Coaching für Kinder und Jugendliche

Abschlussarbeit von Lisa Bollinger, als PDF lesen


Vorwort

Meine gesamte berufliche Laufbahn arbeite ich mit Kindern und Jugendlichen, somit auch mit deren Eltern.

Sowohl meine pflegerische Arbeit mit schwerst-mehrfach behinderten Kindern und Jugendlichen als auch der Kontext im Allgemeinen Sozialdienstes des Jugendamtes stellte mich immer wieder vor große Herausforderungen in Sachen Kommunikation.

Während ich mich in Gesprächen lange Zeit ausschließlich von meiner Intuition leiten ließ, bediene ich mich inzwischen gerne erlernter Werkzeuge, die meine Gespräche in vielerlei Hinsicht bereichert und erleichtert haben.

Die Anwendung von Coaching-Tools erleichtern nicht nur meine Arbeit, sondern die Rückmeldung zeigt, dass auch der Gesprächspartner das Gefühl hat, er habe „aktiv“ mitgewirkt.

Im Rahmen dieser Abschlussarbeit werde ich zunächst den Begriff Coaching erläutern. Weiterführend werde ich die Vorteile des Coachens von Kindern und Jugendlichen hervorheben und meine beliebtesten Methoden in diesem Zusammenhang vorstellen.

Meine Ausarbeitung schließt mit einem Fazit.

Was ist Coachen/Coaching?

Der Begriff Coach kommt aus dem Amerikanischen und leitet sich von Kutsche ab. Interpretiert bedeutete dies, die Kutsche bringt jemanden vom einen Ort zum anderen oder aber, der Kutscher (Coach) leitet die Pferde auf den richtigen Weg.

Im übertragenen Sinne stellt ein Coaching eine professionelle Begleitung von individuellen Herausforderungen dar.

Ein Coach unterstützt also bei Herausforderungen privater oder beruflicher Natur, mit lösungsorientiertem Ansatz.

Der Schwerpunkt beim Coachen liegt darin, die Stärken des Klienten herauszuarbeiten, heißt, der Klient trägt seine Lösung schon in sich. Man kann das coachen auch als „Hilfe zur Selbsthilfe“ benennen.

Ein Coaching unterscheidet sich vor allem dadurch von einer Beratung, dass der Coach weder Ratschläge noch Empfehlungen gibt.

Der Coachee (Klient) selbst ist der Experte für sein Leben, er wird durch Fragetechniken und Methoden zu seinem individuellen Ziel geleitet.

Das Coaching ist deutlich von der Therapie abzugrenzen.

Im Coaching wird mit psychisch gesunden Menschen gearbeitet, der Fokus liegt auf Gegenwart und Zukunft, das Ergebnis beruht auf Interaktion zwischen Coach und Coachee, während in der Therapie überwiegend mit Vergangenheit und Gegenwart gearbeitet wird und der Therapeut den Behandlungsplan vorgibt.

Der meiner Meinung nach größte Unterschied beider Methoden ist, dass sich das Coaching mit dem positiven Bereich, den Ressourcen beschäftigt während die Therapie versucht Defizite aufzuarbeiten.

Coaching für Kinder und Jugendliche

Aufgrund des soziologischen Wandels müssen Kinder und Jugendliche heutzutage einem immensen Leistungsdruck Stand halten.

Immer früher sollen Kinder heute den Anforderungen der Erwachsenen in Elternhaus und/ oder Schule entsprechen.

Kinder und Jugendliche müssen immer häufiger mit Sorgen umgehen. Ursachen sind soziale Faktoren, wie Trennung der Eltern, kulturelle Hintergründe oder ihr „Anderssein“.

Leistungsdruck und Mobbing sind oft Themen im Schulalltag vieler Minderjähriger.

Coaching hat einen lösungsorientierten Ansatz und fokussiert sich stark auf die Ressourcen/ Möglichkeiten einer Person.

Somit muss nicht einmal, beispielsweise ein trauriges Erlebnis detailliert erläutert werden, sondern eine Umschreibung reicht aus, um das Kind zunächst einmal in seiner Person zu stärken.

Durch unterschiedliche Methoden, die ich im weiteren Verlauf beschreiben werde, kann eine Selbsteinschätzung/ Selbstreflexion von Kindern erfolgen, vor allem wenn es um die Stärkung des Selbstbewusstseins geht.

Coaching kann Kindern und Jugendlichen also aufzeigen, wo sie stehen und bei der Entwicklung sowie Verwirklichung von Zielen unterstützen.

Ebenso können Grenzen herausgearbeitet werden, wenn sich herausstellt, dass Vorstellungen von Kind und Eltern kollidieren. Hier gilt es dann, den Minderjährigen/die Minderjährige bei der Stärkung seiner/ihrer Position zu unterstützen.

Allein der Blick auf´s Kind, es dort abzuholen, wo es gerade steht, die Bedürfnisse zu erkennen, bewirkt vieles und die stellt die Basis für ein Coaching dar.

Gerade bei jüngeren Kindern ist hier eine spielerische Herangehensweise zusätzlich ratsam, bei welcher man sich Bildern, Karten oder Spielzeugen/Gegenständen bedienen kann.

Der Einstieg ins Coaching stellt generell, bei jedem Klienten, einen immens wichtigen Moment dar. Hier ist die Haltung und Authentizität des Coaches gefragt, ganz besonders im Kontakt mit Kindern und Jugendlichen.

Manchmal ist Coaching mit Kinder und Jugendlichen auch „nur“ das Erarbeiten eines Standpunktes, beispielsweise im Hinblick auf die Schulische- und Berufliche Orientierung oder aber ein sehr persönlicher Standpunkt, wie das Erkennen, im Weiteren, das Annehmen seiner eigenen Person.

Aus Scham lehnen insbesondere Jugendliche häufig eine Therapie oder Gespräch beim Schulpsychologen, mit der Begründung, „ich bin doch nicht irre!“ ab.

Coaching ist ein moderner Begriff und öffnet gerade in solchen Fällen die Türen.

Das Coachen zeigt eine Alternative zu Beratung und Therapie auf.

Familienbrett/ Aufstellungen

Das Familienbrett hat seinen Ursprung in der systemischen Familientherapie und kann zu unterschiedlichen Fragestellungen genutzt werden.

Mein Aufgabenschwerpunkt aktuell ist die Begleitung von Kindern im Familiengerichtlichen Verfahren.

Häufig geht es darum, das Familiensystem sowie die einzelnen Beziehungen der Familienmitglieder untereinander zu erkennen, mit der Fragestellung, welchen Lebensmittelpunkt ein Kind dauerhaft haben soll.

Alleine durch Fragen, fällt es insbesondere jüngeren Kindern schwer, ihre Beziehungen und Bezugspersonen zu bestimmen und zu beschreiben.

Das Familienbrett lädt zum Spielen ein und ermöglicht somit auch schon Kindern im Vorschulalter damit zu arbeiten. Gerne bediene ich mich hier der Unterstützung von kleinen Holztieren.

Durch das Auspacken eines kleinen Säckchens ist das Interesse meist sehr groß und die Bereitschaft, mitzumachen, wächst.

Durch das fragen „wer gehört alles zu deiner Familie?“ und anschließendem Schweigen, beginnt der Prozess.

Die Kinder ordnen ihren Familienmitgliedern Tiere zu und erläutern meist, selbstgesprächsartig, ihre Auswahl.

Intuitiv werden die Figuren entsprechend ihrer Beziehung zueinander aufgestellt.

Sprich, die Kinder stellen sich/ihre Tierfigur überwiegend nahe zu ihrer engsten Bezugsperson. Führt das Kind nicht selbsterklärend seine Aktionen aus oder erklärt die einzelnen Positionen, hilft es nach zu fragen:

„Du hast ein Schwein ausgesucht. Für wen steht das Schwein?“

„Das Schwein und die Schlange stehen so weit weg von den anderen Tieren. Kannst du etwas dazu sagen?“

„Wie würde das Schaf sich wohl fühlen, käme das Schwein etwas näher?“

Die Methode eignet sich hervorragend dazu, auch andere Beziehungs-Konstellationen probeweise, ohne Konsequenzen, durchzuspielen und zu beleuchten.

In meinem beruflichen Kontext könnte mit dem Familienbrett erarbeitet werden, wie sich ein Kind fühlt, würde es zukünftig häufiger Zeit mit dem anderen Elternteil verbringen oder gar dort leben.


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