Coach werden

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Eine Reise über tausend Kilometer beginnt mit nur einem Schritt.

(chinesische Weisheit)

Coaching

Ein kurzer Einblick in meine Gedanken zur systemischen Haltung im Coaching. Methoden sind ein wichtiger Be-
standteil des Coachings. Sie ermöglichen neue Gedankenprozesse, motivierende Bilder, lassen uns eintauchen
in unterschiedliches Erleben und unterstützen uns bei der Entdeckung unserer eigenen Ressourcen. Viele dieser
Methoden sind wunderbar beeindruckend. Aber erst durch die systemische Haltung, die mich als Coach „nur“
zum Helfer macht, ermögliche ich meinem Gegenüber im Coaching Prozess das Bewusstsein und Erleben, sein
Leben selbst zu steuern und Veränderungen (nachhaltig) eigenständig bewirken zu können.  Und genau darum
geht es im Coaching!

Im weiteren Verlauf gebe ich mir Antworten auf folgende Frage:

Welche Erfahrungen habe ich während der Weiterbildung gemacht?

Was hat mich bewegt?

Was hat berührt mich?

Wovon möchte ich unbedingt mehr lernen?

Es sind alles sehr persönliche Eindrücke und Gedanken. Ich bin mir sicher, dass viele Gedanken noch lange nicht
zu Ende gedacht und gefühlt sind. Auf die damit verbundenen inneren Entwicklungsprozesse, „AHA-Erlebnisse“
und Glücksmomente freue ich mich jetzt schon!!!

 

Systemisches Coaching – was heisst das für mich

Es gibt wundervolle und vielfältige Methoden die in einem Coaching eingesetzt werden können. Ich denke, es
sind so viele verschiedene, dass man nie sie alle ausprobieren könnte. Muss man natürlich auch nicht.
Im Gegenteil!

Ich bin mir sicher, dass ein Coach mit der Zeit einen zu ihm passende Methodenkoffer füllen wird, die ganz nach
Bedarf als hilfreiche Unterstützung im Gespräch angeboten werden können. Dabei ist nicht nur entscheidend,
wie die jeweilige Methode zum Coachee passt, sondern es ist genauso wichtig, wie sie zum Coach passt. Und
welche Methoden zu mir als Coach passen, wird sich mit der Zeit finden, da bin ich mir sicher.

Für mich das herausfordernde und zugleich wesentliche im Coaching ist eine systemische Grundhaltung. Methoden
sind hilfreich, aber wirklich wirkungsvoll wird ein Coaching durch die Haltung und die sich daraus ergebende Art
der Beziehungsgestaltung. Aber was ist eine systemische Grundhaltung? Und wie erwirbt man sie?

Ich denke, eine systemische Haltung erarbeitet man sich. Was sie beinhaltet kann man in einer Weiterbildung
vermittelt bekommen. Zusammen mit dem Wissen darüber und den eigenen Lebenserfahrungen und Werten
formt sich nach und nach eine systemische Grundhaltung.

Grundhaltung im systemischen Coaching

Die Ethik-Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie
(DGSF) beschreibt die systemische Grundhaltung wie folgt:

„Die Grundhaltung systemischer BeraterInnen* ist gekennzeichnet durch Achtung, Respekt und Wertschätzung
gegenüber einzelnen Personen und Systemen. Die beinhaltet die Akzeptanz einzelner als Person und die All-
parteilichkeit gegenüber den zum System gehörenden Personen, unabhängig von deren Alter, Geschlecht,
ethnischer Herkunft, Kultur, Status, sexueller Orientierung, Weltanschauung und Religion. Die KlientInnen
werden als ExpertInnen für sich und ihre Lebensgestaltung gesehen. Sie werden zur Entdeckung und selbst-
bestimmten Nutzung ihre Ressourcen angeregt, dabei unterstützt und begleitet. BeraterInnen* orientieren sich
in ihrem Handeln daran, die Möglichkeitsräume der KlientInnen und Systeme zu erweitern und deren Selbst-
organisation zu fördern. Insbesondere nehmen sie Themen, die sich unter der Genderperspektive stellen, sensibel
wahr. Dabei werden einige Prämissen einer ständigen Reflexion unterzogen. Für Beratung (Therapie und Coaching)
gilt das Prinzip: so kurz wie möglich, so lang wie nötig.“

Was bedeutet das konkret für mich?

Urteile nie über einen anderen, bevor du nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gelaufen bist.

Weisheit aus Nordamerika

Nichtwissen

Als Coach kann ich nie wissen, was mein Gegenüber denkt, fühlt was er wahrnimmt und wie er das für sich
interpretiert. Das brauche ich auch nicht. Im Gegenteil, ich sollte mir immer bewusst sein, dass ich es nicht
weiß. Dadurch bin ich immer wieder aufgefordert, mich zu vergewissern, ob wir noch z.B. das gewünschte Ziel
verfolgen. Die Haltung des „Nichtwissens“ schafft eine Basis, in der ich nicht über den anderen urteile, sein
Handeln oder Nichthandeln bewerte oder deute, sondern als Information aufnehme. Im Gespräch kann der
Coach den Coachee darin unterstützen mehr Klarheit für sich zu entwickeln. Er allein entscheidet, was für ihn
wirkt, was für ihn wichtig ist und was ihn voranbringt.

Augenhöhe

Eine immer wieder neu zu erarbeitende Interaktionsebene ist ein bedingungslos achtsamer und wertschätzender
Umgang miteinander. Sehr einprägsam ist für mich das Modell der Transaktionsanalyse nach Eric Berne „ich bin
ok“ und „du bist ok“. Ich achte und wertschätze mein Gegenüber und ich achte und wertschätze auch mich. Gunter
Schmidt hat dazu gesagt „ich bin es meinem Klienten schuldig, gut für mich zu sorgen“. Ich denke, dass ich nur
dann auf Augenhöhe mit meinem Coachee arbeiten kann, wenn ich auf beide Seiten achte und mich sorgsam
darum kümmere.

Wenn das gelingt, bewegen wir uns auf einer Ebene (Augenhöhe), die klar macht, dass der Coachee, trotz seiner
aktuellen Probleme, ein vollwertiger und vollständiger Mensch ist, der alle Fähigkeiten und das nötige Hand-
werkszeug schon besitzt, um sein Leben selbstwirksam zu gestalten.

Experte meines Lebens

Die Haltung des Coachs, die davon ausgeht, dass die Lösung und die dazu benötigten Fähigkeiten allein im
Coachee liegen, ermöglicht eine Entwicklungsebene in der die Selbstwirksamkeit wachsen kann.

Ich glaube, dass gerade diese Haltung im Coaching es dem Coachee leichter möglich macht, auf die eigenen
hilfreichen Ressourcen zuzugreifen.

Als Coach „geben“ wir unserem Gegenüber keine neuen Fähigkeiten, wir können ihn dabei unterstützen, sich
der eigenen Ressourcen bewusster zu werden und sie für das anstehende Thema zu nutzen.

Der Klient erlebt dadurch seine eigene Selbstwirksamkeit, er kann eigene Stärken und Kompetenzen besser für
sich nutzen. Er ist eigenständig im Denken und Handeln, selbstverantwortlich für die Gestaltung seines Lebens.
Das macht stark und mutig und zuversichtlich, genau das, was jeder braucht um die nächsten Schritte zu gehen.

 

Aufmerksamkeit

„Man kann nicht nicht kommunizieren.“ – 

Paul Watzlawick

Ein wesentlicher Aspekt ist für mich das Zuhören. Verstehen wollen was mein Gegenüber ausdrücken möchte.
Dazu gehören nicht nur die Worte mit denen er das ausdrückt, was ihn beschäftigt, sondern auch was ich in
seiner Körpersprache wahrnehme. Nicht nur die Worte vermitteln mir Informationen, ich denke, die meisten
Informationen werden über die Körpersprache vermittelt. Sich darauf zu besinnen und immer wieder genau
zu beobachten, diese Informationen aufzugreifen und gegebenenfalls nachzufragen, gibt uns die Möglichkeit
besser zu verstehen.

Nach dem Grundsatz des Konstruktivismus ist klar, dass unsere Wahrnehmung geprägt ist durch unsere eigenen
Erfahrungen. Dadurch ergibt sich auch, worauf wir unseren Fokus richten, was wie intensiver und deutlicher
wahrnehmen. Das lässt sich nicht verhindern. Sich dessen bewusst zu sein ist schon sehr hilfreich! Es ist immer
wieder wichtig, sich selbst aufmerksam zu beobachten: „was geht in mir ab? Mit welcher Brille schaue ich auf
den Coachee und seine Geschichte? Mit welchem Ohr höre ich zu? Was wird in mir berührt?“

Wenn das gelingt, ist es möglich im Kontakt zu bleiben. So kann ich mein Gegenüber feinfühlig wahrnehmen, eine
wertungsfreie Haltung wahren und in der gemeinsamen Interaktion eine partnerschaftliche Beziehung gestalten.

Würdigung

Menschen die eine gegenwärtige Situation belastend empfinden, vielleicht sogar unerträglich, oder weil sie sich
einfach Veränderung wünschen und noch keine Idee haben, wohin sie möchten und wie sie dort hinkommen,
haben oft zuerst das Bedürfnis, von dem zu berichten, „was jetzt ist“. Sich als Coach dafür Zeit zu nehmen, dieses
noch ungelöste Erleben wachsam anzuhören und anzuerkennen, halte ich für sehr wesentlich. Einerseits bildet
das aufmerksame Zuhören die Basis für einen guten Kontakt und andererseits erfährt man so wichtige Infor-
mationen über die Fähigkeiten, Leistungen und Emotionen des Coachee und den Menschen in seinem Umfeld.
Eine hilfreiche Ausgangsbasis für alles was noch kommt!

Mit diesen kurzen Ausführungen ist die systemische Haltung noch lange nicht umfassend beschreiben. Jeder
einzelne Aspekt müsste viel genauer betrachtet werden sowie noch weitere Aspekte dazu. Das kann in dieser
kurzen Ausarbeitung nicht gelingen. Mir ist es an dieser Stelle wichtig, auf die für mich wesentliche Basis der
systemischen Beratung hinzuweisen. Ohne diese, ist jede Methode weniger wertvoll.


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*(TherapeutInnen, SupervisiorInnen, WeiterbildnerInnen, Coachs http://www.dgsf.org/dgsf/gremien/ethik-richtlinien.htm/view