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„LIP“ – Lebensintegrationsprozess nach Wilfried Nelles

Anordnung der Lebensphasen in einer Aufstellung zum LIP (Nelles, S. 55)
Coaching LIP Aufstellung

Einleitung

Im Moment sein. Das Leben akzeptieren – wie es ist!

Diese Erkenntnis Buddhas wird auf moderne Art von Ole Nydahl (2011) in seinem Buch „Wie die Dinge sind“ vermittelt. Der Titel beschreibt den Kern des LebensIntegrationsProzesseses (LIP) von Wilfried Nelles sehr gut.

Um etwas wirklich zu verstehen, reicht es nicht immer aus, es nur rational mit dem Verstand zu bearbeiten, wie zum Beispiel ein Buch zu lesen. Erst wenn wir es emotional nachempfinden können, lassen sich komplexe Sachverhalte verinnerlichen.  Vor allem weil diese oft unbewusst in unserem System ablaufen. Genau dabei kann LIP helfen. LIP ist eine Methode, die uns unser eigenes Leben spiegelt – genauso, wie es ist.

 

Hintergrund

Ursprung des LIP ist die klassische phänomenologische Aufstellungsarbeit nach Hellinger. Auf dessen Grundlage hat Nelles eine Weiterentwicklung vorgenommen. Statt „Verstrickungen“ – wie Hellinger es nennt – aus der Vergangenheit lösen zu wollen, verweilt er im Hier und Jetzt. Er verzichtet darauf, wie in einer typischen Aufstellung im Familiensystem, etwas nachzuholen, eine Hinzubewegung, zu dem, was war, zu initiieren oder eine Lösung zu finden.

Für ihn besteht die Lösung bereits darin, die eigene Geschichte, das Leben anzuschauen und, so wie es ist, anzunehmen. Der phänomenologischen Haltung bleibt Nelles dabei insofern treu, als dass er darauf achtet, dass der Klient keine Bewertung oder Verurteilung über sein Leben vornimmt.

 

Wesentliche Unterschiede zur klassischen Aufstellungsarbeit

Während Nelles die klassische Aufstellungsarbeit weiterentwickelte, war eine der wichtigsten Erkenntnisse, dass eine positive Veränderung der Ist-Situation beim Klienten auch anders herbeigeführt werden kann. In den Aufstellungen nach Hellinger wird meist in der Vergangenheit angesetzt, um Auswirkungen auf die Gegenwart zu erzielen. Dieses Prinzip greift auch im umgekehrten Fall; also von der Gegenwart auf die Vergangenheit. Die Argumentation dahinter ist, dass der Drang einer Hinzubewegung, z. B. zum verstorbenen Vater, ein kindlicher (bzw. ein aus der Zeit stammender Drang) ist, in der der Vater verstarb. Der erwachsene Klient möchte aber an seiner Situation in der Gegenwart arbeiten, denn an der Vergangenheit kann er nichts mehr ändern.

LIP basiert dabei auf dem einfachen Prinzip des „Hinschauens“ zur Problematik. Allein dadurch entsteht Spannung, die auch einen physischen Prozess im Klienten auslösen kann (wird z. B. durch Zittern, veränderte Atmung, etc. sichtbar) und den Integrationsprozess ausmacht. Es gilt diese Spannung zu halten, im Hier und Jetzt bewusst zu sein und sein Leben und die Geschichte:

  • anzuschauen
  • zu akzeptieren
  • und anzuerkennen.

 

Die 7 Lebensphasen bzw. Bewusstseinsstufen

Diese Methodik eignet sich auch dann gut, wenn kein bestimmtes Anliegen vorhanden ist, der Klient aber das Gefühl hat, etwas liegt im Verborgenen. Anders als in einer typischen Aufstellung muss nicht unbedingt ein detailliertes Vorgespräch geführt werden. Denn sobald der Klient den Blick auf sich selbst richtet, tauchen etwaige Themen von ganz alleine auf und zeigen sich. Strukturell ist LIP in sieben Lebensphasen eingeteilt:

Entwicklung der Bewusstseinsstufen in der individuellen Entwicklung des Menschen (Nelles, S. 39)
Bewusstseinsstufen LIP

Der Klient beginnt mit der ersten Phase, dem Kind im Mutterleib und durchläuft alle weiteren, bis zur aktuellen Phase, in welcher sich der Klient momentan befindet. Darüber hinaus geht es meist nicht. Dabei steht er in jeder Phase einem Stellvertreter gegenüber. Bei LIP geht es nicht darum, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Es wird lediglich geschaut, was sich hinter jeder einzelnen Phase verbirgt – wo es Knackpunkte gab. Und der Weg durch die einzelnen Lebensphasen wird nur so weit gegangen, wie es sich richtig anfühlt, d. h. es müssen nicht alle Phasen durchlaufen werden. Der Klient und der jeweilige Stellvertreter stehen sich ca. 2 bis 3 Meter gegenüber und gehen in tiefen Blickkontakt. Viel Dialog ist dabei gar nicht notwendig. Wichtig ist eher, dass der Klient mit dem Bewusstsein in den Austausch geht, in der Gegenwart auf sein eigenes Ich der Vergangenheit zu blicken; im Jetzt und bei sich.

Nelles leitet diese Phasen aus seinem selbst entwickelten Modell der sieben Bewusstseinsstufen ab (siehe Abbildung 2). Auch als Leiter wird eine stille, eher leise Rolle eingenommen, die genauso wie der Klient, aufmerksam beobachtet und ggf. Hilfestellung dabei leistet, den Klienten im Bewusstsein der Gegenwart zu halten, auf Körperreaktionen hinzuweisen oder Lösungsansatzvorschläge anzubieten.

Köln Familien-Aufstellung

Spannungsfeld: Systemkräfte vs. Entfaltung des Bewusstseins

Der tiefe Wunsch nach Zugehörigkeit zu bestimmten Systemen, steht innerhalb der individuellen Persönlichkeitsentwicklung, in einem Spannungsfeld zueinander. Dies untersuchte Erik H. Erikson (1909-1994) bereits in seinem Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung des Menschen. Mit einem ähnlichen Grundgedanken bezeichnet auch Nelles in seinem Modell, eine krisenhafte Ablösung von einer Stufe zur nächsten, als notwendig. Beispiele dafür sind:

  1. zur Mutter à im Mutterleib
  2. zur Familie à in der Kindheit
  3. zum eigenen Ich in Abgrenzung zur Familie à Jugend / Pubertät

     

Script Aufstellungs-Ausbildung

Unsere Sozialisation prägt und lehrt uns, was richtig und was falsch, was gut und was böse ist. Wenn wir uns adäquat verhalten, bleiben wir Teil des Systems und werden akzeptiert. Konträr dazu, strebt unser Bewusstsein allerdings nach Entfaltung und Erweiterung und möchte prüfen, welche Regeln für uns als Individuum eigentlich Sinn ergeben. Bestes Beispiel hierfür ist die Stufe der Pubertät, in der wir zum ersten Mal die Regeln, Werte und Normen unseres Elternhauses in Frage stellen. Damit geht ein schlechtes Gewissen einher, unsere Eltern zu enttäuschen und damit unsere Zugehörigkeit zu riskieren. Gleichzeitig besteht darin aber auch die Möglichkeit zu wachsen, uns für „mehr“ zu öffnen und neugierig in die Welt hinaus zu gehen. Wir stehen also unter dem Einfluss zweier entgegenwirkender Kräfte. Dadurch können Krisen ausgelöst werden.

Lösung durch den LIP

LIP löst Probleme nicht, sondern er hilft dabei, zu schauen, inwiefern die Ablösung zwischen den Stufen gelungen ist – oder wo es Schwierigkeiten gab. LIP unterstützt dabei, dies nachzuholen, zurückzuschauen und zu erkennen, welche Schwierigkeiten davon abgehalten haben, das Potenzial zur damaligen Zeit zu nutzen. Durch einfaches Sehen und Erkennen lassen sich schwierige Zeiten von damals, in das heutige Leben integrieren und verborgenes Potenzial voll ausschöpfen. LIP öffnet für die unbewussten Prozesse und bietet so die Chance, die Dinge zu sehen, wie sie sind.

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Der Lebensintegrationsprozess ist fester Bestandteil des Ausbildungsgangs „Leiter für Systemische Aufstellungen“. Schauen Sie doch mal vorbei.

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