Corona und Aufstellen

Covid 19 hat das Zusammenleben grundlegend und in den intimsten wie öffentlichen
Begegnungen verändert. Ausgangssperren und Kontaktverbote hat es in der Bundesrepublik
Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben. Die tief in die
Selbstbestimmungsrechte der Menschen eingreifenden Bestimmungen und Maßnahmen
haben das Lebensgefühl und die sozialen Praktiken stark betroffen und verändert. Es bleibt
abzuwarten, wie sich diese Erfahrungen in der Aufstellungsarbeit zeigen werden. Welche
Auswirkungen hat das Gewahrsein einer mögliche Infektion für das Verhalten und das
Resonanzerleben in Stellvertreterpositionen? Die staatlichen Maßnahmen selbst haben bei
vielen älteren und kriegstraumatisierten Menschen Erinnerungen freigelegt oder Reaktionsmuster
mobilisiert, die mit traumatischen Mustern verbunden sind. Ebenso die psychischen Auswirkungen
von Isolation haben das Potenzial, solche Muster zu aktiveren. Hier bleibt abzuwarten, ob sich
das in zukünftigen Aufstellungen zeigen wird oder die Relevanz mit dem Wegfall der auslösenden
Bedingungen aufhebt. Für die Praxis bleiben auf jeden Fall Hygienekonzepte von Bedeutung, die
die Sicherheit der teilnehmenden Personen gewährleisten müssen und eventuelles
Infektionsgeschehen nachvollziehbar macht.