MUMMYs Coaching

Ein Werkzeugkoffer für Elterncoaching

Abschlussarbeit von Carolin Kokol, als PDF lesen


Summery

Vorliegende Arbeit beschreibt ein

„Konzept für Elterncoaching.“

Dabei werden in den ersten beiden Kapiteln Ziele und klassische Anliegen dargestellt, mit welchen Menschen in
der Elternrolle konfrontiert sein können. Im dritten Kapitel werden Beispiele systemischer Coaching-Interventionen
aufgeführt und in ihrer Funktion kurz ausgeführt, welche den Klienten in die Lösung seines Anliegens führen sollen.
Dabei wird zwischen den Zielkategorien unterschieden:

• Überblick gewinnen / Situation reflektieren und im System einordnen
• Umgang finden, Verhaltens-/ Reaktionsmuster optimieren
• Entscheidung treffen und Zukunftsplanung

Zuletzt werden noch zielübergreifende Coachingtechniken und deren Wirkung genannt.

In diesem Sinne soll ein Werkzeugkoffer für ein Elterncoaching gepackt werden, welcher natürlich, wie von jedem
professionellem Handwerker, regelmäßig gepflegt, erneuert und ergänzt werden muss – entsprechend dem jeweils
anfallenden Arbeits- bzw. Aufgabengebiet. Es wird auch Aufgaben geben, für die man nochmal zurück in die Werkstatt
fahren oder an einen anderen Fachmann verweisen bzw. einen hinzuziehen muss. So sei an dieser Stelle insbesondere
auf die Abgrenzung zwischen Familiencoaching und / oder Paarcoaching hingewiesen, welches sicherlich noch einmal
eines ganz anderen Werkzeugkastens bedarf.

 

Einführung

Wir werden immer wieder gefordert, uns neu zu orientieren und neu zu positionieren, wichtige Entscheidungen
zu treffen, mit Konflikten umzugehen, Probleme zu lösen oder das Lebensgefühl ins Gleichgewicht zu bringen.

Das Leben ist geprägt von ständigen Veränderungen. Viele dieser Veränderungen meistern wir mit Bravour. Doch
manche beeinträchtigen uns so stark, dass sie zu einer so großen Belastung werden, dass wir mit deren Bewältigung
alleine überfordert sind und uns im Kreis drehen.

Auslöser für solche Krisen gibt es viele: Der Verlust eines nahen Angehörigen, das Scheitern einer Beziehung, Konflikte
innerhalb der Familie, Probleme am Arbeitsplatz oder mit der eigenen Gesundheit etc.. Auch vermeintlich kleinere
Probleme können belastend sein; vor allem dann, wenn sie über einen längeren Zeitraum nicht verarbeitet werden.

Aber auch schöne Ereignisse, wie beispielsweise Mama, oder natürlich auch im weiteren Sinne Eltern werden, verändert
unser System ganz maßgeblich.

Eltern sein bringt viel Schönes und viel Bereicherung, stellt aber zunächst einmal auch vieles auf den Kopf; Einiges
muss neu sortiert werden, was natürlich auch ein laufender Prozess ist und bleibt! Und dabei ist nicht immer alles
wie im Bilderbuch oder – um ein sehr geschätzte Coachingkollegin zu zitieren – „wie in der Rama-Lätta-Werbung“1.

Systemisches Coaching kann bei diesem Schritt der Veränderung, welche die zusätzliche Rolle und Aufgabe des
Elternseins mit sich bringt – insbesondere den Drahtseilakt, neben allen „Verpflichtungen“ auch auf sich selbst Acht
zugeben, aber auch später beim beruflichen Wiedereinstieg, bei einem weiteren Kind oder anderen Veränderungen
in der Familie oder im Job etc. – eine wunderbare Begleitung sein.

 

1 Ziel des Elterncoachings

Ziel des Coachings im Allgemeinen ist, Krisen und kritische Lebensphasen und / oder belastende Fragestellungen in
einem oder mehreren gemeinsamen Gesprächen anzunehmen, zu durchleuchten und mit neuen Ideen und Gedanken
hinter sich zu lassen.
Ein Anliegen gemeinsam mit einer neutralen Person zu betrachten, hilft, positive Aspekte zu sehen und neue Handlungs-
spielräume zu erkennen.
Dabei wird der Fokus auf Potenziale, Kompetenzen, Kraftfelder, Ressourcen und auf zielgerichtete Lösungen gesetzt
– mit dem Ergebnis, sich selbst und andere besser zu verstehen und ungeahnte Chancen zu erkennen, die uns Krisen
bieten.
Das Elterncoaching im Besonderen unterscheidet sich in den klassischen Anliegen der Eltern, wie im folgenden Kapitel
dargestellt.

 

2 Klassische Anliegen von Eltern

Betrachtet man klassische Fallbeispiele aus Gesprächen mit Eltern in denen beschrieben wird, was die zusätzlichen
Rollen und Aufgaben des Elternsein mit sich bringen, dann können bspw. folgende Aussagen abgeleitet werden:

• Ich habe Ängste und Sorgen seit der Schwangerschaft.
• Ich fühle mich überfordert mit den neuen Herausforderungen und Anforderungen des Alltags,
bin oft erschöpft und ausgebrannt.
• Ich bin Mutter und dachte, ich müsste mich froh und glücklich fühlen – stattdessen bin ich
unausgeglichen, verliere schnell die Fassung und verstehe mich selbst nicht mehr.
• Wie kann ich etwas Erholung finden und wieder Kraft und Energie tanken?
• Mein Partner und ich streiten oft, unsere Wünsche bleiben auf der Strecke.
• Ich habe keine Zeit mehr für mich und meine Bedürfnisse.
• Wie finde ich die für mich passende Balance zwischen meinen Rollen (Mama-Sein, Partnerin-Sein,
Frau-Sein und den beruflichen Ansprüchen …)?
• Ich fühle mich überfordert mit der Rolle des „Ernährers“ mit Vollzeittätigkeit und der Rolle als
allzeit verfügbarer Papa und verständnisvoller Partner
• Wie kann ich mich beruflich neu orientieren, um diese Balance besser herstellen zu können?
• Erwartungsdruck Dritter bestimmt mein Leben, ich möchte mir wieder selbst vertrauen.
• Ich leiste so Vieles und habe das Gefühl, dass es nicht wertgeschätzt wird. Es ist „normal“; dass
beide Seite „Mama und Papa funktionieren“.

Diese Auflistung hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, soll jedoch einem Überblick dienen, über die klassischen
Coachinganliegen, welche im Zusammenhang mit Eltern werden und sein stehen.


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1 Ingola Stövesand