Gewohnheiten, bewusst und unbewusst

Abschlussarbeit von Isabelle Strigun, als PDF lesen


Was sind Gewohnheiten?

Gewohnheiten sind Automatismen. Die meisten unserer Gewohnheiten laufen vollkommen automatisiert
unterbewusst ab.
Es gibt Gewohnheiten des Verhaltens, des Denkens und des Fühlens:

Verhaltensgewohnheiten

Z.B. ob man raucht, wie oft man das Essen kaut, ob man Sport treibt; auch Rituale: der Espresso nach
dem Essen oder die 20 Uhr Nachrichten

Denkgewohnheiten

Repräsentieren Einstellungen und Werte, z.B. ab wann wir jemanden für bescheiden oder unzuverlässig
erklären, oder was wir für moralisch korrekt oder falsch halten

Auch das Selbstbild gehört dazu und die Einschätzungen der eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse
(Stichwort: innerer Dialog)

Gefühlsgewohnheiten

Hängen von der Persönlichkeit und dem Temperament ab
Beschreiben die Tendenz in bestimmten Situationen oftmals mit dem gleichen Gefühl zu reagieren,
z.B. jemand ist automatisch sehr verärgert, sobald der andere ein paar Minuten zu spät kommt; wann
man sich gekränkt fühlt oder Angst empfindet

 

Neurologie (I) – Das bewusste und unbewusste System

Bewusstes System

Beim Ausdenken einer neuen Erfindung oder beim Lachen über den Witz eines Freundes sind
die äußeren Segmente unseres Gehirns aktiv bzw. der Bereich im präfrontalen Cortex
Es fokussiert Aufmerksamkeit und arbeitet mit willentlicher Anstrengung, d.h. hier laufen die
bewussten, langsamen Prozess ab

Unbewusstes System/limbisches System

Es kontrolliert unsere automatischen Verhaltensweisen und arbeitet ohne willentliche Anstrengung,
d.h. hier laufen die unbewussten, schnellen Prozess ab
Hierzu gehört z.B. das Atmen, der Griff nach dem herunterfallenden Gegenstand oder Schreckreaktionen,
wenn jemand unerwartet aus dem Gebüsch hervorspringt
Innerhalb des Unbewussten Systems gibt ein bestimmtes Klümpchen Nervengewebe: die sogenannten
Basalganglien – Sie speichern die Gewohnheiten als kompakte Information ab und rufen jene in der
entsprechenden Situation automatisch ab

Wenn wir eine neue komplexe Operation lernen (z.B. das Ausparken eines Autos aus der Einfahrt), ist besonders viel
Hirnkapazität im bewussten System erforderlich. Diese Hirnkapazität nimmt nach einer Weile ab und verlagert sich in
das Zentrum des Hirns (Basalganglien und Kleinhirn), wenn die Folge von Handlungen zu einem Automatismus geworden
ist. Hierfür werden zwischen beiden Systemen neue neuronale Netzwerke für das ungewohnte Verhalten angelegt. Umso
öfter man die Handlung ausführt, desto effektiver werden diese Netzwerke und umso weniger muss man sich konzentrieren.
Was bleibt, ist ein begleitendes Bewusstsein.

 

Kleines Experiment – an dem sich die Macht der Gewohnheit zeigt

  1. Finger ineinander verschränken.
  2. Nach ein paar Sekunden wird der untere Daumen nach oben gewechselt.
  3. Wie fühlt sich das an? –> Ungewohnt, verwirrend :-)
  4. Das Gehirn hat soeben seinen routinierten Pfad verlassen, indem es den dominanten Daumen
    untergeordnet hat.
  5. Bis die neue Fingerhaltung zu einem Automatismus wird, müsste man diese Übung wohl mehrfach
    über einen längeren Zeitraum wiederholen

 

Neurologie (II) – Warum liebt unser Gehirn Gewohnheiten

Das Gehirn sucht permanent nach Wegen sich weniger anzustrengen – Gewohnheiten erlauben unserem
Geist häufiger herunterzufahren
Vorteil:

Energiesparprogramm: ein effizientes Gehirn erlaubt uns nicht ständig über grundlegende
Verhaltensweisen nachdenken zu müssen (z.B. das Gehen oder die Essensauswahl)
Gewohnheiten entlasten vom Zwang sich ständig entscheiden zu müssen; wir verzetteln
uns nicht mit Nebensächlichkeiten
→ Es bleibt mehr mentale Energie für neue Informationen und Anforderungen

Harken:

Autopilot entscheidet nicht zwischen positiver und negativer Gewohnheit; er kennt kein
richtig oder falsch
Es erfordert sehr viel Kraft um anders als gewohnt zu reagieren


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