Coaching mit Kindern

Abschlussarbeit von Manuela Mayer, als PDF lesen


Einleitung

Zwischen Kindergarten und Job erleben Kinder nicht nur Spaß, Freude, Anerkennung und positive Erfahrungen. Sie machen auch eine Menge kleine und große, unangenehme bis hin zu schmerzhaften Erfahrungen. Alle, ob positiv oder negativ empfundenen Erlebnisse, hinterlassen ihre Spuren und beeinflussen Denken, Fühlen und Handeln. Jeder Mensch entwickelt so aufgrund dessen, was er in der Kindheit gelernt bzw. erfahren hat, Verhalten und Meinungen über sich selbst, von anderen und von der Welt. Diese Muster sind die Grundlage dafür, wie man später mit den verschiedenen Situationen im Leben umgeht und damit auch, welche Ergebnisse man erzielt.

Erwachsene verkennen oft, dass Kinder viel stressanfälliger sind, als gedacht.

Sie sind unsicher, manipulierbar und ihre Persönlichkeit ist noch nicht ausgereift. Immer mehr Kinder haben Sorgen, Ängste, Stress oder sind zum Teil abwesend und in Gedanken versunken. In der Schule gibt es Schwierigkeiten und schlechte Noten. Zuhause in der Familie gibt es Ärger und auch im Freundeskreis kommt es zu Konflikten.

Kinder erleben in der Familie, im Kindergarten, in der Schule und in ihrem sozialen Umfeld zahlreiche schwierige Situationen, die inneren Stress und auch Blockaden verursachen. Diese führen zu Schulstress, Verhaltensauffälligkeiten, Ängsten, inneren Blockade und sogar Schlafstörungen.

Ein zielgerichtetes Coaching kann Kinder und Jugendliche dabei unterstützen, das innere Gleichgewicht wieder zu finden.

Ein Coaching kann dazu führen, dass Kinder sich wieder entspannen können, lernen konzentriert zu arbeiten, sich wieder selbstbewusst fühlen und mit ihren Ängsten umzugehen wissen.

Wenn Erwachsene die Möglichkeit bekommen, zu lernen, besser mit Stress umzugehen, sich selbst zu finden, Problemlösungskompetenzen zu erwerben oder ihre Ziele leichter zu erreichen, dann sollten Kinder doch ähnliche Möglichkeiten bekommen.

Wenn es um die Probleme von Kindern geht, fällt vielen Eltern nur der Gang zum Arzt oder Therapeuten ein, bei schulischen Problemen der Nachhilfeunterricht. Beides hat unter bestimmten Umständen durchaus seine Berechtigung. Oft geht es aber um Alltagsthemen wie Ängste, mangelndes Selbstvertrauen, Konzentrationsschwäche, fehlende Motivation oder Unsicherheit.

Verständlicherweise scheuen viele Eltern, gleich den Therapeuten einzuschalten. Denn leider ist dies immer noch mit dem Makel behaftet, man sei krank oder verrückt.

Die Alternative dazu ist ein Coaching.

Der Körper kann nicht unterscheiden, ob unsere Gedanken real sind oder nicht.

Deshalb wachen wir schweißgebadet aus einem Alptraum auf oder bekommen Herzrasen, obwohl wir nur in unserer Fantasie denken, die Spinne könnte uns angreifen. Umgekehrt können wir durch positive Gedanken unsere Leistungsfähigkeit enorm steigern. Und genau das machen sich Menschen zu Nutze.

Kaum ein Spitzensportler kommt heutzutage ohne ein mentales Training an die Weltspitze. Top-Manager von Weltkonzernen lassen sich coachen, um mit dem immensen Druck fertig zu werden, der auf ihnen lastet. All das hilft Erwachsenen, vorhandenen Stress besser zu bewältigen, Ziele zu erreichen oder in extremen Situationen einen klaren Kopf zu bewahren.

Warum also nicht auch Kindern?

Grundprinzipien des Coachings

An dieser Stelle möchte ich kurz die für mich wichtigsten Grundprinzipien des Coachings erläutern, die neben der inneren Haltung die Basis jedes einzelnen Coachings sind:

Respekt und Wertschätzung
Respekt und Wertschätzung bilden das Fundament einer erfolgreichen Zusammenarbeit.

Das heißt, dass Probleme oder Verhalten nicht bewertet oder moralisiert werden. Man geht davon aus, dass es einen Kontext gibt, in dem jedes Verhalten nützlich ist.

Allparteilichkeit und Neutralität

Neutralität beinhaltet eine gelassene Neugier gegenüber allen Sichtweisen, Erklärungen und Werten.

Neutralität zeigt sich auch in der Allparteilichkeit, also im Bestreben, alle Mitglieder des Systems aus ihrer Perspektive heraus zu verstehen und ihre Sichtweisen zu wertschätzen.

Grundhaltung des Nicht-Wissens

Coaches formulieren und artikulieren Hypothesen nicht aus der überlegenen Haltung eines Experten heraus, der mehr als der Klient weiß, sondern aus der bescheidenen Haltung des Nicht-Wissens.

Was das Beste für den Klienten ist, weiß er nur selbst.

Systemisch-konstruktivistischer Ansatz

Respekt und Akzeptanz vor dem individuellen System und der individuellen Sichtweise des Klienten.

Jeder Mensch interpretiert und bewertet die Dinge und Ereignisse um sich herum und konstruiert daraus seine eigene Weltsicht. Dabei beeinflusst das Denken und Verhalten des Klienten sich gegenseitig mit dem Verhalten der Personen in seinem sozialen Umfeld.

Es ist daher unerlässlich, das gesamte persönliche System zu betrachten.

Verschwiegenheit

Das Coaching basiert auf einem vertraulichen Umgang mit allen Informationen aus dem Coaching-Prozess.

Verantwortung

Sowohl der Coach als auch der Klient sollten sich ihrer eigenen Verantwortung bewusst sein.

Der Coach begleitet und steuert den Coaching-Prozess und reichert ihn mit verschiedenen Methoden an.

Dadurch schafft er einen Raum der Selbstgestaltung für den Klienten. Dieser trägt die Verantwortung für die Erreichung seiner Ziele.

Coaching mit Kindern

Kinder können aus vielfältigen Gründen zu einem Coach kommen.

Möglicherweise machen sich die Eltern oder andere Erwachsende Sorgen darüber, wie das Kind zurechtkommt, und suchen Hilfe. Oder vielleicht hat das Kind Sorgen oder macht eine schwierige Phase durch.

Viele dieser Themen lassen sich im Alltagsleben lösen, mithilfe von Freunden, Familienmitgliedern, anderen Personen, die das Kind kennen.

Doch manchen kindlichen Sorgen ist nicht so ohne Weiteres beizukommen oder die Kinder stehen sich häufig auch selbst im Weg.

Sie sehen sich beispielsweise negativ, haben Mühe, ihr Verhalten in den Griff zu bekommen, oder können bestimmte Anforderungen nicht bewältigen. Coaching kann Kinder darin unterstützen, sich auszudrücken und eigene Lösungen zu finden.

Dabei ist es wichtig, die Eltern einzubeziehen. Vor allem, da sie in den meisten Fällen als Auftraggeber fungieren.

Im Coaching kann man entsprechend entweder mit einem Kind allein arbeiten oder auch mit dem Kind und Teilen seiner Familie.

Entscheidend ist immer, was im jeweiligen Fall nützlich ist oder was das Kind bzw. auch die Eltern oder der Auftraggeber verlangt.

Vertraulichkeit ist dabei immer besonders wichtig.

Besonders Kinder können durch Coaching in ihre Kraft finden, denn ihr Umfeld wird zwangsläufig meist von anderen kontrolliert.

Das Coaching hilft ihnen zu verstehen, dass Veränderungen nicht nur in anderen Personen oder im Außen stattfinden, sondern dass auch sie selbst etwas anders machen können.

Das Coaching hilft den Kindern dabei, sich ihrer eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten bewusst zu werden und diese gezielt einzusetzen, um jede Hürde des Lebens eigenständig überwinden zu können.

Dementsprechend geht es nicht darum, dass Lösungsvorschläge vorgegeben werden, sondern dass der Coach das Kind in seiner eigenen Entwicklung unterstützt. Es soll frühzeitig lernen, den Blickwinkel auf das Problem zu erweitern, zu einer neuen Betrachtung gelangen und Auswege zu finden.

Kinder sehen einen Coach zunächst häufig als jemanden, der ihnen beistimme Fertigkeiten beibringen und gleichzeitig unterstützen kann, ihre Talente zu entwickeln.

Wenn sie dann jedoch erleben, dass ein Coach ihnen nicht sagt, was sie tun sollen oder wie sie etwas tun sollen, kann das durchaus eine angenehmen Überraschung sein.

Das Menschenbild im Coaching, auch mit Kindern, ist durchweg positiv und geht von der Absicht aus, dass jedes Kind zu jeder Zeit das Verhalten zeigt, welches ihm im derzeitigen Moment als richtig erscheint.

Es baut auf der Grundlage auf, dass hinter jedem Verhalten eine positive Absicht steckt. Zudem ist ein Verhalten immer abhängig vom System, in dem agiert wird.

So ist das Verhalten eines Kindes vielleicht für den Außenstehenden nicht nachvollziehbar, obwohl es für das Kind im jeweiligen System Sinn macht und zielführend wirkt.

Jedes Individuum verfügt über Ressourcen zur Bewältigung jeder Lebenssituation.

Auch jedes Kind trägt diese Ressourcen seiner Fähigkeiten in sich und kann damit jede Lebenssituation bewältigen. Im Coaching arbeitet man daran, diese Ressourcen zu finden, freizulegen und auf Lebenssituationen anzuwenden.

Der CoachingProzess hilft dabei, sich seiner eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten bewusst zur werden und diese gezielt einzusetzen, um jede Hürde des Lebens eigenständig überwinden zu können.

Dementsprechend geht es nicht darum, dass Lösungsvorschläge vorgegeben werden, sondern dass der Coach das Kind in seiner eigenen Entwicklung unterstützt.


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