch
alle in einer angenehmen, gemütlichen, frischen, farbigen Atmosphäre wohl und diese Empfindung darf sich dem-
entsprechend gerne ins Coaching auf den Klienten übertragen.

3 Atmosphäre im Raum

Und genau mit diesem Wohlfühlgefühl soll der Klient auch in die Räumlichkeiten des Coaches kommen. Hier setzt
sich dieser Gedanke des atmosphärischen Charakters (siehe auch VAKOG) natürlich fort. Wie ist der Raum gestaltet,
in dem das Coaching stattfindet? Wenn durch ein angenehmes Ambiente eine mindestens neutrale oder noch besser
eine positive Grundsituation für den Klienten geschaffen wird, kann er entspannt ankommen und stressfrei in die
Arbeit starten. Einerseits gibt es diesbezüglich natürlich subjektive, gestalterische Freiheiten des Coaches, anderer-
seits gibt es Studien, die günstige Parameter für Coaching und Therapie heraus gefunden haben. Zunächst wirken
sich die Lichtverhältnisse auf den Coachee aus. Menschen aus südlichen Ländern sind vitaler, als Menschen, aus
den nördlichen Breitengraden in denen es schneller dunkel wird. Das kennen wir aus der eignen Erfahrung, im
Sommer sind wir lebhafter und unternehmungslustiger, als in den Wintermonaten. Es lässt sich biochemisch nach-
weisen, dass bei Dunkelheit Serotonin in Melatonin umgewandelt wird. Serotonin ist unser Wohlfühlhormon und
gilt als Stimmungsaufheller, während Melatonin gemeinhin auch als das Schlafhormon bezeichnet wird. Dass die
Bezeichnung zutreffend ist, zeigt sich an der Tatsache, dass Melatonin zum einen den Stoffwechsel senkt, zum
anderen Anwendung in pharmazeutischen Produkten bei Schlafstörungen findet. Daher ist eine helle und gleich-
zeitig harmonische Grundbeleuchtung sinnvoll. Ungeeignet sind dabei blendende Halogenstrahler oder unge-
mütliche Neonröhren.
(David-Gruber, Dr. Herzog, 17.02.21; Ansatz der Therapie 17.02.21)

Ebenso wie die Helligkeit spielt die Raumtemperatur für das Wohlbefinden eine große Rolle. Architekten, Biologen
und Ärzte sind sich einig, die optimale Raumtemperatur für Wohnzimmer in den eigenen vier Wänden wird mit 21 –
23°C angegeben. Wenn das also die Wohlfühltemperatur im privaten Sektor ist und sich der Coachee auch in der
Arbeit behaglich fühlen soll, dann ergibt sich daraus automatisch die Stellung des Thermostates.
(Winkler, 17.02.21)

Die Themen Duft, Farbe/Wandgestaltung und Pflanzen nehmen ein breites Spektrum ein und werden an der Stelle
der Vollständigkeit halber mit erwähnt. Hier bieten sich schier unzählige, gestalterische Möglichkeiten. Aber eines
haben trotz der Bandbreite alle Bereiche gemein: Freundlich, hell und nicht reizüberflutend sollte die Anwendung
sein.

Gerüche können ganz verschieden Wirkungen haben und werden in der (Aroma)Therapie häufig eingesetzt. Düfte
wirken auf unsere Gefühle – wir verbinden mit ihnen bestimmte Situationen aus der erlebten Vergangenheit. Ge-
ruchsreize, die unsere rund 350 Geruchsrezeptoren in der Nase aufnehmen, werden ans limbische System und
den Hypocampus weitergeleitet. Das sind zwei Bereiche im Gehirn, die Emotionen und Erinnerungen steuern
(Preuk, 2015, 17.02.21). So weckt der typische Krankenhausgeruch alles andere als glückliche Assoziationen in
uns, während es in einer Parfümerie nach Schönheit, Wohlfühlen und Leichtigkeit duftet. Die olfaktorische Wahr-
nehmung ist subjektiv und kann daher nicht vorhergesehen werden. So kann der Geruch von Flieder vom Coach
als angenehm empfunden werden, während der Klient damit eine traurige Kindheitserinnerung verbindet. Wenn
wir uns dessen bewusst sind und uns gleichzeitig für die unbestritten, potentiell positive Wirkung von Duft ent-
scheiden, dann sind neben Frischluft natürliche, sparsam eingesetzte Aromen aus der Natur Optionen für die
Anwendung im Coaching. Vanille ist ein gern genommener Raumduft, da er ähnlich wie Lavendel angstlösend
wirkt. Bergamotte wirkt entspannend. Der Einsatz von Mandarine sollte vermieden werden, denn ihr schreibt
man eine sedative Wirkung zu. Bei der Anwendung von Düften im Coaching sollte auf der olfaktorischen Ebene
die Grenze knapp unterhalb des Wahrnehmbaren liegen und somit nicht aufdringlich sein. Das gilt sowohl für
den Raumduft, als auch für den Einsatz von Parfum, Deo und Duschgel am eigenen Körper. Hier gilt: weniger
ist mehr!
(Cerwinka, Schranz, 2014; Gruber, Dr. Herzog, 17.02.21).

Grünpflanzen, frische Blumen oder eine Schale Obst wirken natürlich, rein und geben dem Raum eine angenehme
Struktur und sind dabei gute Klimaerzeuger. Bei der Farbgestaltung der Wände sollten frische, helle Farben, die
keine Bedrohung darstellen, gewählt werden. Rot ist beispielsweise eine Signalfarbe und wird im Straßenverkehr
bei allen Gefahrenzeichen eingesetzt. Somit ist das eine Farbe, die nur akzentuiert und keinesfalls flächendeckend
genutzt werden sollte.


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