Auseinandersetzung mit dem eigenen Lehrerleitbild

auf Grundlage der Ausbildung zum Systemischen Coach

Abschlussarbeit von anonym, als PDF lesen


1. Einleitung
In dieser Abschlussarbeit soll es grundsätzlich darum gehen, mein Lehrerleitbild, welches ich in der ersten
Version zu Beginn meines Referendariats erstellt und mit der Zeit immer wieder hinterfragt habe, erneut
zu reflektieren unter besonderer Berücksichtigung der aktuellen Situation: meiner Ausbildung zum
Systemischen Coach.
Die Ausbildung zum Systemischen Coach bietet eine hervorragende Möglichkeit, erneut inne zu halten, die
eigene Haltung als Lehrerin zu überdenken und einen erneuten Blick auf mein eigenes Lehrerleitbild zu
werfen.
In der Coaching Ausbildung hat man so viel Neues und Bereicherndes erfahren, sich mit sich selbst und
Systemen auseinandergesetzt, sich persönlich weiterentwickelt, sodass es sicherlich fruchtbar ist, mit der
neu erworbenen Haltung einen Blick auf mein Selbstverständnis als Lehrerin zu werfen und zu überprüfen,
inwieweit ich bereits systemische Ansätze in meinem Selbstverständnis verankert habe und an welchen
Stellen ich die systemische Haltung noch stärker integrieren kann.
Mein Ansatz macht bereits deutlich, dass diese Arbeit nicht den Standards einer wissenschaftlichen Arbeit
entspricht und auch nicht als solche verstanden werden
möchte. Es geht viel mehr um eine persönliche
Auseinandersetzung mit dem, was mich in den letzten Monaten an Input erreicht und bewegt hat, und soll
ein erster gedanklicher Versuch sein, das Thema Coaching im schulischen Bildungssystem zu betrachten
und vielleicht auch an der einen oder anderen Stelle zu etablieren.

 

2. Persönliches Lehrerleitbild

Im Folgenden stelle ich mein persönliches Lehrerleitbild vor, dass ich zu Beginn meines Referendariats
formuliert habe. Dieses Lehrerleitbild habe ich zu unterschiedlichen Zeitpunkten meiner Ausbildung und
meines Lehrerdaseins reflektiert, erweitert oder einzelne Aspekte revidiert.

2.1 Ausgangsversion

Mein Lehrerleitbild ergibt sich vor allem aus meinem persönlichen Werdegang und meiner Sozialisation.
Wichtig für mich ist, die Schülerinnen und Schüler in ihren sozialen Kompetenzen zu stärken und
diese weiterzuentwickeln. Hierbei steht an erster Stelle der gegenseitige Respekt, sowohl bezüglich
der Lehrer-Schüler-Beziehung als auch der Schüler-Schüler-Beziehung. Die Schülerinnen und Schüler
sollen die Möglichkeit erhalten, ihren Unterrichtsalltag in einer Atmosphäre zu verbringen, die einerseits
lernförderlich und motivierend ist, die andererseits aber auch von einem guten und sozialen
Miteinander
geprägt ist.
Darüber hinaus spielt m.E. der Begriff der Gerechtigkeit eine große Rolle. Alle Schülerinnen und Schüler
haben das Recht, dass ihnen dasselbe Maß an Gerechtigkeit zukommt. Oser definiert Gerechtigkeit als
ein Verteilungsprinzip für die im Unterricht immer knappen Ressourcen Liebe, Wahrheit und Zeit1. Das
bedeutet für mich und meine unterrichtliche Praxis, dass ich mich ständig reflektieren und kritisch
hinterfragen sollte, ob ich jeden Schüler und jede Schülerin gerecht bewerte und beurteile und
allen die gleichen Chancen zur Verfügung stelle. Damit alle Schülerinnen und Schüler die gleiche Chance
erhalten, sich weiter zu entwickeln, ist es notwendig, auf jeden einzelnen Schüler/ einzelne Schülerin
individuell einzugehen und diese im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu fördern und zu fordern.
Um den Schülerinnen und Schülern soziale Kompetenzen, Werte und Normen näher zu bringen, ist es
für mich unerlässlich, dabei selbst als Vorbild zu fungieren. Neben den bereits oben genannten Aspekten
kommen des Weiteren Aspekte wie Pünktlichkeit, Offenheit und Ehrlichkeit hinzu, die ich, um vor-
bildhaft zu sein, von mir selbst erwarte und einfordere, die ich im Gegenzug auch von meinen Schülerinnen
und Schüler verlange.
Die Schülerinnen und Schüler in ihren Ideen, Gedanken, Träumen und Ängsten ernst zu nehmen, unab-
hängig von der Jahrgangsstufe, und sie in eine Selbstständigkeit zu begleiten, ist für mich Grundlage
meiner unterrichtlichen Praxis.

 

2.2 Erste Reflexion

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Aussagen über mein Lehrerleitbild zu Beginn meines Referen-
dariats für mich immer noch grundlegend und richtungweisend sind. Ich durfte aber feststellen, welche
zentrale Bedeutung die Diagnose und die individuelle Förderung für meine unterrichtliche Planung und
für den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler hat. Nur auf Grundlage einer geeigneten Diagnose lässt
sich der Lernprozess der Schülerinnen und Schüler und somit zum Beispiel auch Unterrichtsreihen sinnvoll
planen und anlegen. Hieraus resultiert für mich, dass die Erhebung des Lernstandes zu Beginn einer Unter-
richtsreihe notwendig ist.

 

2.3 Zweite Reflexion

Nach weiteren unterrichtlichen Erfahrungen merke ich, dass ich zwischen der Sekundarstufe I und II
differenzieren muss und dass sich meine Aussagen bezüglich des Lehrerleitbildes hauptsächlich auf
den Unterricht in der Sekundarstufe I beziehen. Natürlich ist es auch in der Oberstufe wichtig, weiterhin
die Selbstständigkeit der Schülerinnen und Schüler zu fördern, für ein gutes Miteinander innerhalb der
Lerngruppen zu sorgen, Vorbild zu sein und Aspekte wie Pünktlichkeit, Ehrlichkeit und Offenheit einzu-
fordern. Jedoch geschieht dies in einem anderen Maß als in der Sekundarstufe II, was u.a. auf das Alter
und den Entwicklungsstand der Schülerinnen und Schüler zurückzuführen ist. Der Unterricht in der Ober-
stufe hat mir gezeigt, dass es in diesem Alter immens wichtig ist, den Schülerinnen und Schülern angesichts
der Pluralität Orientierung zu geben und sie in ihrer Identitäts- und Persönlichkeitsentwicklung zu unter-
stützen. Es geht darum, die Schülerinnen und Schüler immer wieder dazu aufzufordern, sich selbst zu
positionieren, um dadurch ihren Meinungsbildungsprozess zu unterstützen.
Diese Punkte kommen bereits ansatzweise auch im Unterricht der Sekundarstufe I zum Tragen und führen
dazu, dass eine intensive Auseinandersetzung in der Sekundarstufe II möglich ist.


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Quellen bis hierher

1Zitiert nach: Meyer, Hilbert: Was ist guter Unterricht? 6.Auflage, Berlin 2009, S. 48.