Die Transaktionsanalyse

Abschlussarbeit von Stefanie Badem, als PDF lesen


Ich sitze am Frühstückstisch. Mir gegenüber sitzt mein Mann. Es klingelt. Ja genau, wir erwarten die Anlieferung
eines Badezimmerschrankes. Mein Mann steht auf und öffnet die Haustür. Ich kann ja sitzen bleiben, er kümmert
sich schon. Ich höre leise Stimmen. Ich merke, wie ich unruhig werde. Was geht da vor? Es drängt mich in den
Flur. Ich muss aufstehen und dabei sein. Und tue das auch. Ich gehe in den Flur und sehe, dass der Lieferant den
Schrank in den Flur trägt und mein Mann ihn ins Obergeschoss bringen will. „Trägst du den Schrank schon nach
oben?“ frage ich. Mein Mann schaut verärgert über meine Einmischung. Ich sage weiter: „Am Sonntag kommt doch
Besuch. Da steht er da im Weg rum. Ist es nicht besser, dass er in die Garage kommt?“ Ich registriere, wie
unangebracht meine Einmischung ist und wie sinnlos meine angebliche Verbesserung wäre, denn der Schrank soll
schon am Montag oben im Badezimmer montiert werden und der Besuch wird kaum viel Zeit im Obergeschoss
verbringen. Mein Mann runzelt erneut die Stirn, sagt aber nichts und bringt den Schrank nach oben.

Ich sitze später wieder am Frühstückstisch und analysiere mein Verhalten. Ja, das war mein negativ-kritisches
kontrollierendes Eltern-Ich.

 

Was ist die Transaktionsanalyse? (im nachfolgenden Text kurz TA genannt)

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Jede Kommunikation zwischen mindestens zwei Menschen ist eine Transaktion.

Mit Hilfe der Analyse dieser Kommunikationseinheit ist erkennbar, ob die beteiligten
Personen auf einer Ebene miteinander sprechen oder ob es Kommunikationsstörungen gibt.

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• TA ist ein Kommunikationskonzept, das die Möglichkeit bietet, zwischenmenschliche Kommunikation zu
beschreiben und zu erklären.
• TA ist eine psychologische Methode, die Menschen hilft, effektiver zu kommunizieren.
• TA ist ein Persönlichkeitskonzept, das dazu hilft, innere Prozesse und lebensgeschichtliche Entwicklungen zu
verstehen.
• TA ist ein Beratungs- und Therapiekonzept, das dabei hilft, psychische Erkrankungen und Störungen zu
behandeln und individuelles Wachstum zu fördern

 

Dr. Eric Berne, Psychiater und Psychoanalytiker aus Amerika, entwickelte diese psychologische Methode Mitte des
letzten Jahrhunderts. In dieser Zeit entstanden parallel neue Modelle/Therapieansätze, wie z.B. die Gestalttherapie
von Fritz Perls und die Familientherapie von Virginia Satir. Diese Therapeuten suchten nach neuen Wegen, den
Klienten/Patienten effizienter und schneller, als mit den jahrelangen Freud’schen Psychoanalyse-Sitzungen auf der
„Couch“, helfen zu können.

 

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Die Transaktionsanalyse unterstützt Menschen dabei :

die Persönlichkeit zu entfalten
Potentiale auszuschöpfen
effektiver zu kommunizieren
und dadurch die eigene Kompetenz im privatenund beruflichen Handeln zu erweitern.

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Sie gründet auf einem Menschenbild humanistischer Tradition, das von der Eigenständigkeit, der Bewusstheit und
Selbstverantwortlichkeit sowie der unbedingten Würde eines jeden Menschen ausgeht.

Die vom Begründer dieser Methode Eric Berne geprägte und auf den ersten Blick einfache Formel: „Ich bin ok – du
bist ok“ drückt darüber hinaus eine innere Haltung aus, die gekennzeichnet ist von Respekt und Anerkennung sich
selbst und anderen gegenüber.

So lässt sich die TA auf jedem Gebiet anwenden, wo es um das Verständnis des Einzelnen, das Erfassen von
Beziehungen und die Theorie und Praxis der Kommunikation geht:

in der Psychotherapie, in der Beratung, im Schulwesen, in der Ausbildung von Führungskräften, im
Kommunikationstraining, zur Analyse von Systemen und Organisationen, im sozialen Dienst, bei Polizei- und
Strafvollzugsbehörden, in der Seelsorge.

Sie ist anwendbar in Einzel-, Gruppen-, Paar- und Familientherapie.

 

Grundüberzeugungen in der TA

Nach transaktionsanalytischer Auffassung besitzt jeder Mensch die Freiheit der Entscheidung für sein Leben. Das
heißt, der Mensch ist aktiver Gestalter seines Lebens und nicht bloß Opfer der Umstände.

Die TA sagt, dass alle Menschen „ok“ sind. Damit ist gemeint, dass jeder Mensch

• das Recht zu leben hat
• fähig ist, sich zu entwickeln
• ein Recht auf die Entfaltung seines Potentials hat
• fähig ist, Verantwortung für sich zu übernehmen
• einen Kern hat, der liebenswert und wichtig ist – unabhängig vom Verhalten

Diese Grundüberzeugungen finden sich in den Grundannahmen des NLP wieder.

Aufgrund des Menschenbilds haben Verträge in der TA einen hohen Stellenwert. Fachperson und Klient/in
vereinbaren zu Beginn ihrer Zusammenarbeit Ziele und wer welche Beiträge zu deren Erreichen leistet. Dadurch
wird die Ebenbürtigkeit ebenso betont wie die Mitverantwortung aller beteiligten Parteien. Zu den Zielen der
Vertragsarbeit gehört es, dafür zu sorgen, dass nicht ständig das Problem des Klienten, sondern das Ziel der
Veränderung im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht. Ein Vertragsziel muss in positiven Worten ausgedrückt sein
mit dem Prinzip der kreativen Visualisierung.

Auch hier ist eine Übereinstimmung mit dem Vorgehen im NLP zu erkennen.

 

Das Ich-Zustands-Modell

Eric Berne hat einen Ich Zustand definiert als ein in sich geschlossenes Muster von Fühlen und Erleben, das in
direktem Zusammenhang steht mit einem in sich geschlossenen Verhaltensmuster.

Auch ein erwachsener Mensch kann sich wie ein Kind erleben. In anderen Situationen denkt, fühlt und handelt er
eher elternhaft. Und bei wieder anderen Gelegenheiten sind sein Verhalten, seine Gedanken und seine Gefühle eine
direkte Reaktion auf das Hier und Jetzt.

Diese unterschiedliche Äußerung der Persönlichkeit wird in der TA mit den IchZuständen erklärt.

 

 

Ein Beispiel:

Als kleines Kind habe ich vielleicht gelernt, dass es höchst wirksam war, zu trotzen, wenn ich meine Eltern auf mich
aufmerksam machen wollte. Auch jetzt als Erwachsener schmolle ich unter Umständen manchmal immer noch in
der Hoffnung, dadurch zu erreichen, was ich will. Wenn ich das tue, ignoriere ich die Alternative, die mir als
Erwachsener offensteht, einfach direkt darum zu bitten, was ich will.

 

Das Konzept des Lebensskripts

Nach Eric Berne erwirbt ein Kind bis ungefähr zum Schuleintritt bestimmte Vorstellungen

• über sich selbst
• über die anderen Menschen
• über die Welt und das Leben
• darüber, wie es am besten durchs Leben kommen wird.

Diese Vorstellungen bilden einen unbewussten Lebensplan oder Lebensentwurf. Dieser wird in der TA als
Lebensskript oder einfach als Skript bezeichnet. Die kindlichen Entscheidungen, die zum Skript führen, stellten
Überlebensstrategien dar. Was damals richtig war oder schien, ist im Erwachsenenleben oft einschränkend. Im NLP
spricht man von Muster bzw. Glaubenssätzen. Aus dem Skript heraus entwickeln sich folgende Botschaften:

Einschärfungen/Bann-Botschaften – destruktive Überzeugungen – Beispiele

Sei nicht wichtig!
Lass das! (Tu’s nicht, tu überhaupt nichts!)
Fühle nicht!

Antreiber-Botschaften – Anweisungen – Beispiele

Sei perfekt!
Beeil dich!
Sei anderen gefällig! (Sei liebenswürdig! Mach es allen recht!)

Prozess-Skripts – Beispiele

Ich kann niemals bekommen, was ich mir am meisten wünsche.
Warum muss das ausgerechnet immer mir passieren.
Ich darf keinen Spaß haben, bis ich meine Arbeit fertig habe.

 

Strokes

Eric Berne hat den Begriff „Stroke“ gewählt und damit jegliche Form der Zuwendung gemeint. Um sich gesund
entwickeln zu können, braucht jeder Mensch von Geburt an Zuwendung und Anerkennung. Zuwendung kann in
Form von körperlichem Kontakt oder auch mit Worten oder einem Blick vermittelt werden. Zuwendung gibt es auch
in negativer Form. Negative Zuwendung wird bewusst oder unbewusst gewählt, denn diese zu erhalten ist besser als
keine.

Beispiel: Das Kind, welches wenig positive Zuwendung von den Eltern erhält, lernt, dass es Aufmerksamkeit
bekommt, wenn es lange schreit. Die Eltern kommen zu ihm, sind aber verärgert und gehen ruppig mit ihm um. Das
ist immerhin besser, als keine Aufmerksamkeit zu erhalten.

Beispiel: Du gehst über die Straße und dein Nachbar kommt dir entgegen. Du lächelst ihn an und sagst: „Schönes
Wetter heute, oder?“ Er lächelt zurück und antwortet: „Ja, wirklich!“

Damit hast du mit deinem Nachbarn einen positiven Stroke ausgetauscht. Es könnte auch sein, dass dein Nachbar
gar nicht reagiert, auch das ist ein Stroke und du würdest darüber nachdenken, wieso er dich nicht beachtet.

Laut Eric Berne entscheiden unser Lebensskript und unsere Strokes über unsere

Grundeinstellungen

Eric Berne meint, das kleine Kind habe schon früh im Prozess der Skriptbildung gewisse Überzeugungen über sich
selbst und die Menschen, die es umgeben. Wahrscheinlich behält es diese Überzeugungen ein Leben lang bei. Sie
lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

Mit mir ist alles in Ordnung. → Ich bin ok.

Mit mir stimmt etwas nicht. → Ich bin nicht ok.

Mit dir hat es schon seine Richtigkeit. → Du bist ok.

Mit dir ist etwas nicht in Ordnung. → Du bist nicht ok.

Verknüpft man die Überzeugung über sich selbst mit derjenigen über die anderen Menschen, gibt das vier mögliche
Kombinationen:

Ich bin ok → du bist ok

Wer diese Position einnimmt, fühlt sich weder über- noch unterlegen und braucht weder sich noch andere zu
manipulieren. Das bedeutet nicht, dass alles für gut und richtig befunden wird, was jemand tut oder sagt. Fehler
werden sich selbst und dem Gegenüber zugestanden, ohne sich oder die andere Person abzuwerten. Diese
Einstellung fördert gute Kommunikation und effektive Arbeit.

Ich bin ok → du bist nicht ok

Diese Position resultiert aus einem unrealistischen Gefühl von Überlegenheit und Macht. Mit dieser Einstellung
geben Menschen bei Misserfolgen den anderen oder den Umständen die Schuld. Tatsächlich vorhandene Mängel in
den Fähigkeiten anderer werden stets mit einer Abwertung der Person gekoppelt. Oft liegt darunter in instabiles
Selbstwertgefühl.

Ich bin nicht ok → du bist ok

In dieser Haltung fühlen sich Menschen subjektiv überfordert. Sie neigen dazu, alle Schuld bei sich zu suchen.
Aussagen sind oft mit einer Abwertung der eigenen Person und einer Überhöhung des Gegenübers verbunden.

Ich bin nicht ok → du bist nicht ok

Mit dieser Einstellung ist ein Gefühl der Sinnlosigkeit verbunden. Menschen mit dieser Haltung sehen nichts
Positives bei sich und bei den anderen. Sie neigen dazu, konstruktive Lösungsansätze abzuwerten, zum Beispiel in
dem sie sich darüber lustig machen. Verharren Menschen längere Zeit in dieser Position, kann das zu einer
Bedrohung für Leib und Psyche werden.

Die Informationen über die Ich-Zustände, das Lebensskript, die Strokes und die Grundeinstellungen führen uns nun zu den

Transaktionen und deren Analyse


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