Beziehungspotential entfalten

Abschlussarbeit von Frederieke Schmidt, als PDF lesen


Jetzt entfaltet doch endlich mal euer Beziehungspotential!

Was gibt es eigentlich komplizierteres als zwischenmenschliche Beziehungen?

(Und was gibt es schöneres?)

Die vielen Emotionen, Deutungen, Hoffnungen und Vermutungen. Ein Feuerwerk aus Verwirrungen, Irrungen und Einigung.

Wunderbar!

Auf dieser Spielwiese wird sich ein Coach ewig austoben können, denn nichts ist relevanter für uns Menschen als die Liebe?

Niemand kann sie völlig durchdringen und gefühlt seit Anbeginn unserer Zeit beschäftigten sich die Menschen mit den gleichen Fragen.

Aber hat schon jemand all die Antworten gefunden?

Es bleibt also spannend.

Eine glückliche Beziehung ist das Idealkonzept unserer Gesellschaft.

Wir alle wollen sie finden und ein Teil von ihr sein.

Woraus besteht Beziehung heute und was macht eine gute Beziehung aus?

Der Psychologe und Autor Michael Lukas Moeller widmet sich in seinem Werk „Die Wahrheit beginnt zu zweit: das Paar im Gespräch“ genau diesem Thema und stellt 5 Einsichten vor, die die Basis einer glücklichen Beziehung bilden.

Wie ihr merken werdet, ist die Grundeinstellung der Paare entscheidend, um in ihrer Beziehung mehr Freiheit und gleichzeitig eine stärkere Bindung zu erleben.

Diese schauen wir uns nun genauer an.

Lest fleißig, dann könnt auch ihr eine glückliche Beziehung erleben. Ihr musst es dann nur noch umsetzen.

Die 5 Einsichten auf einen Blick

1. Ich bin nicht du und weiß dich nicht

2. Wir sind zwei Gesichter einer Beziehung und sehen es nicht

3. Dass wir miteinander reden, macht uns zu Menschen

4. In Bildern statt in Begriffen sprechen

5. Ich bin für meine Gefühle selbst verantwortlich

Erste Einsicht

Wir können lernen, von der wechselseitigen Unkenntnis auszugehen statt von der gleichen Wellenlänge (Moeller, S. 166)

„Ich bin nicht du und weiß dich nicht“ (Moeller, S. 166)

Verhaltensweisen die zeigen, dass diese Einsicht noch nicht vorherrscht sind folgende:

Behaupten,

Verallgemeinern,

Unterbrechen,

Annehmen

Wir behaupten zu wissen, wer der andere ist. Wir meinen ihn zu kennen. Dies prägt den Alltag vieler Paare.

Ich forme meinen Partner zu dem Bild, das ich von ihm habe – mit ganz vielen Projektionen, Übertragungen und vielen unerfüllten Wünschen.

Wie ich ihn sehe, so ist er. (Moeller, S. 172)

Hart ausgedrückt betrüge ich mich selbst, indem ich mich in seelischer Sicherheit wiege, meinen Partner im Griff zu haben. Scheingeborgenheit könnte man auch sagen.

Moeller beschreibt dieses Phänomen als Kolonalisierung. Durch Behauptungen wollen wir uns den anderen einverleiben. Ich nehme vom anderen an, was er fühlt & denkt, anstatt nachzufragen.

Ein Missverständnis ist geboren.

Die gleiche Wellenlänge zu haben scheint ein wunderbarer Vorwand zu sein, die Konflikte unter den „Teppich des Einsseins“ (Moeller, S. 175) zu kehren und sich den Austausch zu sparen.

Wir setzen den anderen mit uns gleich.

Es erscheint aber auch erstmal mühselig und überflüssig, jedes Mal deutlich zu machen, dass ich von meinem eigenen Erleben und meiner eigene Auffassung spreche.

Müsste das nicht alles klar sein?

Ein Paar erspart sich viel Mühe & Ärger, wenn es sein Kolonialisieren aufgibt.

Vielmehr nähern wir uns dann der Wahrheit. Wir lernen, dass der andere anders ist, andere Wünsche und Erlebnisweisen hat.

(Moeller, S. 170)

Die offen ausgelegte Andersartigkeit und die unterschiedlichen Wünsche ermöglichen nicht nur einen Kompromiss, sondern auch eine Kooperation.

Das Paar kann gemeinsam handeln und die wesentlichen Bedürfnisse von beiden beachten.

Der Autor beschreibt die offene Kommunikation als Originalsprache. Übersetzungen verfälschen den Sinn.

Wir müssen die jeweilige Muttersprache des anderen hören und verstehen wollen. (vgl. Moeller S. 167–178).

Um uns kennenzulernen, müssen wir erst lernen, uns nicht zu kennen

(Moeller, S. 174)

Zweite Einsicht

Wir können lernen, unser gemeinsames unbewusstes Zusammenspiel wahrzunehmen, statt uns als zwei unabhängige Individuen aufzufassen“. (Moeller, S. 179)

„Wir sind zwei Gesichter einer Beziehung und sehen es nicht“

(Moeller, S. 179)

Durch diese Einsicht wird unsere Auffassung von Unabhängigkeit und Individualismus etwas ins Schwanken geraten.

Alles was der Partner tut, denkt und fühlt, ist nicht nur sein Verdienst, sondern auch genauso meiner.

Auf seine beste Eigenschaft und seine schlechteste wirke ich genauso mit ein, wie er. Sie sind ein unbewusstes Zusammenspiel aus unser unentwegten, tiefen Abhängigkeit.

Von dieser können wir uns laut Moeller nicht lösen.

Wer zu zweit lebt, lebt gemeinsam, ob er es will oder nicht. (Moeller, S. 183)

Dieses wechselseitige Durchdrungensein ist ein unbewusster Prozess, er bleibt in der Gegenwart meist unbemerkt.

„Das Bewusstsein hinkt immer hinterher. Es denkt, dass es denkt und wird doch gelenkt.“ (Moeller, S. 183)

Dem Unbewussten ist nichts zu verheimlichen, angefangen bei Mimik und Gestik.

„Wir leben also unbewusst in ursprünglicher Offenheit miteinander. Aber eben nicht bewusst.“

(Moeller, S. 185)

Halten wir fest, wir haben immer einen Einfluss auf das Erleben unserer Partners, so wie er auf das unsere. Nichts entsteht in einer Zweierbeziehung eigenständig, wir sind keine isolierten Wesen.

Zu aller Angst oder Freude des einen gehört immer der andere. Soweit so gut. Moeller beschreibt, wie schwierig es ist, dieser Erkenntnis anzunehmen.

„Es gilt also zu erkennen, dass ich ganz abhängig und zugleich ganz verantwortlich bin innerhalb meiner wesentlichen Beziehung.“ (Moeller, S. 197).

Wird der „Zweiereinfluss“ nicht erkannt, wirkt er natürlich trotzdem auf die Beziehung – nur ohne zu entsprechend reflektiertem Verhalten zu führen.

Moellers Rat:

Das Verflochtensein innerhalb unser Beziehung annehmen und unbewusstes Handeln somit bewusst werden lassen. Dies ist eine Entwicklung ohne Ende (vgl. Moeller S. 178–198).

Weniger philosophisch, mehr tatkräftig gehts mit der dritten Einsicht weiter.


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