NLP im Alltag

Abschlussarbeit von Jasmin C. Röseler, als PDF lesen


(M)eine persönliche Sicht und warum NLP näher am Leben als am Methodenkoffer ist


Prolog

2019 startete ich mit der Ausbildung zum NLP Practitioner und meldete mich bereits während dessen zum NLP
Master an. Seither ist etwas mehr als 1 Jahr vergangen und auch wenn eine grundlegende Haltung, Interesse,
Erfahrung und Wissen bereits vorhanden waren, hat sich mein Leben bzw. die Art und Weise „wie“ ich mein
Leben  gestalte, verändert.Seit jeher fasziniert mich Kommunikation, die Interaktion von Menschen unterein-
ander und wie ich mit eigenen Mitteln schlicht und ergreifend das Beste aus einer Situation machen kann. Ich
bin davon überzeugt, dass es eine entscheidende Rolle spielt, mit welcher Grundhaltung ich dem Leben, meiner
Umwelt, den Menschen und Lebewesen entgegentrete und wie ich verbal oder non-verbal kommuniziere. Mit
dieser Faszination, einer Idee von Weiterentwicklung und dem Gedanken besser zu kommunizieren, Neues
zu lernen und Gleichgesinnte zu treffen begab ich mich auf meine persönliche NLP-Reise.

Ein Weg entsteht wenn man ihn geht

(unbekannt)

All das traf ein – ich könnte sagen, „ich bin fertig, habe mein Ziel erreicht“. Durch die „Reise“ ist jedoch auch
ein Weg entstanden, über unbekannte, nicht ausgetretene Pfade, ganz persönlichen Höhen und Tiefen, Nebel
und Weitblick, Klarheit, Fokussierung, Haltung und: Erkenntnisse.

NLP besteht aus einem breiten Spektrum an „Handwerkszeug“, welches stark am täglichen (Er)Leben eines
Menschen angelehnt ist und arbeitet lösungsorientiert mit bereits vorhandenen Mitteln und Ressourcen über-
wiegend im „hier und jetzt“. Dadurch können so in verhältnismäßig kurzer Zeit unbewusste, innere Prozesse
sicht- und spürbar und bereits vorhandene Ressourcen aktiviert und integriert werden. Es entsteht Raum für
Neues und Veränderungen.

Meine Hypothese ist, dass allein durch das Einbeziehen einzelner NLP-Elemente in den Alltag, kleinere und
größere positive Veränderungen erreicht werden können.

Setze ich mich mit meiner „Route“ und den Bedingungen klar genug auseinander, gehe mit einer positiven Grund-
haltung durch den Tag, kenne meine „Programme“ und prüfe sorgsam immer wieder an was ich glaube, ob das
„wahr“ ist, dann kann ein kontinuierlicher Prozess (der Veränderung) entstehen in dem ich flexibel genug bin,
individuell auf Unwägbarkeiten reagieren zu können und Entscheidungen zu treffen. Ergo ich bin handlungs-
fähig, übernehme Verantwortung und bin in der Lage bei Bedarf unterschiedliche Perspektiven einzunehmen
und adäquat zu kommunizieren.

Wenn Du zweifelst, schau nicht zur Bergspitze, schau ins Tal um zu sehen
was Du schon alles geschafft hast.

(Christian Bischoff)

Am Ende des Tages ist es irrelevant, wie hoch, wie weit oder wie schwer Du gegangen bist. Wenn Du am Gipfel
stehst, Dein Ziel erreicht hast, dann wirst Du für all die Anstrengungen und zurückliegenden Herausforderungen,
die Du Stück für Stück gemeistert hast, entlohnt. Vieles wird plötzlich ganz klein und Du kannst aufrecht und klar
einem ganz neuen Horizont entgegenblicken. Dann unten, wieder am Fuße des Berges angekommen, blickst Du
mit Stolz zurück auf Deine Leistung. Du bist froh, wieder heil zurück zu sein und hast doch so viel mehr mit her-
untergebracht, als Du zuvor hinaufgetragen hast. Du bist voller Kraft in der Gegenwart und nimmst diese Erfahrung
mit in die Zukunft.

Diese Grundeinstellung bildet für mich nicht nur die Basis für den Bergsport, sondern auch für das Leben. Wenn
ich mir über meine Werte sowie Ressourcen –auch aus bisher Erlebtem- bewusst bin, und sorgsam damit umgehe,
was ich glaube, dann gibt Sie mir persönlich die Sicherheit Herausforderungen anzunehmen, darauf zu vertrauen
(m)einen Weg zu finden, Entscheidungen zu treffen und meine Ziele zu erreichen.

Dies setzt Wahrnehmung, Achtsamkeit sowie Bewusstsein voraus und spiegelt sich folglich in meiner Lebens-
qualität und der zwischenmenschlichen Interaktion im Alltag wieder.

Eine Frage der Haltung

– Die Grundannahmen des NLP –

Die Grundannahmen des NLP bilden für mich eine Basis für eine gelungene Interaktion, eine Grundlage für ein
wohlwollendes Miteinander, in der differente Sichtweisen nebeneinander existieren dürfen und Lösung über
„Recht haben“ steht. Denn wer hat schon „Recht“ und wer entscheidet dies schlussendlich? Durch eine an
den Grundannahmen orientierte Haltung ist es möglich eine konträre Diskussion zu führen und gleichzeitig
Raum für Lösungen zu schaffen. Außerdem schafft sie eine Basis, die eigene Wahrnehmung für sich selbst
und andere schärfen zu können.

Jeder Mensch begegnet dem Leben in einer bestimmten Haltung. Sie konkretisiert das Selbstverständnis und
das Weltmodell eines Menschen.

Der Brockhaus beschreibt Haltung aus psychologisch, soziologischer Sicht als „Einstellung“. Aus philosophischer
Sicht steht dort geschrieben:

„In der Ethik versteht man unter Haltung die durch Einübung in allgemein
anerkannte
zwischenmenschliche Verhaltensmuster gewonnene und zur
Gewohnheit gewordene innere
Einstellung, aus der heraus Handlungen
moralisch beurteilt und ausgeführt werden. In der
Kulturanthropologie
und der Existenzphilosophie (E. Rothacker, K. Jaspers) wurde die Haltung
auch als „Lebensstil“ definiert, als eine vom Individuum gewählte und bei-
behaltene
Verhaltensform, in der auf Lebenssituationen geantwortet wird.“

Die Medizinethikerin Christiane Woopen hat Haltung einst so beschrieben:

„Eine Haltung zu haben bedeutet für mich, aus einer Grundüberzeugung
heraus zu handeln, die die ganze Person umfasst, also ihren Körper, ihren
Geist und ihre Gefühle. Eine Haltung besteht nicht aus einer konkreten
Regel wie „Du sollst nicht töten“, sie ist vielmehr eine Handlungsdisposition,
die sich im Laufe des Lebens und Erlebens einer Person, also im individuellen
Lebensvollzug, entwickelt. Die Grundüberzeugung lautet dann zum Beispiel,
dass Leben etwas äußerst Wertvolles ist. Und das führt dann zur Handlungs-
disposition, Leben zu schützen und zu bewahren, ohne vorher darüber jetzt
eigens nachzudenken.“

Fragt man Google, steht dort:

„Innere (Grund)einstellung, die jemandes Denken und Handeln prägt“ 

Haltung ist also eine innere Einstellung und Überzeugung, auf Basis derer jeder Mensch agiert, kommuniziert
und Entscheidungen trifft. Sie beschreibt, in welcher Art und Weise wir den Dingen gegenübertreten und setzt
sich zusammen aus Erfahrungen, Prägungen und uns wichtigen Werten – bewusst oder unbewusst.

Auch der „NLP´ler“ geht in seiner Haltung von ganz konkreten Grundannahmen aus, auf Basis dessen er seine
Interaktion ausrichtet. Diese schließt eine besonders aufmerksame Form der Wahrnehmung ein und spiegelt
die „sowohl-als-auch“-, anstatt einer „entweder-oder“-Mentalität wieder. Denn am Ende des Tages erlebt jeder
die Welt durch seine Brille, wie man so schön sagt. Das Inselmodell von Vera Birkenbihl beschreibt dies deutlich.

Die Grundannahmen bilden für mich den zentralen Ansatzpunkt für die Integration von NLP in den Alltag. Allein
die Verinnerlichung macht mir möglich, eine andere Meinung beispielweise zu akzeptieren oder ich kann mich
dazu entscheiden, die Handlungen anderer anders zu sehen und damit entsprechend zu reagieren. Ebenso
entwickle ich ein Gespür dafür, wie ich kommuniziere und agiere und wie ich meine Mitmenschen in mein „Welt-
modell“ einladen kann.

Die NLP-Grundannahmen

  1. Wir alle sind einzigartig und erleben die Welt auf unsere eigene und unterschiedliche Weise.
  2. Menschen treffen immer die aus ihrer Sicht beste Entscheidung, die zum entsprechenden
    Zeitpunkt aus ihrer Sicht möglich war bzw. ist.
  3. Man kann nicht nicht kommunizieren, denn jedes Verhalten ist Kommunikation. Selbst wenn
    wir schweigen, kommunizieren wir non-verbal.
  4. Der Empfänger bestimmt über die Bedeutung einer Nachricht. Ergo gibt es kein „Du hast mich
    falsch verstanden“ sondern nur ein „Ich habe mich falsch ausgedrückt“.
  5.  Jeder besitzt zumindest unbewusst alle Ressourcen, die er oder sie benötigt.
  6.  Die Landkarte ist nicht das Gebiet. Daher orientieren sich Menschen subjektiv an ihren eigenen
    Bildern, Werten und Vorstellungen.
  7. Ein wichtiges Ziel ist es, Wahlmöglichkeiten zu schaffen. Eine Möglichkeit bedeutet Zwang, zwei
    Möglichkeiten sind ein Dilemma und die Freiheit beginnt ab der dritten Option.
  8. Menschen verfolgen auf einer höheren Ebene immer anerkennenswerte Absichten. Kritisch ist
    manchmal das Verhalten. Hierfür gilt es, Alternativen zu erarbeiten und das (negative) Verhalten
    von der positiven Absicht zu trennen.
  9. Jedes Verhalten ist in irgendeinem Kontext nützlich.
  10. Es gibt in der Kommunikation keine Fehler, sondern ausschließlich Reaktion.
  11.  Wenn das, was du tust nicht funktioniert, tu etwas Anderes.
  12. Das flexibelste Systemelement steuert das System. Flexibilität ist der Schlüssel zum Erfolg.
  13. Tatsachen sind und bleiben Tatsachen. Die Bedeutung, die wir einer Sache geben, entscheidet
    über das eigene Erleben. Diese Bedeutung können wir aktiv beeinflussen (Gunther Schmidt).

Wem es gelingt, diese Grundannahmen bewusst zu betrachten, Beispiele aus dem täglichen Leben zu finden
und zu reflektieren, schärft seine Wahrnehmung für sich und seine Mitmenschen.
Gedankengänge die sich sonst weitgehend unbewusst abspielen, werden bewusst(er) und Handlungen sowie
Reaktionen können mit einer konstruktiv-wohlwollenden Haltung hinterfragt werden. Es öffnet sich ein Raum
für Lösungsfindung und Konfliktpotentiale können minimiert werden.

Eine Person, die sehr viel persönlich nimmt, sich schnell angegriffen fühlt kann dadurch erst
einmal einen Schritt „zurück gehen“, in eine Beobachter-Rolle wechseln und im ersten Schritt
beispielsweise hinterfragen anstatt zu urteilen:

* Welche Bedeutung gebe ich (in meinem Weltmodell) dieser Angelegenheit? Möchte ich das?
Und wenn nein, was würde für mich besser funktionieren?
* Welche gute Absicht steckt hinter meinem Verhalten / dem Verhalten meines Gegenübers?

Das Beispiel macht deutlich, dass hier durchaus ein weiterer Aspekt tangiert wird, der im Umgang miteinander
täglich eine Rolle spielt – die Empathie; wie gut gelingt es mir, eine andere Perspektive einzunehmen, mich in
mein Gegenüber hineinzuversetzen und das Wissen darüber, dass jeder Mensch in seinem eigenen, für ihn
richtigen, Weltmodell handelt und agiert. Es lohnt sich also hinzuschauen.

* Was erlebe ich wie?
* Was treibt mich an?
* Wie schaue ich im Konkreten auf die Dinge und wie gehe ich mit Herausforderungen um?

Was wir erleben erreicht uns i.d.R. über unsere Sinne, über welche wir die Welt wahrnehmen. Wir sehen,
hören, fühlen, riechen und schmecken.


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