Aufstellungsarbeit im Businesskontext

und ihre Besonderheiten

Abschlussarbeit von Mila Krause, als PDF lesen


Der Aufstellungsleiter im Businesskontext muss ein feines Fingerspitzengefühl für die Vielschichtigkeit
und Mehrdimensionalität seiner Arbeit in Unternehmensstrukturen mitbringen. Rationalität und die extern
ausgerichtete Orientierung auf Zahlen, Daten und Fakten lässt im Businesskontext keinen großen Spielraum zur
Anwendung von Methoden zu, deren Wirkungsweise (noch) nicht zu 100% wissenschaftlich erklärt werden können.
Die systemische Aufstellungsarbeit ist eine solche Methode, deren unternehmerischer Benefit Entscheidern
nachvollziehbar dargestellt werden muss.
Die Reichweite und Breite der Anwendungsfelder sowie die mehrfach in der Praxis nachgewiesene Wirksamkeit von
Aufstellungsarbeit im Businesskontext liefern aber überzeugende Argumente für deren Anwendbarkeit und Erfolg in
diversen Fragestellungen, die in der Welt von Unternehmen und Organisationen relevant sind. Die Methode der
Aufstellungsarbeit bietet Orientierung bei z.B. Ziel-/Lösungs-/Entscheidungsfindung, Ressourcenarbeit,
Bewältigung von Teamkonflikten, Führungsthemen, Erschließung neuer Geschäftsfelder, Verbesserung der
Kundenorientierung, Fluktuation, Personalauswahl, Prozessoptimierungen, Mergers & Acquisitions und vieles mehr.
Die Wirkung der Aufstellungsarbeit, bestehend aus der Aufdeckung und genauen Beschreibung der zu bearbeitenden
Themen, Planung der notwendigen Schritte inkl. deren Umsetzung, Ergebnismonitoring und bei Bedarf Korrektur
spiegelt sich am Schluss in der Performance des Unternehmens, folglich in dessen Kennzahlen, wieder. Dabei
existieren in einer Organisation eine Menge ‚versteckter‘ Themen (z.B. ‚Hidden Factory‘), die Effizienz und Qualität
der Abläufe beeinträchtigen und dennoch weitgehend unerkannt bleiben können. Diese Themen für die Teilnehmer
sichtbar zu machen und aufzulösen, gehört zu den Aufgaben des Aufstellungsleiters. Insbesondere Spannungen im
Unternehmen und die daraus resultierenden Reibungsverluste beinhalten ein breites Spektrum an inneren,
emotionsgeladenen Dynamiken, die in einer Aufstellung transparent gemacht werden. Der Erfolg von
Aufstellungsarbeit innerhalb von Organisationen hängt – neben der impliziten Weisheit des Systems – wesentlich
von den kommunikativen Fähigkeiten des Aufstellungsleiters ab, seinen Kompetenzen, die Methode in den
Erfahrungshorizont des Unternehmens zu integrieren.

1. Zugangskanäle für Aufstellungsarbeit in der Businesswelt

Die Funktionsweise der Aufstellungsarbeit wurde vielseitig untersucht. Es gibt vielfältige Erklärungsansätze
zur Wirkungsweise. Dennoch lässt sich festhalten, dass:

∙ Aufstellungsarbeit auf eine wundersam anmutende Art und Weise funktioniert
∙ Die Wirkungsweise der repräsentativen Wahrnehmung (Stellvertreter-Phänomen)
sowie die Treffsicherheit der an der Aufstellungsarbeit beteiligten Stellvertreter – ob
Menschen oder Gegenstände – bis dato nicht vollständig erklärt werden konnten.

Das typische, nach außen gerichtete, Business-‚Mind Set‘ lässt solchen vagen Methoden wenig Spielraum. Das, was
nicht messbar auf Zahlen, Daten und Fakten basierend, nachvollziehbar oder rational wirkt, wird in der
Businesswelt oft nicht ernst genommen. Dies gilt insbesondere im Management. Das persönliche Image und die
‚Scheinwelt‘, die umso illusorischer zu sein scheint, je höher das Management Level ist, lassen keinerlei Berührung
mit unüblichen und merkwürdig wirkenden Arbeitsweisen zu. Wenn es sich, wie beschrieben um konstruierte
Scheinwelten handelt, liegt auf der Hand, dass in diesen Kreisen die aufdeckende Methode der Aufstellungsarbeit
Akzeptanzprobleme jenseits methodischer Unschärfeproblematiken hat. Gleichzeitig ist der Mehrwert, den
Aufstellungsarbeit im Business erzielen kann, hoch. Die vielseitigen Anwendungbezüge der Aufstellungsformate bei
diversen Fragestellungen, die in Unternehmenszusammenhängen relevant sein können, sind offensichtlich.
Schließlich sind Unternehmen neben ihrer wirtschaftlichen Funktion auch Sozialräume, in denen Personen mit
einander interagieren. Insbesondere lassen sich folgende Business-Themen mittels Aufstellungsarbeit bearbeiten:

∙ Ausrichtung der Organisation auf Aufgaben, Ziele, Mission, Vision sowie deren
Ausarbeitung
∙ Ressourcenarbeit
∙ Umgang mit Blockaden/Hindernissen
∙ Teambuilding: z.B. Konflikte im Team, Rollendefinition, eigener Platz im Team
∙ Führungsverhalten
∙ Change Management
∙ Priorisierung der Themen, Projekte
∙ Jobwechsel
∙ Entwicklung/Platzierung neuer Produkte/Dienstleistungen am Markt
∙ Organisationsentwicklung und strukturelle Themen
∙ Entscheidungsthemen mit Bezug auf Business
∙ Vorbereitung, Implementierung und Nachschau der Maßnahmen
∙ Personalentscheidungen (z.B. Auswahl des passenden Bewerbers)
∙ Unternehmenskultur und Arbeitsklima
… und vieles mehr

Da ‚Mehrwert‘ ein wesentlicher Begriff in unternehmerischen Zusammenhängen ist, erschließt sich somit ein
Zugangskanal für die Aufstellungsarbeit zum Mind Set der Businesswelt: Durch das Aufzeigen des Mehrwertes. Ein
einfaches Beispiel hierbei ist das Coaching-Angebot für die Mitarbeiter des Unternehmens. In der Einzelarbeit mit
dem Mitarbeiter mittels Figuren, Gegenständen, Steinen, Bodenankern, Stühlen etc. lassen sich mithilfe von
Aufstellungsarbeit viele Themen lösen, die einen unmittelbaren Einfluss auf die Präsenz am Arbeitsplatz, psychische
sowie physische Gesundheit des Mitarbeiters haben. Dass Prävention hier deutlich effizienter und kostengünstiger
ist, als ‚Problemintervention‘ mit möglichen Folgekosten, haben viele Unternehmen inzwischen realisiert und bieten
deshalb ihren Mitarbeitern diverse Präventionsangebote an, um Burnout bzw. Stresserkrankungen vorzubeugen. Die
Wirksamkeit solcher Maßnahmen lässt sich anhand von Kennzahlen feststellen. So kann für die Methode der
Aufstellungsarbeit in bestimmten Unternehmenszusammenhängen argumentiert werden.

Einen weiteren Zugangskanal stellt ein ‚Cross-Selling‘ Instrument dar. Wenn ein externe Berater bereits einen
bestehenden Auftrag in einem Unternehmen hat, kann dieser um das Angebot Organisationsaufstellung ergänzen
werden, falls er feststellt, dass diese Art von Arbeit zu den Themen der Organisation/Firma gut passen würde. Die
bestehenden Schwierigkeiten innerhalb der Organisation und in den Arbeitsbeziehungen ebnen den Zugang zu den
Methoden des Beraters, um eine Auflösung der die Produktivität mindernden Konflikte herbei zu führen. Außerdem
können persönliche Empfehlungen und Erfahrungsberichte, Netzwerkarbeit, Postings in Social Media und
Referenzen als Marketinginstrumente genutzt werden, um den Wirkungsgrad des Beraters und die Akzeptanz für die
Arbeitsweise in den Organisationen zu erhöhen


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