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Systemisches Coaching

Beim systemischen Coaching wird das Individuum nie alleinstehend, sondern immer als Einheit zusammen mit seinem sozialen System betrachtet. Die Beziehungen und sozialen Verflechtungen des Kunden sind bei einer systematischen Beratung von großer Bedeutung. Dieser Coaching-Ansatz geht davon aus, dass die Verhaltensweisen und Entscheidungen des Klienten in erster Linie von den Einflüssen des sozialen Systems beeinflusst werden. Aus diesem Grund wird das systemische Coaching zum Beispiel auch sehr oft in der Familienpsychologie verwendet, da familiäre Probleme immer mit Missständen in zwischenmenschlichen Beziehungen zusammenhängen. Seinen Ursprung hat das systemische Coaching in der Familientherapie. Psychotherapeuten verwenden diesen Ansatz bereits seit Jahrzehnten, um Familiendynamiken zu erkennen und in diesem sozialen System lösungsorientiert zu unterstützen. Bereits seit 2008 ist dieser Ansatz als Verfahren in der Psychotherapie wissenschaftlich anerkannt.

Geschichte und Herkunft

Was ist ein System?

Das Wort hören wir fast täglich, egal ob alleinstehend oder in einem Zusammenhang, wie das berühmte Betriebssystem zum Beispiel. Doch was ist ein System eigentlich? Um es einfach zu sagen: Ein System ist immer eine komplexe Einheit. In dieser Einheit gibt es verschiedene Elemente, die miteinander interagieren und zusammen oder gegeneinander wirken. Durch die übergeordnete Zuordnung zum System steht jedes einzelne Element in Relation zueinander.

 

Systemtheorie

Aufgrund seiner entwickelten Systemtheorie zählt der 1998 verstorbene Soziologe Niklas Luhmann heute zu den wichtigsten Persönlichkeiten der Sozialwissenschaften im 20. Jahrhundert. Mit der Systemtheorie wird eine Betrachtungsweise beschrieben, bei die Gesellschaft als Ganzes betrachtet wird. Diese Denkweise richtet sich gegen die Anschauung, nur einzelne Elemente, losgelöst aus ihrer Umgebung zu betrachten. Ein System ist demnach nicht nur eine Ansammlung von Einzelheiten. Durch die Interaktionen im System und die gegenseitigen Wechselwirkungen können sich einzelne Elemente verändern. So wird ein Mensch nach dieser Theorie immer in einem System und nie allein betrachtet. Ihre Umgebung hat einen Einfluss ihr persönliche Entwicklung, ihre Entscheidungen und Handlungen.

Systemintelligenz

Als Systemintelligenz wird die Lernfähigkeit eines Systems verstanden. Es kann sich auf neue äußere Einflüsse einstellen, Regeln neu formulieren und Ansätze überdenken und neue Schlussfolgerungen ziehen. Ein Individuum stellt sich zum Beispiel unbewusst die Frage, welche Verhaltensweisen notwendig sind, um in ein System zu passen. Jeder Mensch handelt demnach so, dass er unangenehme Situationen vermeidet. Mit zunehmender Lebensdauer sammeln Individuen mehr Erfahrung, dadurch ergeben sich Verhaltensmuster. Wenn es sich zum Beispiel als erfolgreich erwiesen hat, am Arbeitsplatz höflich zu sein, wird diese Erfahrung unweigerlich auf andere soziale Systeme übertragen. Ob wir wollen oder nicht: Es findet dabei immer ein Prozess der Anpassung statt.

Organisationsintelligenz

Organisationsintelligenz ist auch in Deutschland unter dem Begriff organizational IQ bekannt. Wie der Name bereits verrät, wird dabei nicht die Intelligenz des Individuums, sondern einer Organisation betrachtet. Was als Intelligenz definiert wird, hängt immer auch von den Zielen und Bedürfnissen einer Organisation ab. In der Regel wird bei der Organisationsintelligenz die Fähigkeit des Geistes beurteilt. Bezogen auf ein Unternehmen ergeben sich bei der Untersuchung somit zum Beispiel folgende Fragen:

Wie effizient arbeiten einzelne Abteilungen zusammen?

Werden die Ressourcen im Unternehmen optimal genutzt?

Welche Ziele wurden erreicht?

Der Begriff ist jedoch nicht auf eine Organisation im wortwörtlichen Sinne beschränkt. So werden mit der Organisationsintelligenz allgemein die Fähigkeiten und Tätigkeiten aller System betrachtet. Das können soziale Systeme sein, wie zum Beispiel die Familie oder Arbeitsumfeld, aber auch verschiedene Umweltsysteme.

Radikaler Konstruktivismus

Die zentralen Thesen des radikalen Konstruktivismus zeigen Parallelen mit dem Neurolinguistischen Programmieren auf. Radikaler Konstruktivismus gilt als ein Produkt der Erkenntnistheorie und wurde von den bereits verstorbenen Ernst von Glasersfeld und Heinz von Foerster begründet. Der radikale Konstruktivismus vertritt die Position, dass die Realität immer ein Produkt der eigenen subjektiven Empfindung ist. Die Wirklichkeit wird aufgrund ganz eigener Wahrnehmungen selbst erschaffen. Demnach ist die Art und Weise, wie Individuen ihre Umwelt wahrnehmen, niemals ein Abbild der Realität. Die Wahrnehmung ist ein Produkt der eigenen Sinne und wird immer auch von persönlichen Einstellungen und Erfahrungen beeinflusst. Vertreter dieser Position vertreten die Meinung, dass es keine objektive Wahrnehmung gibt – ohne Ausnahme. Alles, was wir im täglichen Leben wahrnehmen, ist subjektiv. Daher stammt auch der Zusatz „radikal“ – hinsichtlich dieser Annahme gibt es schlichtweg keinen Kompromiss. Ein Grundsatz dieser Theorie besteht darin, dass Kognition nicht dafür sorgt, dass das Individuum ein realistisches Abbild seiner Umwelt kreiert. Vielmehr dienen die persönlichen Denk- und Wahrnehmungsprozesse der Ordnung der eigenen Erfahrungen. 

Die Auftragsklärung beim systemischen Coaching

Die Auftragsklärung ist der erste Schritt im Beratungsprozess beim systemischen Coaching. Mit der Auftragsklärung beginnt bereits die zielgerichtete Kommunikation zwischen dem Berater und dem Auftraggeber. Dabei machen beide Seiten deutlich, wie das Dienstleistungsverhältnis aussehen soll. Neben den Rahmenbedingungen werden bei der Auftragsklärung auch Ziele und Eckpunkte des systemischen Coachings besprochen. Die zentrale Frage ist dabei: Was ist der Sinn des systemischen Coachings? Für den Berater ist dieser Schritt enorm wichtig, denn nur mit der Auftragsklärung kann er wissen, wie er das systemische Coaching möglichst effektiv gestalten kann. Die folgenden Aspekte sollten nach der Auftragsklärung zweifelsfrei geklärt sein:

Was ist das Thema?

  • Umfang und Intensität des Coachings
  • Finanzieller Rahmenvertrag
  • Einflussfaktoren im System
  • Welche Besonderheiten gibt es?
  • Welche Wirklichkeit hat der Kunde konstruiert?
  • Ursache des Beratungsfalls
  • Erwartungshaltung an den Berater
  • Ablauf des Coachings
  • Stimmt die Chemie?

Das Ende einer Auftragsklärung ist gleichzeitig der Beginn des systemischen Coachings. Um diesen Start dem Kunden deutlich zu machen, verwenden einige Berater eine Kick-Off-Veranstaltung, um Aufbruchsstimmung zu versprühen. Unterbewusst beginnt damit bereits das Coaching des Beraters, der ganz gezielt das Gefühl der Veränderung bei Kunden hervorruft.

Die Grundlagen des systemischen Coachings

Das systemische Coaching ist eine sehr komplexe Beratungsform. Zudem legt jeder Berater verschiedene Schwerpunkte in seiner Arbeit mit Kunden. Die Grundlagen des systemischen Coachings lassen sich jedoch in vier Fragestellungen festhalten:

  • Wie erzeugen Individuen im Rahmen eines sozialen Systems ihre Wirklichkeit?
  • Welche Voraussetzungen gibt es für ihre Denk- und Verhaltensweisen?
  • Was muss passieren, damit diese Voraussetzungen hinterfragt werden?
  • Wie können diese Voraussetzungen verändert werden?

·       Ablauf beim systemischen Coaching
Der genaue Ablauf beim systemischen Coaching hängt natürlich immer vom jeweiligen Berater ab und variiert daher. In den meisten Fällen läuft ein systemisches Coaching jedoch in fünf Schritten ab. Zuerst gibt es ein Vorgespräch zwischen dem Kunden und dem Berater. Ein gegenseitiges Kennenlernen ist von fundamentaler Bedeutung, denn ein Coaching ist immer auch eine sehr persönliche Angelegenheit. Selbst auf professioneller Ebene, zum Beispiel im Rahmen einer Unternehmensberatung, kommen auf dem Weg zur Erarbeitung einer Lösung immer auch die Schwächen des Individuums zum Vorschein. Von daher sollten beim systemischen Coaching beide Seiten beim ersten Aufeinandertreffen zumindest ein gutes Gefühl haben. Im zweiten Schritt wird ein Ziel definiert. Welches Ergebnis strebt die Beratung an? Neben der Beantwortung dieser Frage wird die Dauer und die Intensität des Coachings festgelegt. Der dritte Schritt ist zugleich der Wichtigste: Das Coaching beginnt, Prozesse werden untersucht und Lösungswege erarbeitet. Zwischen den einzelnen Sitzungen verteilen einige Berater immer wieder Übungen, um neue Dynamiken zu erkennen und zu sehen, ob die systemische Beratung zu ersten Erfolgen geführt hat. Nach dem Coaching, das ist zugleich der fünfte Schritt, findet eine Analyse statt und die Ergebnisse des Coachings werden diskutiert. Zudem wird geklärt, was die einzelnen Elemente in dem System tun müssen, damit der Erfolg nachhaltig ist.

Die Auftragsklärung beim systemischen Coaching

Die Auftragsklärung ist der erste Schritt im Beratungsprozess beim systemischen Coaching. Mit der Auftragsklärung beginnt bereits die zielgerichtete Kommunikation zwischen dem Berater und dem Auftraggeber. Dabei machen beide Seiten deutlich, wie das Dienstleistungsverhältnis aussehen soll. Neben den Rahmenbedingungen werden bei der Auftragsklärung auch Ziele und Eckpunkte des systemischen Coachings besprochen. Die zentrale Frage ist dabei: Was ist der Sinn des systemischen Coachings? Für den Berater ist dieser Schritt enorm wichtig, denn nur mit der Auftragsklärung kann er wissen, wie er das systemische Coaching möglichst effektiv gestalten kann. Die folgenden Aspekte sollten nach der Auftragsklärung zweifelsfrei geklärt sein:

 

  • Was ist das Thema?
  • Umfang und Intensität des Coachings
  • Finanzieller Rahmenvertrag
  • Einflussfaktoren im System
  • Welche Besonderheiten gibt es?
  • Welche Wirklichkeit hat der Kunde konstruiert?
  • Ursache des Beratungsfalls
  • Erwartungshaltung an den Berater
  • Ablauf des Coachings
  • Stimmt die Chemie?

Das Ende einer Auftragsklärung ist gleichzeitig der Beginn des systemischen Coachings. Um diesen Start dem Kunden deutlich zu machen, verwenden einige Berater eine Kick-Off-Veranstaltung, um Aufbruchsstimmung zu versprühen. Unterbewusst beginnt damit bereits das Coaching des Beraters, der ganz gezielt das Gefühl der Veränderung bei Kunden hervorruft.

Ausbildung im systemischen Coaching

Es gibt mehr als 300 verschiedene Fort- und Weiterbildungseinrichtungen in Deutschland, die eine Ausbildung im systemischen Coaching anbieten. Das liegt auch daran, dass systemisches Coaching längst Bestandteil zahlreicher verschiedener Ausbildungen ist. Egal, ob in der Ausbildung zum Sozialarbeiter oder im Rahmen einer Weiterbildung zum Business Coach: Die systemische Beratung ist ein etabliertes Modul in den verschiedenen Schulungen. Viele der Berufsbezeichnungen im Bereich Coaching sind jedoch ungeschützt. Daher sollten Sie bei einer Ausbildung darauf achten, dass sie eine professionelle und anerkannte Schulung erhalten. Ein gute und vollständige Ausbildung im systemischen Coaching kann bis zu zwei Jahre in Anspruch nehmen. Eine gute Empfehlung ist zum Beispiel die Coaching Ausbildung in Köln bei InKonstellation. Dort erhalten Sie eine berufsbegleitende Ausbildung zum systemischen Coach und vieles mehr. Oft bemängeln Kritiker, dass beim systemischen Coaching die wissenschaftliche Grundlage fehlt. Mit Timo Schlage und seinem Team haben Sie Fachexperten, die jede Grundlage und jeden Hintergrund kennen. Das Angebot richtet sich vor allem an Manager, Abteilungsleiter und Chefs, die mithilfe des systemischen Coachings ihre Führungsqualitäten verbessern wollen. Außerdem an Coaches, die ihr Portfolio erweitern wollen. Neben der Ausbildung spielen jedoch vor allem die Selbstvermarktung und Souveränität eine große Rolle für den Erfolg als Coach. 

Methoden des Systemischen Coachings

Neben einer soliden Auftragsklärung und der Klärung der Rahmenbedingungen zählt die Methodenauswahl zu den wichtigsten Schritten zu Beginn einer Beratung. Im systemischen Coaching gibt es große Auswahl vorhandener Methoden, die ein Berater anwenden kann. Nachfolgend stellen wir Ihnen die fünf bekanntesten Methoden etwas genauer vor.

1.     Fragetechniken

Es mag erst einmal seltsam erscheinen, Fragetechniken als Methode zu bezeichnen. Immerhin gehören effiziente Fragen zu jeder guten Beratung dazu. Da es jedoch sehr viele verschiedene Fragetechniken gibt, ist die Auswahl der richtigen Fragearten eine wichtige Aufgabe des Beraters. Als sehr effektive Methode hat sich die Wunderfrage erwiesen. Wenn ein Problem besonders tief sitzt und es so aussieht, dass eine Lösung noch in weiter Ferne ist, kann diese Frageart wahre Wunder bewirken. Mit dieser Frage wird der Klient in die Situation versetzt, die er sich wünscht. Es wird ihm verdeutlicht. was er in seinem Leben will und er kann für sich selbst visualisieren, was er erreichen will. Bei der Wunderfrage wird der Klient in eine für ihn entspannte Situation versetzt. Fragen können zum Beispiel sein:

Wie würde ihr Leben aussehen, wenn dieses Problem nicht da wäre?
Was möchten Sie erreichen?

Wie würden sich die Menschen in ihrem Leben verhalten, wenn eine Veränderung stattfindet?

2.     Systemische Aufstellungsarbeit

Bei dieser Methode wird der Kunde dazu gezwungen, seine Wahrnehmung bezüglich der Menschen in seiner Umgebung und der vorhandenen Problem symbolisch darzustellen. Das ist kein Rollenspiel, vielmehr werden somit auf einfache Art und Weise, vorherrschende Dynamiken in einer Gruppe offenbart. Diese Methode wird oft auch in der Familientherapie verwendet.

 Empowerment

Wenn ein Kunde vor allem im Bereich Persönlichkeitsentwicklung Hilfe benötigt, wird im systemischen Coaching gern Empowerment als Methode angewendet. Bei diesem Tool geht es vor allem darum, den Kunden bei seiner autonomen Lebensgestaltung zu unterstützen. Er wird ermutigt, seine Fähigkeiten zu nutzen und eigenen Ressourcen auszuschöpfen. Diese Methode hat sich besonders dann als wirksam erwiesen, wenn sich der Kunde macht- und hilflos fühlt. Bei dieser Methode führt der Berater den Coachee durch mehrere Stufen, die verschiedene Fragen beinhalten. Zunächst wird der Kunde an seine eigenen Fähigkeiten erinnert. Anschließend werden die Einstellungen erörtert, die vorherrschen würden, wenn der Kunde seine Ziel erreicht hat. Allein durch diese zwei Schritte wird der Kunde in einem positiven Ist-Zustand versetzt. Nach einer Befragung bezüglich der Werte des Kunden wird die Identität des Individuums näher beleuchtet. Eine typische Frage lautet zum Beispiel: Wer sind Sie, wenn Sie ihr Ziel erreicht haben? Um einen Zusammenhang zum System herzustellen, bezieht der Coach anschließend andere Menschen mit ein. Welche Menschen in ihrem Umfeld bereits jetzt das Verhalten, das Sie sich wünschen? Abschließend rückt das große Ganze in den Fokus und der Kunde soll sagen, welche Botschaft das Erreichen des Ziels für andere Menschen hätte. Dieses mehrstufige Verfahren sorgt dafür, dass sich der Kunde auf allen Ebenen seine eigenen Stärken in Erinnerung ruft. Der Berater greift dabei lediglich unterstützend ein.

 

4.     Reframing

Reframing wird auch beim NLP verwendet und versetzt den Kunden in die Lage, eine andere Sichtweise einzunehmen. Der Kunde erhält eine neue Wahrnehmung, betrachtet Dinge anderes und aus einem neuen Blickwinkel. Die Denk- und Verhaltensweise wird, daher der Name dieser Methode, in einen neuen Bezugsrahmen gesetzt. Der Kontext verändert sich und das bis dato unangemessene Verhalten erscheint in Bezug auf eine andere Situation auf einmal als angemessen.

5.     Maikäfer-Methode

Zwischenmenschliche Probleme entstehen oft dadurch, dass die Wahrnehmung des Einzelnen nicht der Realität entspricht. Die Vermutung, die andere Person legt diese oder jene Erwartung an den Tag, sorgt für eine verzerrte Wahrnehmung. Auch bei dieser Methode greift der Berater nur unterstützend ein, die Arbeit müssen die beteiligten Personen selbst leisten. Der Ablauf: Die zwei Personen setzen sich gegenüber und beantworten abwechselnd folgende Fragen:

Ich nehme an, du denkst, ich habe folgendes Bild von dir:....

Ich glaube zu wissen, was du in mir siehst, nämlich....
Was ich wirklich über dich denke, ist, dass....

 

Diese Methode kann nur dann erfolgreich sein, wenn sich beide Personen vertrauen und dieser Möglichkeit offen gegenüberstehen.

Tools im systemischen Coaching

Kommunikation ist auch bei der systemischen Beratung das wichtigste Werkzeug eines Coaches. Es ist jedoch wichtig, während des Beratungsprozesses auch andere Sinnesreize anzusprechen. Vor allem die Visualisierung hilft enorm, wenn es darum geht, neue Sichtweisen und Ideen zu entwickeln. Für eine solche Abwechslung sorgen vor allem zahlreiche Tools im systemischen Coaching. Gern verwendet wird das Systembrett. Mithilfe von Figuren werden die Klienten gebeten, auf diesem Brett die Dynamiken innerhalb einer Gruppe darzustellen. Daraus kann der Coach relativ schnell Systemkonstellationen ableiten. Eine andere Darstellungsmöglichkeit von Beziehungen innerhalb eines Systems bieten einfache Stofftiere. Mit den Microtieren kann ganz einfach dargestellt werden, wie einzelne Personen ihre Rolle in der Gruppe sehen. Auch Bildkarten zur visuellen Anregung neuer Ideen sowie Story Cubes sind bei Beratern und Coaches gleichermaßen beliebt. Die kleinen Geschichtswürfel enthalten Zeichnungen auf allen Seiten und erzählen Geschichten, die den Klienten zum Nachdenken anregen sollen.

Weitere Tools sind:

·       Individuelle Beratungskarten

·       Blu-Board: Dimensionsspiel zur Verdeutlichung von Systemkonstellationen

·       Mimurfel: Würfel mit verschiedenen Mimik-Skizzen

·       Spielsteine

·       Miniatur-Verkehrszeichen

·       Zitate-Boxen

Das Lebensrad als Coaching-Tool

Ein Coaching ist immer dann besonders erfolgreich, wenn beim Kunden mehrere Sinneskanäle angesprochen werden. Vor allem beim systemischen Coaching wird viel gesprochen. Bestimmte Coaching-Tools, die Inhalte visualisieren, sorgen nicht nur für Abwechslung, sondern können auch neue Ideen und Wege auszeigen. Ein gern verwendetes Werkzeug im systemischen Coaching ist das Lebensrad. Es dient dazu, dem Klienten vor Augen zu halten, wo er aktuell im Leben steht. Für den Coach kann das Lebensrad sehr hilfreich sein, um die Ausgangslage des Kunden besser zu verstehen und das soziale System komplett zu erfassen.

Beim Lebensrad wird der Coachee gebeten, relevante Lebensbereich zu nennen und aufzuschreiben. Das können zum Beispiel Familie, Freunde, Job und zahlreiche andere wichtige soziale Gruppen im Leben sein. Ein Hobby oder die persönliche Weiterbildung sind jedoch ebenfalls legitime Lebensbereiche. Es gibt keine inhaltliche Begrenzung. Alles, was den Klienten in seinem Leben beschäftigt und wichtig erscheint, wird aufgeschrieben. Nun zeichnet der Klient einen Kreis und unterteilt ihn aufgrund seiner zum Beispiel zuvor genannten zehn Lebensbereiche ebenfalls in zehn Teile. Die daraus resultierenden Linien ergeben von der Kreismitte bis zum Rand eine Skala von 1 bis 10. Nun muss der Kunde zu jedem Lebensbereich sagen, wie zufrieden er damit aktuell ist. Wenn der Kunde zum Beispiel im Job nur mittelmäßig zufrieden ist, macht er in der Mitte der Linie einen Punkt. Wenn er alle Lebensbereiche im Rahmen der Skala bewertet hat, werden die dabei entstandenen Punkte miteinander verbunden. Nun soll der Kunde einen Schritt zurücktreten und sagen, was er angesichts der geometrischen Form denkt. Oft wird den Klienten erst dann bewusst, dass Ihnen die Balance in ihrem Leben fehlt, da es in eigenen Bereichen sehr gut und in anderen gar nicht gut läuft. Der Coach kann nun unterstützend folgende Fragen stellen:

In welchem Bereich würden Sie gern besonders schnell etwas ändern?
Warum haben Sie in diesem Bereich nur eine 2 eingezeichnet bzw. was fehlt Ihnen, um zufriedener zu sein?
Wie fühlen Sie sich, wenn Sie auf das Lebensrad schauen?

Ausgehend von dem Lebensrad ergeben sich oft neue Perspektiven und Wege für den Klienten. Die Visualisierung kann sehr hilfreich sein, wenn es darum geht, alte Sichtweisen beiseite zu schieben.

 

Typische Fragetechniken beim systemischen Coaching

Jeder gute Berater, der das systemische Coaching anwendet, beherrscht die wichtigsten Fragetechniken. Systemische Fragen sind ein wichtiger Bestandteil der Beratung und gelten als sehr wirkungsvolle Werkzeuge, um einem Problem auf die Spur zu kommen und mit dem Kunden zusammen eine Lösung zu finden. Gleichzeitig dient ein gut ausgearbeiteter Fragenkatalog auch immer dazu, den Blick des Klienten zu ändern und das Problem aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Es gibt zahlreiche Fragetypen in der systemischen Beratung. Zumindest die folgenden sechs Fragetypen sollte jeder Berater beherrschen.

1.     Zirkuläre Fragen

Bei diesem Fragetypen wird ihr Klient dazu gezwungen, sich in die Situation einer anderen beteiligten Person zu versetzen. Empathie wird dadurch ganz bewusst geschaffen und ist für das Ergebnis des systemischen Coachings von zentraler Bedeutung, da immer das Zusammenspiel vieler Faktoren für Probleme verantwortlich sind. Der Berater fragt daher den Kunden, was die andere Person bezüglich einer Situation denken oder fühlen könnte.

Beispiele:

Wie denken Sie, fühlen sich ihre Kinder, während Sie und ihr Partner streiten?

Was glauben Sie, erwartet ihr Freund von Ihnen in dieser Situation?

Wie würde ihr Kollege in dieser Situation reagieren?

Wie würde sich ihr Kunde verhalten, wenn Sie ihm ein neues Konzept vorlegen?

2.     Zentralfrage

Der Name dieses Fragetypen verrät bereits ihre Bedeutung: Die Zentralfrage ist sowohl für den Berater als auch für den Kunden von großer Bedeutung. Der Coach fragt den Berater zu Beginn der Zusammenarbeit zum Beispiel:
Was wird sich für Sie nach dem systemischen Coaching ändern?
Welche Veränderungen möchtest du mit der Beratung erreichen?

Es ist ganz wichtig, dass der Berater weiß, welches Ziel der Kunde mit der Beratung verfolgt.

3.     Bewältigungsfragen

Bewältigungsfragen erzeugen Selbstvertrauen beim Klienten. Sie verdeutlichen ihm, welche Hürden er bereits überwunden hat, um das Problem zu lösen. Sie sorgen auch dafür, dass sich der Kunde seine eigenen Fähigkeiten wieder vor Augen führt.  

Beispiel: Was hast du bisher geleistet, um das Problem zu lösen?

4.     Skalierungsfragen

Um Informationen zu erhalten, die in der Realität nur schwer messbar sind, setzt der Berater beim systemischen Coaching Skalierungsfragen ein. Diese Fragetyp kommt vor allem dann zur Anwendung, wenn es um subjektive Gefühlslagen geht. Der Berater stellt eine Frage und bittet seinen Kunden, einen Wert auf einer Skala von 1 bis 10 zu nennen. Dabei steht die 1 für die schwächste und die 10 für die stärkste Ausprägung.

Beispiel: Auf einer Skala von 1 bis 10, wie stark ist ihre Motivation jeden Morgen, wenn Sie das Büro betreten?

5.     Hypothetische Fragen

Um einen neuen Blickwinkel zu erhalten und neue Ideen zu entwickeln, setzt der Berater im Laufe des Coachings mit großer Wahrscheinlichkeit auch hypothetische Fragen ein. Diese „Was wäre, wenn...“-Fragen regen zum Nachdenken an und veranschaulichen oft auch, was in der Vergangenheit im Umfeld des Betroffenen gefehlt hat. Gleichzeitig hat der Kunde somit die Chance, die Folgen einer möglichen Lösung bereits abzuschätzen. Er kann abwägen, welche Konsequenzen bestimmte neue Verhaltensweisen nach sich ziehen werden und erkennt, ob dieser Weg überhaupt realistisch ist.

6.     Paradoxe Fragen (Verschlimmerung)

Wenn das Problem besonders tief sitzt und die Lage erst einmal aussichtslos erscheint, können provozierende Fragen hilfreich sein. Diese sogenannten paradoxen Fragen erscheinen auf den ersten Blick erst einmal kontraproduktiv, können jedoch ganz neue Wege und Ideen aufzeigen. Der Kunde sieht zudem, dass die Situation noch schlimmer sein könnte und bewertet seine eigene Lag unter Umständen neu. Viele Berater kündigen Verschlimmerungsfragen vorher an, um Irritationen zu vermeiden.
Beispiel: Was müssten Sie tun, um eine sofortige Kündigung zu erhalten?

Fallbeispiel zum systemischen Coaching

Jeder Berater verwendet beim systemischen Coaching prinzipiell die gleichen Methoden. Nachdem geklärt wurde, an welche Regeln sich die Akteure in ihrem Umfeld halten müssen und wo das Hauptproblem leitet, führt der Berater Gespräche mit allen Beteiligten. Anschließend werden Stellvertreter verwendet, um den Personen die gegenwärtige Situation zu verdeutlichen und die Lösung direkt vor Augen zu führen. Ein Beispiel:

Sven hat gerade ein neues Start-Up gegründet und vermarktet die Räume privater Personen über das Internet als Event-Räume. Interessierte können die Räume mieten, bezahlen dabei direkt an die Privatperson und Svens Firma übernimmt den organisatorischen Rahmen. Im Gegenzug erhält seine Firma eine Provision für die erfolgreiche Vermittlung. Bereits seit vielen Jahren träumt Sven davon, sich selbstständig zu machen. Er brennt für seine Idee und hat eine klare Vision vor Augen. Zahlreiche Stunden und Nächte hat er damit verbracht, seine Webseite aufzubauen und erste Kunden zu gewinnen. Die Arbeit zahlt sich aus, das Start-Up kann bereits sehenswerte Umsätze verzeichnen. Nach vier Monaten beschließt Sven, neue Mitarbeiter einzustellen, um sein Business noch weiter voranzubringen. Die anfängliche Euphorie über diesen nächsten Schritt ist jedoch schnell verflogen, da er mit seinen Mitarbeitern überhaupt nicht zufrieden ist. Sie verstehen seine Vision nicht, erfüllen ihre Aufgaben nicht zufriedenstellend und auch die Kunden beschweren sich. Es ist jedoch nicht so, dass nur einer der vier neuen Kollegen enttäuscht. Sven ist mit keinem seiner Mitarbeiter zufrieden. Das Problem ist also tiefgründiger und muss im gesamten System betrachtet werden. Nachdem der Berater sich ein genaueres Bild von den Umständen machen konnte, bittet er Sven, für sich, jeden einzelnen Mitarbeiter und sein Ziel einen Stellvertreter im Raum zu platzieren.

Das Ergebnis: Sven platziert das Unternehmensziel direkt neben sich und ihm gegenüber stehen seine Mitarbeiter, die ihn anblicken. Erst dahinter stehen die Kunden und nur Sven hat den Blick auf sie und das Ziel. Seine Mitarbeiter hingegen schauen einander an oder am Ziel vorbei. Der Berater fragt nun jeden Einzelnen, wie er sich in seiner Rolle fühlt. Sven hat das Gefühl, seine Mitarbeiter blockieren den Weg zu den Kunden und hindern das Unternehmen damit daran, die gesteckten Ziele zu erreichen. Die Mitarbeiter hingegen sagen alle, dass das gegenseitige Vertrauen fehle und sie sich vor allem als Konkurrenten sehen. Der Blick auf Svens Vision bleibt Ihnen versperrt und sie verstehen ihren Chef nicht. Anschließend bittet der Berater alle beteiligten Personen, eine Rolle einzunehmen, mit der sie sich wohler fühlen. Die MNeben einer soliden Auftragsklärung und der Klärung der Rahmenbedingungen zählt die Methodenauswahl zu den wichtigsten Schritten zu Beginn einer Beratung. Im systemischen Coaching gibt es große Auswahl vorhandener Methoden, die ein Berater anwenden kann. Nachfolgend stellen wir Ihnen die fünf bekanntesten Methoden etwas genauer vor.

Systemisches Coaching und Varianten

Systemisches Coaching und Business Coaching

In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche neue Coaching-Angebote entwickelt. Immer mehr geht der Trend dahin, dass Coaching-Angebote ganz gezielt in einzelne Nischen vordringen und sehr spezielle Themenfelder behandeln. So gibt es zum Beispiel das systemische Coaching und das Business Coaching. Der zentrale Unterschied zwischen diesen beiden Angeboten liegt in der Ausrichtung und damit in der Arbeitsweise des jeweiligen Beraters. Beim systemischen Coaching wird das Individuum immer im Zusammenhang mit seinen Beziehungen im System betrachtet. Der Mensch wird nie als einzelnes Element analysiert, sondern seine Beziehungen im sozialen System spielen eine entscheidende Rolle. Zudem ist das systemische Coaching auf viele Bereich anwendbar. Es wird im professionellen Umfeld der Unternehmensberatung ebenso verwendet wie in der Psychologie. Vor allem bei familiären Problemen, die häufig ihre Ursache im Bereich der zwischenmenschlichen Beziehungen haben, wird das systemische Coaching oft angewendet.

Wie der Name bereits verrät, beschränkt sich das Business Coaching auf den Arbeitsbereich. Berufliche Themen sowie die persönliche Karriere-Weiterentwicklung stehen im Vordergrund. Ein zentraler Unterschied zum systemischen Coaching ist die Betrachtungsweise. Beim Business Coaching steht nämlich das Individuum sowie dessen Fähigkeiten, Verhaltensweisen und Erfahrungen im Vordergrund. Es werden nicht primär die Beziehungen des Klienten in den Fokus gerückt, sondern die Persönlichkeitsentwicklung im Arbeitsumfeld steht an erster Stelle. Beim Business Coaching geht der Berater explizit auf die Stärken und Schwächen seines Kunden ein, erörtert den Ist-Zustand sowie die Erwartungen an die Zukunft. Gemeinsam werden dann Lösungswege erarbeitet, damit der Kunde seine berufliche Erfüllung findet.

NLP und systemisches Coaching
Erst seit kurzem wird systemisches Coaching und NLP zusammen angewendet. Viele NLP Trainer setzen ihre Ausbildung fort, indem sie sich zum systemischen Coach weiterbilden lassen. Wenn beide Beratungsformen miteinander kombiniert werden, verbinden Berater das systemische Coaching mit der Grundhaltung des NLP, um Lösungen zu finden. Zahlreiche Berater in Deutschland kombinieren diese beiden Formen bereits sehr erfolgreich. Durch die Addition der systemischen Beratung wird bei den Methoden des NLP nicht mehr nur die Denkweise des Individuums untersucht, sondern das ganze soziale System des Betroffenen betrachtet.

Unterschied zwischen NLP und dem systemischen Coaching

NLP und systemisches Coaching besitzen viele Gemeinsamkeiten. Sowohl für das NLP-Modell als auch für das systemische Coaching ist die Wahrnehmung der beteiligten von entscheidender Bedeutung und der Ansatz ist immer lösungsorientiert. Der große Unterschied zwischen beiden Bereichen liegt jedoch in ihrem jeweiligen Handlungsspielraum. NLP kann jeder zu jedem Zeitpunkt anwenden, da es sich um ein generelles Kommunikationsmodell handelt. NLP kann also in jedem Kontext verwendet werden. Systemisches Coaching ist nur im Rahmen eines Coaching-Auftrages möglich. Wenn es keinen Kunden gibt, der einen Berater engagiert, gibt es schlichtweg kein Coaching. Die Grundsätze des NLP hingegen kann jede Person anwenden – mit oder ohne Coaching-Auftrag.

Systemisches Coaching mit Pferden
Pferde sind sehr sensible Tiere, die nur in der Herde überleben. Sie brauchen das soziale System in der Herde und ordnen sich unter. Pferde sind sehr feinfühlig und daher ein idealer Partner beim systemischen Coaching. Die Reaktionen eines Pferdes zeigen sehr deutlich, wenn es Missstände bei der inneren Einstellung und Haltung seines menschlichen Partners gibt. Die Kunden interagieren mit dem Pferd und schildern diese Erlebnisse anschließend mithilfe der Selbstreflexion gegenüber ihrem Berater. Daraus ergeben sich oft neue Sichtweisen und Ideen, woraus wiederrum andere Verhaltensweisen entstehen können. Die schwierigste Aufgabe besteht dann darin, diese neuen Erkenntnisse auf andere Bereiche im Alltag zu übertragen. Das systemische Coaching mit Pferden wird auch in der Unternehmensberatung, im Business Coaching und im Bereich Persönlichkeitsentwicklung eingesetzt.

Hypnosystemisches Coaching
Beim hypnosystemischen Coaching wird die Hypnotherapie mit der Systemtherapie verknüpft. Dieses lösungsorientierte Modell geht davon aus, dass Probleme nur deshalb entstehen, weil die Wahrnehmung verengt ist. Der Klient ist auf das Problem fokussiert und kann deshalb keine neuen Denkweisen entwickeln. Der Berater nimmt sich Zeit, das Problem und die damit verbundenen Gefühl des Klienten zu würdigen. Anschließend stehen die natürlichen Tranceprozesse des Individuums im Vordergrund. Sie werden nicht nur erkannt, sondern auch gezielt verstärkt, um der Lösung einen Schritt näher zu kommen.

Systemische Organisationsberatung
Für Unternehmensberater und auch Psychologen gehört die systemische Organisationsberatung zum Arbeitsalltag. Sie beschreibt einen Beratungsansatz, bei dem – einfach ausgedrückt – immer das große Ganze im Rahmen einer Problemstellung betrachtet wird. Einzelne Elemente isoliert zu betrachten, steht konträr zu diesem Ansatz und gilt als destruktiv. Die Beratung verfolgt das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe und versucht die Fähigkeiten der Organisation zu stärken. In der Psychologie wird dieser Ansatz oft bei der Familienberatung eingesetzt. Dabei greift der Therapeut unterstützend ein, versucht auf Schwachstellen aufmerksam zu machen, unterbreitet jedoch selbst keinen Lösungsvorschlag. Die systemische Organisationsberatung sieht es als weitaus effizienter an, Hilfestellung bei der Erarbeitung von Lösungen zu leisten. Coaching und gezielte Fragestellungen sind die zentralen Elemente dieser Beratungsform. Wenn es in einem Unternehmen ein schwerwiegendes Problem gibt, ist das Gleichgewicht aus den Fugen geraten. Ein Berater versucht immer, dieses Gleichgewicht und die Ordnung wiederherzustellen.

Der Berater verschafft sich zunächst einen Überblick zu den vorhandenen Regeln in der Organisation. Dieses Hintergrundwissen ist wichtig, da Regeln immer auch die Verhaltensweisen eines Individuums in einem System beeinflussen. Bei einem Unternehmen wird daher zunächst über die vorherrschende Hierarchie sowie die Aufgaben und Ziele gesprochen, um bestimmte Dynamiken besser zu verstehen. Wenn ein Streitgespräch entsteht, nachdem die beteiligten Personen ihre Sichtweisen geschildert haben, greift der Berater nur mit unterstützendem Coaching ein. Als besonders wirkungsvoll bei der systematischen Beratung haben sich spezielle Fragestellungen herausgestellt, die das Problem immer wieder in das Zentrum stellen und damit zur Lösungsfindung beitragen.

Kieler Beratungsmodell
Bereits in den 1980er Jahren wurde das Kieler Beratungsmodell entwickelt. Der lösungsorientierte Ansatz sollte dazu dienen, daher der Name, unter Berücksichtigung psychischer Aspekte die Leistung der Handballer des THW Kiel zu steigern. Schnell zeigt sich jedoch, dass das Modell nicht nur für Sportler, sondern auch für Führungskräfte sehr hilfreich ist. Der Fokus liegt auf den individuellen Fähigkeiten einer Person, die in Form einer Beratung herausgestellt werden. Die Hilfe zur Selbsthilfe ist ein zentraler Aspekt, ebenso wie die Herausstellung der einzelnen Person als Entscheidungsträger und die daraus resultierenden Lösungsoptionen. Bei einem Beratungsgespräch mit dem Kunden gibt es in der Regel zusätzlich ein beobachtendes Team, das das Gespräch verfolgt. Beide Coaching-Teams tauschen sich anschließend aus, decken Defizite auf und versuchen dann gemeinsam mit dem Kunden, Lösungen zu finden. 

 

Systemische Aufstellungen und variabler Praxisbezug

Auch wenn es beim systemischen Coaching viele verschiedene Ansätze gibt, haben sie jedoch alle die folgenden Punkte gemeinsam:

·       Das Problem eines Menschen muss immer im Zusammenhang mit dem sozialen System betrachtet werden, in dem es sich befindet.

·       Das systemische Coaching stellt die Suche nach einer Lösung in den Mittelpunkt und konzentriert sich nicht auf das Problem, das demnach nur ein Symptom ist.

·       Jedes menschliche Verhalten, egal wie abnormal es auch erscheinen mag, ergibt innerhalb des sozialen Systems Sinn.

Familienaufstellung
Wenn spezielle Verbindungen innerhalb einer Familie gestört sind, könne mitunter große Probleme im zwischenmenschlichen Bereich auftreten. Eine Möglichkeit, die Sichtweise der betroffenen Familienmitglieder zu ändern und eine Lösung zu finden, ist die Familienaufstellung. Sie zählt vor allem in der Familientherapie zu den wirkungsvollsten Methoden, um alte Verhaltensmuster aufzubrechen und neue Denkweisen zu entwickeln. Die Person mit dem Problem wird dabei zunächst vom Berater über den Hintergrund und den Kontext des Problems befragt. Nachdem der systemische Coach ein grobes Bild von der Problematik erhalten hat. Im nächsten Schritt platziert der Kunde Stellvertreter für die einzelnen Familienangehörigen intuitiv im Raum und gibt damit auch seine subjektive Wahrnehmung preis. Anschließend befragt der Coach die Stellvertreter, wie sie sich in ihrer Rolle fühlen. Die Antworten ähneln sich in den meisten Fällen sehr stark mit der Gefühlslage der echten betroffenen Personen. Der Kunde erhält auf diese Art und Weise eine ganz neue Sichtweise auf die Problematik.

Problemaufstellung
Die Problemaufstellung ist eine lösungsorientierte Methode im systemischen Coaching. Mithilfe der Aufstellung muss sich der Kunde intensiv mit seinem Problem auseinandersetzen und es gegenüber dem Berater schildern. Die Auseinandersetzung mit den vielen einzelnen Elemente des Problems trägt oft bereits zur Lösung desselbigen bei. Bei der Problemaufstellung werden folgende Aspekte genauer beleuchtet:

Fokus, Ziel, Hindernisse, Ressourcen. Gewinn und zukünftige Aufgabe.

Unter dem Gewinn ist meistens die Hauptloyalität verborgen. Dieser Gewinn wird als Preis verstanden, den Sie zahlen müssen, um zur Lösung zu gelangen.

Organisationsaufstellung und systemisches Coaching
Wenn es in einer Abteilung eines Unternehmens Probleme untereinander gibt, kann die Organisationsaufstellung im Rahmen des systemischen Coachings sehr wirkungsvoll sein. Probleme in einem Organisationssystem sind immer auf eine missglückte Kommunikation zwischen den einzelnen Individuen zurückzuführen. Bei dieser Methode werden zunächst für alle Personen in dem System Stellvertreter ausgewählt. Anschließend offenbart der Kunde oder in diesem Fall höchstwahrscheinlich der Abteilungsleiter seine eigene Wahrnehmung. Er wird gebeten, die Stellvertreter gemäß seiner eigenen Empfindung im Raum aufzustellen. Die subjektive Wahrnehmung der einzelnen Beziehungen offenbart die Dynamiken innerhalb des Systems und wird als Erstbild bezeichnet. Anschließend werden alle Mitglieder in der Gruppe gebeten, zu beschreiben, wie sie sich in ihrer Rolle fühlen. Im letzten Schritt werden die beteiligten Personen gebeten, ihre Stellvertreter so hinzustellen, dass sie sich in ihrer Position wohlfühlen. Dieser Prozess kann viel Zeit in Anspruch nehmen, jedoch hat sich diese Methode im systemischen Coaching als sehr wirksam erwiesen.

Die Grenzen des Systemischen Coaching

Die Grenzen des systemischen Coachings sind gleichzeitig auch seine Stärken. Klingt paradox? Ganz im Gegenteil. Das systemische Coaching ist darauf ausgelegt, dem Klienten Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten. Der Berater sorgt dafür, dass der Klient seinen eigenen Weg hin zur Lösung findet. Eine Grundannahme dieser Beratungsform ist die Tatsache, dass nur der betroffene Mensch selbst eine Lösung für das Problem finden kann. Genau diese Stärke des systemischen Coachings ist gleichzeitig auch seine Grenze. Beim systemischen Coaching erhält der Klient keine Ratschläge, in die ein oder andere Richtung zu gehen. Eine mögliche Lösung wird auch nicht suggeriert. Der Berater geht demnach nie in ein Coaching und denkt, er kenne die Lösung für das Problem. Vielmehr begeben sich Coach und Klient zusammen auf eine Reise, erörtern Stärken und Schwächen, entwickeln neue Ideen und erhalten somit Sichtweisen.

Eine andere Grenze kann dann aufkommen, wenn die Chemie zwischen dem  Berater und Klienten nicht stimmt. Wenn Sie bereits im Vorgespräch merken, dass der Kunde sich nicht öffnet und es keine gemeinsame Basis für eine gute Zusammenarbeit gibt, sollten Sie diesen Umstand als seriöser Berater gleich ansprechen. Es nutzt Ihnen nichts, zwar am Ende ihr Geld zu erhalten, jedoch einen unzufriedenen Kunden zurückzulassen, der ihrem Ansehen mit Sicherheit nicht gut zu Gesicht steht.

Kritik am systemischen Coaching
Jeder Berufszweig hat immer auch mit Vorurteilen und Kritik zu kämpfen. Das gilt vor allem für Berufe, die namentlich nicht geschützt sind. Soll heißen: Jeder Mensch, egal welche Ausbildung er genossen hat, kann sich Coach nennen und damit systemisches Coaching anbieten. Daher wird oft der Verdacht laut, bei systemischen Beratern handele es sich um Menschen, die schlichtweg Geld machen wollen. Das ist natürlich Quatsch, denn die seriösen Berater haben durchaus eindeutige Erkennungsmerkmale. Sie besitzen nicht nur anerkannte Zertifikate, sondern auch eine gute und starke Reputation. Renommierte Berater können auf zahlreiche Referenzen in Form von Unternehmen und zufriedenen Kunden zurückblicken.

Oft wird der Erfolg des systemischen Coachings auch aufgrund der vermeintlich fehlenden Wissenschaft dahinter angezweifelt. Es gebe keine Belege dafür, dass ausgerechnet die Methoden des systematischen Coachings für die Erfolge des Beraters verantwortlich seien. Zudem wird kritisiert, dass es keine eigenständige systemische Theorie gibt. Das Paradoxe daran: Jeder seriöse Berater definiert das systemische Coaching nicht mit einer eigenständigen Theorie, sondern vermittelt, dass die Ansätze ein Ergebnis vieler verschiedener erkenntnistheoretischer Theorien sind.

Literatur zum systemischen Coaching
Vor allem in den vergangenen Jahren gab es eine wahre Literatur-Flut zum Thema systemischen Coaching. Die besten Werke jedoch, sowohl für Neueinsteiger als auch Routiniers, wurden bereits vor einigen Jahren veröffentlicht. Wenn Sie sich für das systemische Coaching interessieren und ein Hintergrundwissen anstreben, empfehlen wir Ihnen das Buch Der Weg zum professionellen Coaching: Coach für Fortgeschrittene. Thomas Schulte gibt in seinem Buch nicht nur eine fundierte Einführung, sondern hat sein Werk auch mit zahlreichen Übungen versehen. Als ein Pionier dieser Branche gilt Dr. Wolfgang Looss. Es lohnt sich ein Blick in die Neuauflage seines „Klassikers“ Unter vier Augen: Coaching für Manager zu werfen. Wenn Sie auf der Suche nach einem sehr praxisnahen Buch sind, empfehlen wir Ihnen das Werk Systemisches Coaching. Aus der Praxis für die Praxis von Jürgen Hargens. Das Buch erschien bereits 2006 und gibt Ihnen einen sehr ehrlichen Einblick in die Arbeit zahlreicher systemischer Berater.

 

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