Anforderungen an virtuelles Coaching

Abschlussarbeit von Christina Blessing, als PDF lesen


Management Summary

Die Einschränkungen, die wir aktuell im Rahmen der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie erleben,
sind auch beim Coaching spürbar. Aufgrund der Kontakteinschränkungen ist ein persönlicher Aus-
tausch face-to-face aktuell schwierigumzusetzen. Daraus resultierend werden verstärkt alternative
Durchführungen angeboten wie zum Beispiel virtuelle Coachings.

Allerdings ist das Angebot des virtuellen Coachings nicht neu. Gerade in Unternehmen, die über-
regional präsent sind, wird oftmals ein „zentraler“ Coach* gesucht, der die Coaching-Gespräche
für eine Vielzahl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an verschiedenen Standorten übernimmt.
Auch bedingt durch den Kostendruck in den Unternehmen sind ein Wegfall von Reisekosten und
ein in Rechnung gestellter minimierter Zeitaufwand dabei von großer Bedeutung.

Durch eine Verstärkung der Home-Office-Tätigkeit und des online-Austauschs zur Kontaktpflege
im privaten Bereich nimmt in der gegenwärtigen Phase die Hemmung, ein virtuelles Coaching
durchzuführen, weiter ab.

Dabei gibt es allerdings einige Besonderheiten, die vor allen Dingen auf Seiten des Coaches zu
beachten sind und auf die in der folgenden Ausarbeitung tiefer eingegangen wird.

1. Einleitung

Ein sich verändernder Berufsalltag, steigende Anforderungen, der Umgang mit Kontaktbeschränkungen…
dies alles sind Gründe, die ein Coaching wichtiger als je zuvor machen. Coaching bietet Hilfe zur Selbst-
hilfe, d.h. der Coachee (Klient) entwickelt eigene Lösungen für die Gestaltung der Zukunft. Hierzu baut
der Coachee ein gewisses Vertrauensverhältnis zum Coach auf. Das Coaching am PC durchzuführen
und nicht in der Nähe des Coachs zu sein, wirkt schnell wie eine Barriere. Um diese Hürde zu minimieren,
kann der Coach einige Weichen stellen.

2. Anforderungen an das virtuelle Coaching

Die speziellen Anforderungen an das virtuelle Coaching in Abgrenzung zum Präsenz-Coaching werden in
den folgenden Punkten näher erläutert.

2.1. Kundenakquise

Sofern der Coachee auf den Coach nicht aufgrund von Mund-zu-Mund-Propaganda aufmerksam wird, ist
der gängige Weg eine Internet-Recherche. Hier gibt es unzählige Angebote. Bei einem virtuellen Coaching
kann der Coach auch überregional sein Angebot zur Verfügung stellen und damit die Reichweite erhöhen.
Bei der eigenen Homepage, einer Internetanzeige oder auf diversen Plattformen ist es entscheidend sich
von anderen abzuheben und sein Leistungsportfolio zielgruppengerecht anzubieten. Es ist dabei enorm
wichtig, die folgenden Punkte zu berücksichtigen:

• Das virtuelle Coaching sollte positiv hervorgehoben heben. Dabei sollten die Vorteile für eine
Privatperson und / oder für ein Unternehmen herausgestellt werden

• Das Leistungsspektrum des Coachings sollte dargelegt werden.

• Der Möglichkeiten und Grenzen eines Coachings sollten aufgezeigt werden.

• Der Coach sollte sich möglichst mit Foto vorstellen und seine Motivation, seinen Werdegang
und seine Coaching-Erfahrung dokumentieren. Wenn vorhanden sollte der Coach dies mit
Zertifikaten und Referenzen untermauern.

Grundsätzlich ist dabei auf eine ansprechende Bildauswahl, dezente Farben, eine gut lesbare Schrifttype,
kurze Texte und übersichtliche Seitengestaltung zu achten.

2.2. Erstgespräch

Nach einer Kontaktaufnahme per Homepage, E-Mail oder Telefon wird in der Regel ein erstes kurzes
Telefonat geführt. Hierbei wird das Anliegen des Coachees kurz erläutert. Außerdem kann sich der
Coach auch schon einmal erkundigen, welche Erfahrung der Coachee mit Coachings – insbesondere
mit virtuellen Coachings – gemacht hat und welchen Nutzen der Coachee in einem Coaching sieht.
So können bereits im Vorfeld Missverständnisse zum Coaching ausgeschlossen werden und auf
mögliche Bedenken zu virtuellen Coachings eingegangen werden.

Außerdem ist dieses Gespräch als vertrauensbildende Maßnahme zu betrachten. Hier entscheidet
sich der Coachee, ob er sich wirklich dem Coach anvertraut und den Coaching-Prozess annimmt.

 

2.2. Im Vorfeld der Coaching-Sitzungen

Es ist wichtig, Nähe zwischen dem Coach und Coachee aufzubauen. Dabei sollte also nichts Externes
ablenken. Die Konzentration des Coachees soll ganz bei der Lösung seines Problems liegen, daher
darf ihn nichts stören. Am PC ist das Blickfeld des Coachees eingeschränkt, aber es gibt dennoch
genügend Stolperfallen für eine gelungene Durchführung. Bei allen Tipps ist es allerdings entscheidend,
dass die Rahmenbedingungen authentisch zum Coach passen.

 

2.2.1. Ungestörtheit

Selbstverständlich gilt ganz besonders bei der virtuellen Durchführung der Grundsatz der Ungestörtheit.
Der Coachee möchte weder, dass sein Problem in der Öffentlichkeit besprochen wird – er wendet sich
schließlich vertrauensvoll an den Coach, noch dass er in der Problemlösung abgelenkt wird. Wenn also
nicht ein eigenes Büro abseits des Wohnbereichs für die Coaching-Sitzung zur Verfügung steht, dann
sollte darauf geachtet werden, dass es keine Ablenkung durch andere Personen oder Haustiere gibt.
Zusätzlich sind mögliche störende Geräusche zu vermeiden, die durch Hausarbeiten in Nebenräumen
wie z. B. Staubsaugen, Bohren, Klopfen, etc. entstehen. Gerade in der Sommerzeit sollte auch geschaut
werden, dass Insekten nicht in das Zimmer eindringen und damit zu einer Ablenkung führen.

 

2.2.2. Hintergrund

Der Coachee öffnet sich besser, wenn er auch ein persönliches Umfeld beim Coach wahrnimmt, von daher
sollte auf ein virtuelles Hintergrundbild verzichtet werden.

Unordnung zieht direkt den Blick des Coachees auf sich. Daher sollte der Coach im Vorfeld darauf achten,
wo sein PC steht und welches Sichtfenster er hinter sich zum Vorschein bringt.

Steht zum Beispiel ein Regal im Hintergrund sollten die Gegenstände dort geordnet sein.

Auf private Fotografien ist eher zu verzichten, da der Coachee sonst versucht ist, private Themen des Coaches
einzubringen. Ein Pflanzenbild ist unter diesem Gesichtspunkt am unverfänglichsten und wirkt beruhigend.

 

2.2.3. Beleuchtung

Gerade in den Abendstunden bedarf es einer zusätzlichen Lichtquelle. Hier sollte vor der Coaching-Sitzung
geprüft werden, ob es eine ausreichende Beleuchtung gibt, die vom Sitzplatz aus gut zu bedienen ist und
welche Auswirkung der Lichtwinkel auf das Bild hat. Es kann leicht dazu führen, dass der Coach schlecht
ausgeleuchtet wird und dadurch kaum oder stark verpixelt zu erkennen ist. Der beste Standort für die
Lampe ist hinter dem PC.

 

2.2.4. Technik – Hard- und Software

Im Vorfeld muss sich der Coach entscheiden, welche Hardware er für die Durchführung des Coachings
verwendet. Hierzu stehen etliche Varianten zur Verfügung. Je nach persönlichen Vorlieben kann er sich
für die Benutzung eines feststehenden PCs, eines Laptops, eines Tablets oder eines mobilen Telefons
entscheiden. Oftmals wird als Entscheidungskriterium die Bildgröße verwendet, denn für den Coach ist
es wichtig, dass er die Mimik und Gestik des Coachees gut erkennen kann und sich über den Zeitraum
der Coaching-Sitzung, die in der Regel zwischen 45 und 90 Minuten dauert, auf den Bildausschnitt
konzentrieren kann. Egal was er benutzt, er sollte in der Anwendung des Geräts versiert sein.

Das Gleiche gilt auch für die Software. Hierbei stehen ebenfalls unzählige Medien zur Verfügung. Bei
der Wahl der Videokonferenzplattform, z. B. Zoom, Teams, WebEx, Skype oder Jitsi Meet spielen Lizenz-
kosten, Anwenderfreundlichkeit und Umgangserfahrung von Coach und Coachee sicherlich auch eine
entscheidende Rolle. Und auch die vorhandene Internet-Bandbreite sollte in diesem Zusammenhang
überprüft werden.

Das A und O beim virtuellen Coaching ist die funktionierende Technik, egal ob es um die Hard- oder
Software geht. Also sollte stets geprüft werden, ob alles ordnungsgemäß verwendet werden kann.
Ist das Aufladekabel griffbereit? Läuft das System?

 

2.2.5. Persönliche Vorbereitung

Nicht zuletzt ist es absolut unumgänglich sich als Coach selbst auf die virtuelle Coaching-Session einzu-
lassen und persönlich vorzubereiten. Um mögliche Defizite bei der nonverbalen Kommunikation auszu-
gleichen, ist der Einsatz der Stimme besonders wichtig.

Auch Kleidung spielt eine gewisse Rolle und sollte bei aller Authentizität des Coachs analog zum Kapitel
2.2.2. Hintergrund nicht zu einer Ablenkung führen. In diesem Zusammenhang sollte noch erwähnt
werden, dass es fahrlässig ist, sich nur für den Bildausschnitt „zurecht“ zu machen. Je nach Situation
und Coachingmethode – z. B. bei der Anleitung und Begleitung der Problemlöse-gymnastik im Rahmen
des hypnosystemischen Coachings – sieht der Coachee den kompletten Körper.

Weibliche Coachs sollten auch auf das Makeup achten. Die Intensität wirkt eventuell über den Bildschirm
und durch die Beleuchtung anders.


als PDF weiterlesen


* die Begriffe Coach und Coachee werden in dieser Abschlussarbeit geschlechtsneutral verwendet