Lust zum Weinen ? – Ja, warum nicht?!

Meine Selbstarbeit mit Sleight of Mouth

Abschlussarbeit von Magdalena Roggendorf, als PDF lesen


1) Kurzes Vorwort und Definition
Was war meine Motivation dieses Thema auszuwählen? Zum einen sind Glaubenssätze eines meiner Lieblings-
themen. Zum anderen wollte ich für mich prüfen, inwieweit ich im Selbstcoaching meine einschränkenden Über-
zeugungen ändern kann.
Auch der von mir gewählte Glaubenssatz, scheint ziemlich verbreitet zu sein, was für mich einen zusätzlichen
Anreiz darstellt. Warum tun wir uns mit dem Thema Weinen so schwer? Warum entschuldigt sich dagegen
niemand, dass er bei einem guten Witz lacht?
Mehr hierzu im Abschnitt 3.

Was sind Glaubenssätze?

Vereinfacht gesagt stellen die Glaubenssätze die Landkarte eines Menschen dar, nach der er lebt. Glaubenssätze
können treibende Kraft sein und uns zum Erfolg hinleiten. Genauso gut können sie beschwerliche Gedanken er-
zeugen, die uns in unserem Handeln und beim Erreichen unserer Ziele hindern. In diesem Fall spricht man von
einschränkenden Glaubenssätzen.

Mein erstes Nachschlagewerk als Philologe ist Duden.1 Hier finde ich folgendes:

  1. mit dem Anspruch unbedingter Geltung vertretene religiöse These
  2. starre Anschauung, [Lehr]meinung

Aus der sicht des NLP werden Glaubenssätze wie folgt definiert:

Glaubenssätze sind Lebensregeln, die Menschen für wahr halten. Sie sind Interpretationen und Verallgemeinerungen
aus früheren Erfahrungen sowie individuellen Theorien, warum etwas so und nicht anders  ist und sind Grundlage
des alltäglichen Handelns und für den Einsatz der Fähigkeiten. Glaubenssätze beeinflussen, was wir denken und
wahrnehmen […] Von R.A. Wilson stammt das Konzept der zwei Instanzen im menschlichen Bewusstsein, dem
Denker und dem Beweiser: „Was der Denker denkt, beweist der Beweiser.“2

Glaubenssätze entstehen durch Generalisierungen über Ursache und Wirkung. Dabei kommt es zu Vereinfachung
komplexer systemischer Zusammenhänge auf der Ebene der Tiefenstruktur.

Die Glaubenssätze sind sehr stark in unserem Wertesystem verankert. Robert Dilts schreibt in seiner „Magie der
Sprache“ „Der Hauptzweck unserer Überzeugeungen und Glaubenssyteme ist, zentrale Werte mit anderen Teilen
unserer Erfahrung und unserer Landkarten der Welt zu verbinden.“3

Das von mir dargestellte Format, befasst sich zwar nicht mit dem Warum und Wie die Glaubenssätze entstanden
sind. Der Blick hinter das „Warum?“ enthüllt jedoch die Komplexität dessen, wie unsere inneren Landkarten der
Überzeugungen entstanden sind. Darauf möchte ich im Abschnitt 3 zurückgreifen.

2) Mein Ziel

Mein Ziel ist es meinen Glaubenssatz aus einer neuen Perspektive zu betrachten und einen neuen positiven
Glaubenssatz zu entwickeln.

3) Mein Glaubenssatz und wie ist er entstanden

Mein Glaubenssatz lautet „Weinen ist ein Ausdruck der Schwäche“
Ein Glaubenssatz, den ich genauso oft bei anderen erlebe.

Ich beziehe mich hier auf einen Kontext des täglichen Lebens. Im täglichen Leben gibt es nämlich die Tränen
der Trauer, des Kummers, der Verzweiflung, der Hoffnungslosigkeit, der Erleichterung, der Freude, des Glücks,
Liebeskummer, oder auch sonst Momente, wo man sich vielleicht überfordert fühlt, und wo das Weinen ein Ventil
verschaffen könnte. Das was Kinder oft wie selbstverständlich tun.
In diesem Kontext ,sagt mein Öko Check, wäre es von mir erwünscht und könnte mir eine große Hilfe sein.

Was hat mein Bild von Weinen geprägt

Sobald wir auf die Welt kommen, beginnt der Einfluss der Umgebung auf uns. Sei es die Familie, Freunde
oder die Gesellschaft, wir stehen ständig unter ihrer Einwirkung und werden von ihnen geprägt.

>Gesellschaft und Tradition<

Das Weinen sagt über unseren Umgang mit den Emotionen aus. Wächst man in einer Gesellschaft auf, die
bestimmte Emotionen fest in Zügeln hält, werden wir mit großer Wahrscheinlichkeit vermeiden, diese zu
zeigen. Der Regelcodex einer Gesellschaft, stellt Ansprüche an jeden Einzelnen und hinterlässt durch Gene-
rationen seinen Fußabdruck. Mit den Werten einer Gesellschaft werden wir von Kindesbeinen an in Märchen
und Geschichten konfrontiert.

Auch im Wandel der Zeit, hat sich die Einstellung zum Weinen verändert. Was in der Antike oder zu Goethe-Zeit
noch als „schön“ und „echt“ galt – denke man nur an „die Leiden des Jungen Werther“, wurde in den folgenden
Epochen durch den Kult der Vernunft als Ausdruck unkontrollierbarer Emotionen und als Schwäche abgewertet.

Vergleiche ich es mit meinen Erfahrungen in Deutschland, sind die Menschen in meiner Heimat Polen viel näher
am Wasser geboren. Tränen fließen bis Heute reichlich bei Hochzeiten und Beerdigungen. Es wird viel geweint,
jedoch gleichzeitig kommt es zur Ritualisierung des Weinens. Es wird aus dem „normalen“ Leben in bestimmte
dafür
vorgesehene Lebensräume verbannt.

>Familie<

Wenn das Thema in der Familie problematisch gesehen oder gar gemieden wird. Kann es sich zu einem Problem
entwickeln. Ich kann mich gut an Menschen in meinem familiären Umfeld erinnern, die Tränen unterdrückten
oder zu rechtfertigen versuchten.

>Eigene Erlebnisse<

Hinzu kommen eigene Erfahrungen. Empfanden wir Reaktion anderer auf unser Weinen als unangenehm, werden
wir sehr wahrscheinlich es meiden.

Aufgrund von all diesen Faktoren, entstand mit der Zeit auf meiner Landkarte ein negatives Bild vom Weinen in
einem anderen als dem dafür vorgesehenen Kontext und dieser ist, wie bereits erwähnt ziemlich eingeschränkt.
Weinen wurde zum Ausdruck mangelnder Anpassungsfähigkeit, Unfähigkeit den Alltag zu bewältigen bis hin
zum Versagen. Keine Tugend sondern eine Schwäche.

Diese Überzeugung möchte ich mit einer neuen positiven Überzeugung ersetzen und diese für mich verinnerlichen.


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1 https://www.duden.de/rechtschreibung/Glaubenssatz
2 https://nlpportal.org/nlpedia/wiki/Glaubenssatz
3 R.Dilts „Die Magie der Sprache. Sleight of Mouth. Angewandtes NLP“ 2. Auflage 2005, S.112